# taz.de -- Kommentar zu Flüchtlingsinitiativen, die Senatsinteressen verfolgen: Integrationstipps vom Establishment
       
       > Das Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen hat einen Brandbrief
       > geschrieben. Die Interessen der Flüchtlinge sind ihnen aber offenbar egal
       > – sie wollen lieber Kosten sparen
       
 (IMG) Bild: Waas, auch noch ein Ei? Hier kann gespart werden, meint wohl das Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen
       
       Hamburg taz | Von „Benchmarking“ ist da in dem [1][offenen Brief] die Rede,
       von „Indikatoren“, „externem Controlling“, „Regulierungs- und
       Optimierungsmaßnahmen“. Das Schreiben, in dem das neue Bündnis Hamburger
       Flüchtlingsinitiativen am Montag seine Forderungen an die Politik
       formuliert hat, klingt wie ein Thesenblatt der FDP oder einer neoliberalen
       Unternehmensberatung – und genauso ist es auch: völlig gaga.
       
       Nicht, weil im Bereich der Integration nicht sehr viel zu verbessern oder
       in Sachen Flüchtlingsunterbringung seitenweise Kritikpunkte aufzulisten
       wären. Sondern weil sich bei keiner der Forderungen erkennen lässt,
       inwiefern sie eine Verbesserung für die Geflüchteten wären.
       
       Da beklagt das Bündnis etwa „ausufernde Kosten“ beim Catering und der
       Security in den Flüchtlingseinrichtungen, ohne mit einem Wort besseres
       Essen und statt Sicherheitsleuten mehr SozialarbeiterInnen oder
       Hilfspersonal zu fordern. Ein „Personal- und Kostenmanagement“ solle
       eingeführt werden und mehr „Integrationsstandards“: Zu selten würde etwa
       von den Unterkunftsbetreibern eine „Annäherung“ der Flüchtlinge an „ein
       westliches Rollenverständnis“ gefordert.
       
       Das Bündnis schreibt allen Ernstes: „Wir erwarten, dass Einrichtungen für
       Geflüchtete in Zukunft nach unternehmerischen Gesichtspunkten geführt
       werden“. Noch mehr Profit-Logik in sozialen Einrichtungen also?
       
       Vor solchem Inhalt wird der Name „Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen“
       leider zu einer Unverschämtheit. Denn wer spricht, wer fordert hier
       eigentlich was? Nicht für oder mit Flüchtlingen wird politisch gekämpft,
       sondern aus der Position der zumeist weißen HelferInnen gesprochen: der
       Etablierten, vermutlich tatsächlich unter anderem UnternehmensberaterInnen,
       die ihre Berufserfahrungen in ihr neues Hobby, die Flüchtlingshilfe,
       einbringen.
       
       Dass HelferInnen sich organisieren, ist gut. Und selbstverständlich ebenso,
       dass Menschen mit starken Deutschkenntnissen und Ressourcen Flüchtlinge
       unterstützen, aktiv und politisch laut zu werden und auch für sie ihre
       Stimme erheben. Katastrophal hingegen ist es, wenn sich die HelferInnen
       stattdessen den Kopf für den Staat zerbrechen, wie der sparen und
       Flüchtlinge effizienter unterbringen kann.
       
       Gut ist an dem offenen Brief nur eines: Dass er deutlich macht, wie wichtig
       echte Selbstorganisierung von Geflüchteten ist.
       
       20 Sep 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Brandbrief-von-Hamburger-Fluechtlingsinitaitven/!5337207
       
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 (DIR) Jean-Philipp Baeck
       
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