# taz.de -- Berichterstattung zum Frauentag: War da was?
       
       > In Berlin haben am 8. März 10.000 Menschen demonstriert. An diese Zahl zu
       > gelangen war schwer. Denn einen Bericht war es vielen Medien nicht wert.
       
 (IMG) Bild: Besonders viele Bilder gibt es von den Demos in Berlin übrigens auch nicht
       
       Es ist Mittwochabend. Um mich herum [1][protestieren Menschen mit
       Transparenten und Sprechchören] gegen Sexismus und Diskriminierung, fordern
       das gute Leben für alle. Es ist eine von mehreren Berliner Demonstrationen
       zum Internationalen Frauentag, organisiert von dem Bündnis Frauen*kampftag.
       
       Wir sind schon mehrere hundert Meter gelaufen, da klingelt mein Telefon.
       Eine Freundin steht am Startpunkt der Demo und sucht mich – auf dem Platz
       selbst sind immer noch so viele Menschen versammelt, dass vielen gar nicht
       klar ist, dass der Protestzug schon läuft. Wir sind viele. Doch wer nicht
       dabei war, wird davon nur am Rande erfahren.
       
       Am nächsten Morgen will ich wissen, wie viele Menschen an der Demonstration
       teilgenommen haben. Auf der Webseite der Berliner Zeitung und des
       Tagesspiegels finde ich: nichts. Hier dreht sich alles um den anstehenden
       Streik an Berliner Flughäfen. Das Boulevardblatt BZ berichtet außerdem, wie
       Berliner Polizisten [2][Jagd auf Dachse und Wildschweine machen].
       
       Ich suche nach „Frauentag“, „Demonstration“ und „Berlin“ bei Google News –
       und finde einen Artikel der Berliner Zeitung darüber, [3][wie der 8. März
       in der DDR gefeiert wurde]. [4][„Frauentag: Warum gibt es den?“], fragt die
       Aachener Zeitung. Es gibt Sammeltexte, die in jeweils kurzen Absätzen
       zusammenfassen, was in welchem Land passiert ist, zu den USA gibt es
       längere Artikel. [5][Im letzten Absatz eines Artikels im Neuen Deutschland]
       heißt es: „Auch in Berlin protestierten mehrere tausend Menschen für
       Frauenrechte.“
       
       Nun fanden die Demos vor allem abends statt, die Texte müssen vielleicht
       noch geschrieben werden. Ich durchsuche die Agenturmeldungen. Hier wird
       doch wohl irgendwo die Zahl der Teilnehmenden zu finden sein, getickert von
       dpa, AFP oder sonst einer Agentur. Fehlanzeige. Auch ein Anruf bei der
       Pressestelle der Berliner Polizei hilft nicht weiter – man gebe generell
       keine Zahlen mehr heraus, heißt es.
       
       ## Wir waren viele
       
       Erst eine Mail an die Veranstalter*innen gibt Aufschluss: Ihren Angaben
       zufolge liefen etwa 8.000 Menschen mit. Bei der Abschlusskundgebung auf dem
       Kreuzberger Oranienplatz sollen es dann etwa 10.000 gewesen sein – hier
       kamen die verschiedenen Demos zu einem gemeinsamen Abschluss zusammen.
       
       Wir waren viele. Es gab mehr Aktionen als im Vorjahr, nicht nur in Berlin.
       Auch in Hamburg etwa waren gleich vier Demonstrationen angekündigt. Das war
       dem Hamburger Abendblatt einen Vorabbericht wert – [6][um Autofahrer vor
       Verkehrsbehinderungen zu warnen].
       
       Warum gibt es so gut wie keine Berichte von dem Abend, an dem
       deutschlandweit Tausende für die Rechte von Frauen protestiert haben?
       
       Der Internationale Frauentag gilt vielen als eine Art
       „Pflichtveranstaltung“. Entstanden ist er Anfang des 20. Jahrhunderts – als
       Frauen noch dafür kämpfen mussten, überhaupt wählen zu dürfen.
       
       Heute beschleicht einen oft der Verdacht, der 8. März werde mit einem
       zweiten Muttertag verwechselt. Männer wünschen Frauen „Alles Gute zum
       Frauentag“, der Chef verteilt Blumen an die Kolleginnen im Büro – quasi
       eine Perversion dieses Tages an sich. Medien bringen vorab ihre
       Standardartikel – siehe oben – und damit ist das Programm abgehakt.
       
       ## Frauenrechte sind nicht selbstverständlich
       
       So auch in diesem Jahr. Doch die Art der Berichterstattung wird der
       feministischen Bewegung noch viel weniger gerecht als in den vergangenen
       Jahren. Denn gerade jetzt entdecken viele Menschen wieder, warum – und
       worum – es sich an diesem Tag zu kämpfen lohnt.
       
       Es ist in den vergangenen Monaten immer wieder gesagt worden: Der rechte
       Backlash politisiert die Menschen, bringt sie auf die Straße. Frauenrechte
       wurden über Jahrzehnte in harten Kämpfen errungen. Sie sind nicht
       selbstverständlich. Menschen wie Donald Trump sind der lebende Beweis
       dafür, dass diese Rechte auch wieder eingeschränkt werden können.
       
       Überall auf der Welt, von den USA über Argentinien nach Deutschland, haben
       Frauen in den letzten Monaten lautstark ihre Stimme erhoben, die mediale
       Aufmerksamkeit war groß. Doch einen Tag nach dem 8. März scheint es damit
       vorbei zu sein. Die ausbleibende Berichterstattung zeigt: Wir müssen wohl
       noch viel lauter werden.
       
       9 Mar 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Proteste-am-Frauenkampftag-in-Berlin/!5390998/
 (DIR) [2] http://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/berliner-polizisten-toeteten-62-tiere-mit-ihren-dienstwaffen
 (DIR) [3] http://www.berliner-zeitung.de/berlin/8--maerz-so-wurde-der-frauentag-in-der-ddr-gefeiert-26153992
 (DIR) [4] http://www.aachener-zeitung.de/news/karlo-clever/frauentag-warum-gibt-es-den-1.1574618
 (DIR) [5] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1044239.zehntausende-sagen-nein-zum-patriarchat.html
 (DIR) [6] http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article209866383/Polizei-warnt-Autofahrer-Vier-Demos-an-nur-einem-Abend.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dinah Riese
       
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