# taz.de -- Kolumne Macht: Ein Silberstreif ist sichtbar
       
       > Die Popularität der AfD nimmt ab, die Umfragewerte von Trump sind
       > schlecht. Falls es gut geht, wird der Wert der Demokratie hoffentlich
       > deutlicher.
       
 (IMG) Bild: Die Sonne geht auf über dem Capitol in Washington
       
       Der Unterhaltungswert sinkt, wenn sich jemand nicht nur gelegentlich,
       sondern beinahe stündlich zum Affen macht. Äußerungen des US-Präsidenten,
       über die vor zwei, drei Wochen noch viele gehöhnt hätten, werden inzwischen
       nur noch mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Der Mensch gewöhnt
       sich schnell. An vieles.
       
       Mit Lachen allein wird man die Geister, die Donald Trump entfesselt, nicht
       in ihre Flaschen zurückschicken können. Obwohl es hilft, Trübsal zu
       vertreiben: Das Video, das ihn und den japanischen Ministerpräsidenten
       Shinzo Abe beim Händeschütteln zeigt, ist noch in der schwärzesten Stunde
       lustig.
       
       Aber die Erleichterung hält eben nicht an. Zumal die Furcht vor dem, was
       Donald Trump anrichten könnte, ja nicht kleiner wird, je absurder er sich
       verhält, und sie ist berechtigt. Die Tatsache, dass er jederzeit – ohne
       Vorwarnung, ohne Kontrolle, ohne Rückfrage – einen Nuklearangriff auslösen
       kann, lässt sich nicht wegwitzeln.
       
       Dennoch gibt es Silberstreifen am Horizont, schmale zwar, aber sichtbare.
       Die AfD verliert an Zustimmung. Schon wahr, sie wird vermutlich im nächsten
       Bundestag vertreten sein. Aber diejenigen ihrer potenziellen Wählerinnen
       und Wähler scheinen ins Grübeln zu kommen, die weder rechtsextrem sind noch
       rassistisch, sondern einfach – Zitate aus Leserzuschriften – „es den
       arroganten Eliten“ mal „zeigen“ und „alle Karten neu mischen“ und „das
       Spiel neu“ beginnen wollen.
       
       ## Attraktiv ist das nicht
       
       Immerhin lässt sich derzeit in den USA besichtigen, wie es aussieht, wenn
       alles auf Null gestellt und mangelnde Professionalität für ein
       Qualifikationsmerkmal gehalten wird. Attraktiv ist das nicht. Übrigens
       gerade nicht für Konservative, deren Sympathien gegenüber Spontibewegungen
       eigentlich eher gering sind.
       
       Was für Deutschland gilt, gilt auch für die USA. Es ist wahr: Noch immer
       halten viele Leute zu Donald Trump. Das ist nicht überraschend, das ist
       normal. Aber es trifft schlicht nicht zu, dass der Präsident – wie derzeit
       in vielen, auch in deutschen, Nachrichtensendungen verkündet wird – „gute
       Umfragewerte“ für sich verbuchen kann. Man möchte dringend „Fake News!“
       rufen, wenn dieser Begriff nicht mittlerweile allzu sehr belastet wäre.
       
       Die Umfragewerte von Trump sind katastrophal. Gut sind sie nur bei einem
       Institut, das – zugegeben – vor der Wahl als einziges seinen Sieg
       vorhergesehen hat. Aber kann die Konsequenz daraus sein, dass alle anderen
       ignoriert werden? Deren Angestellte ja auch nicht einfach Idioten sind,
       sondern die vermutlich Lehren aus ihrer Blamage gezogen haben? Das erinnert
       doch sehr an das Verhalten eines Kaninchens vor der Schlange.
       
       Noch ein Silberstreif. Fox News, ein republikanischer Propagandasender,
       geht vorsichtig – ganz, ganz vorsichtig – auf Distanz zum Präsidenten. In
       den Stunden, in denen andere US-Medien im Zusammenhang mit dem Rücktritt
       des Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn titelten, dass Trump
       „alles“ gewusst habe, ließ Fox News sein Publikum wissen: „Pence wusste
       nichts.“ So sieht eine – professionelle – Vorbereitung auf die immerhin
       mögliche Amtsübernahme eines Vizepräsidenten aus. In diesem Fall: auf die
       von Mike Pence.
       
       Und dann gibt es noch einen breiten, einen ganz breiten Silberstreif. Sehr
       viele Männer und Frauen, die ihr ganzes Leben in einer Demokratie gelebt
       haben, verstehen zum ersten Mal, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.
       Sondern dass Freiheiten erkämpft werden müssen – und dass es sich lohnt, um
       sie zu kämpfen. Albernheiten wie „Ach, es macht ja keinen Unterschied, wen
       ich wähle. Ich wähle gar nicht“ – klingen nicht mehr souverän. Sondern nur
       noch blöd.
       
       17 Feb 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bettina Gaus
       
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