# taz.de -- Kolumne Pressschlag: Poldi nach Baku!
       
       > Langweilige Abschiedsspiele des DFB-Teams sind spannender als
       > Qualifikationsspiele. Das muss anders werden.
       
 (IMG) Bild: Die Verlegung von Lukas Podolskis Abschied hätte das Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan interessanter gemacht
       
       Der Abschied von Lukas Podolski kam zu früh. Man hätte ihn auf den
       Qualifikationsspieltag diesen Sonntag verlegen müssen, um aus der Partie
       gegen Aserbaidschan wenigstens ein Event zu machen. Für Poldi wären seine
       treuen Kölner Verehrer sicherlich auch in großer Anzahl nach Baku gereist,
       um richtig Stimmung zu machen. So aber bleibt die Begegnung nichts weiter
       als ein Quaaaalifikationsspiel. Dieses Wort können Nationalelfbeobachter
       schon gar nicht mehr aussprechen, ohne beim dritten Buchstaben ein Gähnen
       zu unterdrücken.
       
       Die DFB-Elf hat ein Problem. Sie ist zu dominant geworden. Selbst im
       unwahrscheinlichen Fall einer Niederlage in Baku, wird niemand daran
       zweifeln, dass die DFB-Elf bei der WM 2018 in Russland dabei sein wird.
       Jenseits der großen Turniere hat das Team von Joachim Löw weder etwas zu
       gewinnen noch zu verlieren.
       
       Ums Gewinnen und Verlieren geht es in der Bundesliga, Europa League oder
       Champions League. In den Länderspielwochen dagegen entscheidet sich aus
       deutscher Sicht nichts, was man nicht schon vorher wüsste. Und die
       Schlagzeilen dieser Woche zeugen nicht gerade davon, dass die Nationalelf
       ein sonderlich produktiver Unterhaltungsbetrieb wäre. Mesut Özil tut der
       Rücken ein wenig weh, den Debütanten Timo Werner plagt eine
       Muskelverletzung, und Jonas Hector, die bislang aufregendste Meldung, ist
       seit Mittwochabend mit 26 Einsätzen saarländischer Rekordnationalspieler
       und hat damit Stefan Kuntz überflügelt.
       
       Nicht umsonst wird diese spannungsarme Phase von vielen Veranstaltern
       mittlerweile genutzt, um Aufmerksamkeit auf anderes zu lenken. Beim FC
       Bayern München etwa hat man diese Woche die Liebe zum Frauenfußball
       entdeckt und entsprechend für deren Champions-League-Wettbewerb getrommelt.
       Bei Hertha BSC Berlin ist das Abschiedsspiel des Brasilianers Marcelinho
       das große Event des Wochenendes.
       
       Joachim Löw konnte sich das Lächeln nur mühsam verkneifen, als er kürzlich
       die Begegnung gegen Aserbaidschan zum Spitzenspiel adelte. Viel mehr hat er
       nämlich damit zu tun, die Erwartungen auf einen Kantersieg zu dämpfen. Löw
       warnte, die Partie (Spitzenspiel) werde kein Selbstläufer. Und offenbar
       fühlte er sich genötigt, deutlich zu machen, dass es für sein Team noch
       einiges zu tun gibt. Auf der Agenda der Nationalelf stehen mehr Dominanz
       und Effizienz.
       
       Da die Dominanzdemonstrationen immer ermüdender werden und zudem mit der
       Erweiterung der WM 2026 auf 48 Teilnehmer die Hürde der Qualifikation in
       lächerliche Tiefe heruntergesetzt wird, muss sich der DFB Gedanken machen,
       wie er das Publikum künftig bei der Stange halten will. Mit der Abschaffung
       der Abschiedsspiele, die wie im Falle von Podolski eben nun während der
       Freundschaftsspiele ehrenvoll entlassen werden, hat man den ersten Schritt
       schon unternommen, um den Unterhaltungswert dieser Begegnungen zu steigern.
       
       In einem zweiten Schritt sollte man nun die Freundschaftsspiele abschaffen,
       um die Quali-Duelle aufzupeppen. Und bei der WM 2026 könnte man ja den
       Vorrundenspielen eine Bedeutung verleihen, indem man etwa Joshua Kimmich
       einen würdigen Abschied bereitet.
       
       24 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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