# taz.de -- Strom aus Wind und Sonne: Grünes Licht für Afrika
       
       > Ein 10-Milliarden-Projekt soll die Energiewende auf dem Kontinent
       > voranbringen. Noch fehlt die Infrastruktur, die Länder streiten über die
       > Umsetzung.
       
 (IMG) Bild: Zu Beginn der Zehnerjahre war der Aktivismus für Solarenergie in Afrika noch ein wenig zurückhaltend. Das hat sich geändert (Archivbild vom Klimagipfel 2011 in Durban)
       
       Berlin taz | Das Potenzial für erneuerbare Energien in Afrika ist riesig –
       und die Versprechen, sie zu nutzen, ebenfalls. Sehr gute Windverhältnisse,
       300 bis 320 Tage Sonne im Jahr und große Chancen bei Wasserkraft und
       Erdwärme bescheinigt die Internationale Energieagentur (IEA) dem Kontinent.
       „Afrika kann etwas Einmaliges in der Geschichte der Energiewirtschaft
       erreichen“, sagt IEA-Chef Fatih Birol, „Hier kann sich zum ersten Mal ein
       ganzer Kontinent auf der Basis der erneuerbaren Energien entwickeln.“
       
       Zehn Milliarden Dollar haben die Industrieländer der G7 im vergangenen Jahr
       für die „Africa Renewable Energy Initiative“ (AREI) versprochen. Damit
       wollen die afrikanischen Staaten und die Afrikanische Union bis 2020
       Kraftwerke für etwa zehn Gigawatt Öko-Strom errichten. Bisher haben alle
       fossilen Kraftwerke Afrikas nur eine Leistung von 160 Gigawatt – weniger
       Kapazität als in Deutschland.
       
       AREI wurde auf dem Pariser Klimagipfel 2015 verkündet und trug dazu bei,
       dass Afrika dem Abkommen zustimmte. Auf dem Gipfel von Marrakesch wird nun
       eine erste gemischte Bilanz gezogen: Ein Jahr ist vergangen, die
       finanziellen Zusagen würden „die zehn Milliarden deutlich übertreffen“,
       heißt es von der Bundesregierung, aber passiert ist noch nicht viel. Noch
       ist unklar, welche Projekte in welchen Ländern realisiert werden sollen.
       
       Die Planungen gehen über die zehn Gigawatt – was etwa der Leistung von zehn
       AKWs entspricht – weit hinaus. 300 Gigawatt an Ökostrom sollen bis 2030 die
       Energiearmut in Afrika lindern und dann die Hälfte des Stromkapazität
       ausmachen. Bislang ist Afrika noch immer der dunkle Kontinent, wo mehr als
       600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität haben. Dabei bedeutet
       Strom: Licht für Bildung, Radio und TV für Information, Kühlschränke und
       Medikamente – die Vorbedingungen für den Kampf gegen die Armut. Genau das
       haben die UN-Staaten 2015 in den „Nachhaltigen Entwicklungszielen“ (SDG)
       beschlossen.
       
       Mit 11.000 Gigawatt hat Afrika ein riesiges Potenzial allein bei der
       Sonnenenergie. Für die Internationale Agentur für erneuerbare Energien
       (IRENA) spricht auch die Ökonomie für den Ökostrom. Die heimischen Energien
       machten die Länder unabhängiger von importierten Rohstoffen, heißt es.
       Allein 2010 zahlten die 54 afrikanischen Länder 18 Milliarden Dollar für
       die Einfuhr von Öl und Benzin, mehr als sie an Entwicklungshilfe bekamen.
       Die Subventionen für die fossilen Treibstoffe aus den afrikanischen
       Staatskassen beliefen sich demnach noch einmal auf 50 Milliarden Dollar.
       
       ## Investitionen für Öl und Gas
       
       Bisher gehen gar zwei Drittel der Energie-Investitionen in Infrastruktur
       für den Export von Öl und Gas, schreibt die IEA. Das bringe den Ländern
       Einnahmen, vernachlässige aber die heimische Entwicklung. Das gescheiterte
       Unternehmen Desertec beruhte auf solchen Überlegungen: Europäische
       Energiekonzerne wollten in der Sahara und im Maghreb Strom aus Wind und
       Sonne ernten und nach Europa leiten. Heute sind nur noch Reste dieser
       Vision übrig – etwa in Marokko eines der größten Solarstrom-Kraftwerke in
       Ouarzazate, das mit Millionen Hilfsgeldern gebaut wurde.
       
       Investoren werden oft von unklaren Gesetzen, Konflikten und Korruption
       abgeschreckt, mahnt die IEA. Für ihren Chef Birol ist klar: „Länder, die
       ihre Bedingungen für Investitionen vorhersehbar machen, bekommen eine Menge
       Geld. Ghana, Botswana und Tansania sind solche Beispiele. Das setzt einen
       Trend und viele Länder schauen sich das gut an. Politiker verstehen: Ohne
       klare Regeln keine Investments, ohne Investments keine Energie, ohne
       Energie keine Entwicklung. Und wenn es keine Entwicklung gibt, hat das
       vielleicht auch für die Politiker Rückwirkungen.“
       
       Der Preisverfall bei Solaranlagen fördert auch die dezentrale Energiewende.
       Unternehmen wie das deutsche Start-up Mobisol vertreiben seit 2012 kleine
       Solaranlagen an Kleinstunternehmer. Die installieren in Tansania, Ruanda
       und Kenia Anlagen auf ihren Dächern. Das Unternehmen hat bisher 50.000
       ländliche Haushalte versorgt und will weiter wachsen. Da aber stößt die
       Energiewende ab und zu an Grenzen: Die großen staatlichen Energieversorger,
       die bislang Kohlestrom anbieten, bekommen langsam Angst vor der dezentralen
       Konkurrenz.
       
       15 Nov 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Pötter
       
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