# taz.de -- Kommentar Ackergifte und Bienensterben: Sind doch nur Insekten?
       
       > Jean-Claude Juncker findet Pestizid-Verbote unwichtig – die EU habe
       > „Größeres“ zu tun. Dabei sind Artenschutz und der Erhalt von
       > Biodervisität ein Megathema.
       
 (IMG) Bild: Würde Juncker wohl gerne piksen: eine Biene
       
       [1][Ist das geplante Verbot von Neonicotinoiden] ein Beispiel für
       „Klein-Klein“? Für EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker wohl
       schon: Ein Spezialbereich der Landwirtschaftspolitik, der klärt, welche
       Ackergifte Bauern nutzen dürfen, um Bienen nicht zu gefährden. Nach
       Überzeugung Junckers sollten darüber die Mitgliedstaaten allein
       entscheiden. Die EU müsse für die „großen Dinge“ da sein, forderte er am
       Samstag, dem Festtag für die Römischen Verträge – was für eine
       Fehleinschätzung!
       
       Juncker verbindet mit „kleinteiliger Politik“ genaue inhaltliche
       Vorstellungen. Er fasst darunter alles, was Industrie, Handel und Wachstum
       behindert. Insofern spricht der Kommissionspräsident auch auf der
       EU-Geburtstagsparty nicht als Visionär eines künftigen Europas, sondern als
       liberal-konservativer Pragmatiker.
       
       Wie schade: Rein defensiv hebt er hervor, wozu die EU nicht da sei – statt
       ihre Leistungen und Möglichkeiten zu betonen. Und die liegen jenseits geo-
       oder friedenspolitischer Appelle in demokratischen und mit der Fähigkeit
       zur Selbstregulation ausgestatteten Verfahren zur Lösung vermeintlich
       kleiner Probleme. Das ist gerade in der Umwelt- und Landwirtschaftspolitik
       so, in der es kleine Probleme gar nicht gibt.
       
       Der Bienenschutz ist ein gutes Beispiel: das Sterben der Insekten, also der
       Verlust von Biodiversität, ist ein Megathema. Genau wie der Schutz von
       Ressourcen und Klima, der sich in trockenen Vorschriften zu Verpackungen
       verbirgt. Auch das ist kein „Klein-Klein“. Die Liste ließe sich leicht
       fortsetzen.
       
       Zugegeben, die Verfahren der EU sind kompliziert und langwierig. Aber sie
       sichern vielen Akteuren politische Teilhabe; sie sind transparent und
       sorgfältig. Das komplexe Gebilde EU hätte eine Kommission verdient, die an
       seinen Schwächen arbeitet und die Stärken offensiv vertritt und besser
       erklärt. „Große Linien“ sollte sie den Populisten überlassen, die am
       „Klein-Klein“ übrigens in der Regel scheitern.
       
       26 Mar 2017
       
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