# taz.de -- Kommentar umstrittene EEG-Reform: Das Kind braucht seine Eltern
       
       > Die erneuerbaren Energien sind eine deutsche Erfolgsgeschichte. Der
       > Entwurf eines neuen Ökostromgesetzes stellt das in Frage.
       
 (IMG) Bild: Von der SPD ausgebremst: der zügige Ausbau der Windernergie
       
       Manchmal hilft die Erinnerung: Die Erfolgsstory der erneuerbaren Energien
       in Deutschland wurde nicht von einer Regierung geschrieben, sondern vom
       Parlament. Das EEG entstand 2000 aus einer parteiübergreifenden Koalition
       im rot-grünen Bundestag.
       
       Inzwischen hat der Erfolg Energiewende viele Väter und Mütter. Die aber
       versagen dabei, ihrem Sprößling beim Erwachsenwerden zu helfen. Dem Kind
       wird nach dem EEG-Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium das Wachsen
       eingeschränkt, das Taschengeld gekürzt und der Job weggenommen.
       
       Die Erziehungsberechtigten sollten ihr Pflicht tun. Aber die Abgeordneten
       haben andere Sorgen, die Materie ist kompliziert und die Zeit drängt. Denn
       das jetzige EEG läuft Ende des Jahres aus. Und schlimmer noch: Ab Herbst
       ist Wahlkampf.
       
       Und nichts fürchtet Energieminister Sigmar Gabriel (außer vielleicht der
       Kanzlerkandidatur) mehr als eine Debatte über teuren Ökostrom, der zwar
       bezahlt, aber wegen fehlender Leitungen nicht genutzt wird. Das wäre
       Wahlhilfe für FDP, AfD und CDU/CSU, wie vor der letzten Wahl die ach so
       teure EEG-Umlage. Deshalb muss das Thema also schnell vom Tisch. Und wo
       gehobelt wird, da fallen Strommasten.
       
       Die SPD im Parlament und die SPD-Umweltministerin sind da keine Hilfe. Sie
       müssten einen Aufstand gegen ihren angeknacksten Wirtschaftsminister,
       Parteichef und potenziellen Kanzlerkandidaten anzetteln. Es braucht also
       eine ganz große Koalition aus Energiepolitikern, Unternehmen und
       Klimaschützern. Sie müssen Druck machen, um im EEG das Schlimmste zu
       verhindern und die Dynamik der Erneuerbaren zu erhalten.
       
       Das ist schwer, aber manchmal kann selbst das träge Parlament schnell sein,
       das hat es bei der Schulden- oder Flüchtlingskrise bewiesen. Die Zeit
       arbeitet gegen die Kohle und für die Öko-Energien. Aber ein bisschen
       elterliche Fürsorge braucht die pubertierende Energiewende noch.
       
       2 Jun 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Pötter
       
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