# taz.de -- Kommentar Rabbiner-Erlass: Fatwa vom Chef des Zentralrats
       
       > Studenten des Rabbiner-Kollegs müssen öffentliche Äußerungen mit der
       > Pressestelle klären. Doch Streit über die Auslegung der Religion sollte
       > möglich sein.
       
 (IMG) Bild: Walter Homolka, Kollegschef, bei einem Gottesdienst zur Ordination des neuen Kollegs (Archivbild, 2013)
       
       Wenn es darum geht, Mohammed-Karikaturen abzudrucken oder den türkischen
       Präsidenten zu verspotten, dann kann manchen die Meinungsfreiheit in
       Deutschland gar nicht weit genug gehen. Dabei erfordert das hierzulande
       keinen besonderen Mut. Aber wenn es darum geht, die Meinungsfreiheit auch
       im Alltag zu verteidigen, dann sieht es plötzlich ganz anders aus. Dann ist
       von all jenen, die gerne von Meinungsfreiheit als „westlichem Wert“
       schwadronieren, oft nicht mehr viel zu hören.
       
       Der Zentralrat der Juden möchte allen Studenten, die sich in Deutschland
       zum Rabbiner ausbilden lassen wollen, einen Maulkorb auferlegen. So muss
       man die Auflage des von ihm finanzierten Rabbiner-Kollegs verstehen, dessen
       Studenten jede (!) öffentliche Äußerung mit der Pressestelle abstimmen
       sollen. Schon gar nicht sollen sie, wie es der angehende Rabbiner Armin
       Langer aus Berlin getan hat, dem Zentralrat öffentlich widersprechen. An
       ihm wird deshalb jetzt ein Exempel statuiert: Langer wird von der
       Rabbiner-Prüfung ausgeschlossen, was ihm den Beruf unmöglich machen soll.
       Die Empörung darüber hält sich bislang in Grenzen.
       
       Keine Frage: Langers Kommentar, der im November an dieser Stelle erschienen
       ist, war respektlos und böse. Aber so scharfe Kritik in der Sache muss in
       einer freien Gesellschaft möglich sein. Und über die Auslegung und die
       ethische Orientierung einer Religion darf, ja muss gestritten werden
       können. Eine Religionsgemeinschaft ist schließlich keine Firma, in der nur
       der Chef das letzte Wort hat.
       
       Schade, dass der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster sein Amt offenbar so
       versteht. Er reagiert wie ein unsouveräner Autokrat, der sich durch Kritik
       in der Sache persönlich beleidigt fühlt – oder wie ein Mullah, der Kritiker
       per Fatwa kaltstellen will. Die Frage ist deshalb, ob Schuster für das Amt
       des Vorsitzenden geeignet ist. Das nötige Fingerspitzengefühl in Sachen
       Meinungsvielfalt fehlt ihm offenbar.
       
       4 Apr 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
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