# taz.de -- Kolumne Ich meld mich: Sorry dafür, Leute
       
       > Griechenland, Nepal, Spanien – Reisen verbindet. In der Regel. Aber
       > manchmal trennt auch so einiges, das man erst später versteht.
       
 (IMG) Bild: Erinnerung an Pablo Picassos „Guernica“ im nordspanischen Cartojor
       
       Griechenland, 60er Jahre. Schon am ersten Tag finde ich auf der Insel Egina
       ein nettes Restaurant. Gutes Essen, ein freundlicher Wirt, und immer sitzen
       ein paar Männer herum, die bei Daimler gearbeitet haben. Erst am letzten
       Abend wage ich mich in die laute, verrauchte Spelunke am Ende des Kais.
       
       Dort komme ich mit einem jungen Seemann ins Gespräch. „Wir haben uns schon
       gewundert“, sagt er. „Lange Haare, komische Klamotten, auch am Gefängnis
       bist du ein paar mal vorbeigewandert – und dann sitzt du die ganze Woche in
       der Kneipe der Faschisten herum.“
       
       Nepal, 90er Jahre. Das Land steckt in einer schweren Krise, Touristen
       bleiben fern. Auf dem Durbar Square in Kathmandu sitzen die
       Souvenirverkäufer ratlos hinter ihren Gebetsmühlen, Dolchen und bestickten
       Westen. Ein junger Mann zieht mich ins Gespräch, er hat eine bunte
       Holzfigur, die mir gefällt. Halbherzig beginne ich zu handeln – ich sehe es
       eher als Test.
       
       Aus halbwegs akzeptablen Rupienhöhen handle ich ihn in schwindelerregende
       Tiefen – bis er irgendwann nur noch empört den Kopf schüttelt, aber nicht
       aufgibt. Ich bestehe auf meinem Preis, der nur noch symbolisch unter seinem
       liegt – kaufe aber, als er nicht darauf eingeht, doch zu seinem.
       Umgerechnet zahle ich 40 Pfennig. Die Verabschiedung ist nicht herzlich.
       
       Spanien, 70er-Jahre. Ich mache halt in einer Kneipe im Baskenland, bestelle
       Wein und beginne mit den Männern zu radebrechen. „Ah, Alemán“, sagt einer –
       Deutscher also. Dann redet er sehr temperamentvoll auf mich ein. Das
       Einzige, was ich mit meinem rudimentären Spanisch verstehe, ist „Legion
       Condor“. Habe ich irgendwo schon mal gehört. Strahlend bestätige ich:
       „Legion Condor, sí.“ Jetzt dreht er durch und brüllt los: „Legion Condor,
       que?“ – „Sí, Legion Condor“ – und würden die anderen ihn nicht zurückhalten
       und mich schnell zur Tür hinausschieben, käme es zu einer Schlägerei.
       
       Der Ort, lerne ich später, liegt wenige Kilometer von Guernica entfernt.
       Das 1937 von der deutschen Legion Condor bombardiert worden war.
       
       9 Apr 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franz Lerchenmüller
       
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