# taz.de -- Kommentar Deutschland und die Kurden: Kotau vor Erdoğan
       
       > Die Bundesregierung zeigt mehr Härte gegen Kurden – ganz im Sinne
       > Erdoğans. Es ist der feigste Kurs, den man sich vorstellen kann.
       
 (IMG) Bild: Öcalan-Konterfeis: Eine Kundgebung wie hier in Frankfurt/M. würde in der Türkei fatale Folgen für die Demonstranten haben
       
       Noch unmöglicher, als der türkische Präsident Erdoğan es in den letzten
       Tagen getan hat, kann man sich gegenüber der Bundesregierung kaum
       aufführen. Doch kein noch so abseitiger Vorwurf vermochte die
       Bundesregierung daran zu hindern, Erdoğan einen seiner wichtigsten Wünsche
       zu erfüllen: mehr Härte gegen die KurdInnen zu zeigen.
       
       Per Brief an die Länder erklärte das Bundesinnenministerium, dass künftig
       weitere Symbole als Chiffren für die verbotene PKK in Deutschland nicht
       mehr gezeigt werden dürfen, weil sie stellvertretend für die PKK stehen
       sollen. Darunter fallen etwa Fotos des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah
       Öcalan, aber absurderweise auch die Fahnen von in Deutschland legalen
       Kurdenorganisationen wie der syrischen YPG oder dem kurdischen
       Studierendenverband YXK.
       
       Auf allen diplomatischen Kanälen fordert die Türkei, die syrischen
       Kurdenorganisationen ebenfalls als Terroristen zu behandeln und zu ächten.
       Erfolg hatte sie damit fast nirgendwo, zumal die syrischen Kurden sich als
       eine der vernünftigsten politischen Kräfte in dem jahrelangen Krieg
       erwiesen hatten. Gleichwohl folgt Berlin nun dem Wunsch der Türkei und
       kriminalisiert die, die Widerstand gegen den IS leisten.
       
       Es ist der feigste Kurs, den man sich vorstellen kann: Einerseits kommt man
       Erdoğan entgegen, so wie die Bundesrepublik seit jeher den Türken beim
       Kampf gegen die KurdInnen beistand – mit Panzern und mit Verboten.
       Andererseits vermeidet Berlin es auf diese Weise, die USA zu sehr vor den
       Kopf zu stoßen. Denn die betrachten die syrischen Kurdenorganisationen als
       Partner im Kampf gegen den IS.
       
       Der Kampf gegen die Kurden ist das Schlüsselelement in
       ErdoğansNationalismusideologie, das schreibt selbst das Auswärtige Amt in
       internen Papieren. Die Kurden sollen mit dem Verbot in Deutschland mundtot
       gemacht werden. Für Erdoğan ist das ein diplomatischer Sieg, der ihm kurz
       vor dem Referendum gerade recht kommt.
       
       20 Mar 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Jakob
       
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