# taz.de -- Drei Boote im Mittelmeer gekentert: Hunderte tote Flüchtlinge befürchtet
       
       > Die italienische Küstenwache hat bei Einsätzen nach drei Unglücken im
       > Mittelmeer 65 Menschen lebend geborgen. Vermutlich gibt es 350 Opfer.
       
 (IMG) Bild: Von der Küstenwache gerettete Flüchtlinge im Hafen von Catania am 16. November
       
       Rom taz | Erneut haben mehrere Bootsunglücke im Mittelmeer vor der
       libyschen Küste zahlreiche Menschenleben gefordert. Wie die italienische
       Küstenwache der taz mitteilte, kentern von Montag bis zur Nacht von
       Mittwoch auf Donnerstag insgesamt drei Schlauchboote.
       
       Zwar konnten bei den von der Küstenwache koordinierten Einsätzen im ersten
       Fall 27 Menschen, im zweiten 23 und im dritten Fall 15 gerettet werden.
       Zugleich wurden etwa 15 Tote aus der See geborgen. Die Zahl der Opfer
       dürfte jedoch nach den Erfahrungswerten weit höher liegen. Denn pro
       Schlauchboot zwängen die Schleuser mittlerweile bis zu 140 Menschen an
       Bord.
       
       Dies heißt auch, dass für Schwimmwesten schlicht kein Platz an Bord ist, da
       die Schlepper dann notgedrungen die Zahl der Passagiere reduzieren müssten.
       Damit ist nicht auszuschließen, dass die Gesamtzahl der jetzt zu
       beklagenden Opfer bei bis zu 350 liegt. Ein Sprecher der Küstenwache
       erklärte der taz, seit Montag seien insgesamt 15 Rettungseinsätze erfolgt,
       bei denen 1.500 Menschen an Bord von Schiffen diverser NGOs, von
       Handelsschiffen und von Booten der Küstenwache genommen wurden.
       
       Auch diese Zahlen verraten eine Veränderung gegenüber den Vorjahren, als im
       November die Zahl der Überfahrten drastisch abgenommen hatte. Mittlerweile
       führen die Schleuserringe ihre Fahrten auch bei ungünstigeren
       Witterungsbedingungen durch und nutzen dabei Schlauchboote, die von
       schlechter Qualität und völlig untauglich für die hohe See sind.
       
       ## Trauriger Rekordwert
       
       In der Folge ist die Zahl der Toten im Jahr 2016 auf nunmehr über 4.000
       gestiegen und erreichte damit einen traurigen Rekordwert, obwohl
       unmittelbar außerhalb der libyschen Hoheitsgewässer eine regelrechte
       Rettungsarmada im Einsatz ist.
       
       Einen neuen Höchstwert dürfte auch die Zahl derer erreichen, die über das
       Mittelmeer Italien erreichen. Waren es 2014 rund 170.000 und 2015 rund
       154.000 Personen, so erwartet das italienische Innenministerium für das
       laufende Jahr mindestens 190.000 bis 200.000 Ankünfte.
       
       17 Nov 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Italien
 (DIR) Boote
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) migControl
 (DIR) Bildung
 (DIR) Mafia
 (DIR) Italien
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) Italien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Flucht aus Eritrea und dem Sudan: Der Weg durch die Wüste
       
       Für viele Eritreer ist selbst die Diktatur im Sudan ein Zufluchtsort. Doch
       eine Perspektive haben sie dort nicht. Viele fliehen weiter.
       
 (DIR) Studieren in Italien: In Forlì fühlte ich mich frei
       
       Unsere Autorin mit Behinderung hat ein Jahr in Italien studiert. Dort hat
       sie erfahren, wie schön es ist, nicht angestarrt zu werden.
       
 (DIR) Verurteilung von Mafia-Verherrlicher: Der vermeintliche „Türöffner“
       
       Francesco Sbano inszinierte sich als Mafia-Experte und kam den bösen Buben
       ideologisch zu nahe. Er war mehrmals Mittelsmann für den „Spiegel“.
       
 (DIR) Heterosexuelle Homo-Ehe in Italien: All you need is Pragmatismus
       
       In Italien wollen zwei Männer heiraten. Schwul sind sie nicht. Sie haben
       andere Gründe, vor allem finanzielle – und bringen einiges durcheinander.
       
 (DIR) Hotspot Lampedusa: Stille über dem Hafen
       
       Lange war die Insel vor Sizilien das Zentrum der europäischen
       Flüchtlingskrise. Wie sieht es dort heute aus? Ein Ortstermin.
       
 (DIR) Naturkatastrophe in Italien: Weitere Beben sind unausweichlich
       
       Die Zerstörungen belasten den Haushalt des Landes in Milliardenhöhe.
       Tausende Menschen sind obdachlos. Und der Winter naht.