# taz.de -- Kommentar Ausbau von Ökostrom: Kurzsichtige Deckelfans
       
       > Auch künftig wird mehr Energie verbraucht. Deshalb gibt es keinen Anlass,
       > den Ausbau der Erneuerbaren jetzt zu stoppen.
       
 (IMG) Bild: Kundgebung für Erneuerbare Energien, hier am Triumphbogen in Paris Anfang Dezember 2015
       
       Eigentlich könnte man meinen, dass die Schlachten um die Energiewende der
       Vergangenheit angehören: Klimaschutz ist weltweites Staatsziel, der
       Atomausstieg wird von niemandem infrage gestellt, und Wind und Sonne sind
       mittlerweile die billigsten Energiequellen.
       
       Doch die Vertreter der alten Energiewelt geben noch nicht auf: Führende
       Wirtschaftspolitiker der Union wollen bei der Reform des
       Erneuerbare-Energien-Gesetzes den Ökostromausbau in den nächsten Jahren
       weitgehend stoppen – mit dem Argument, die im Koalitionsvertrag
       vereinbarten Ziele würden sonst übertroffen. Das ist doppelt absurd.
       
       Zum einen war der dort beschlossene Deckel für die Erneuerbaren schon
       damals heftig umstritten. Nach Paris sind sie eindeutig überholt. Schon um
       das verbindliche 2-Grad-Ziel zu erreichen, muss Deutschland weit mehr tun
       als bisher vorgesehen, von den radikalen Maßnahmen, die für das angestrebte
       1,5-Grad-Ziel nötig wären, ganz zu schweigen.
       
       Doch selbst wenn man den Koalitionsvertrag für unantastbar halten sollte,
       gibt es keinen Anlass, den Ausbau der Erneuerbaren jetzt zu stoppen. Denn
       mit einem Ökostrom-Anteil von 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 haben Union
       und SPD kein absolutes Ziel festgelegt, sondern ein prozentuales. Das ist
       wichtig, denn alle Szenarien für ein klimafreundliches Deutschland gehen
       davon aus, dass künftig mehr Strom gebraucht wird als heute. Denn auch zum
       Autofahren und Heizen wird überschüssiger Wind- und Sonnenstrom genutzt
       werden.
       
       Um den geplanten Ökoanteil bei steigender Gesamtstrommenge zu erreichen,
       ist in den nächsten Jahren ein deutlich stärkerer Ausbau notwendig, als
       derzeit vorgesehen. Wer diesen ablehnt, denkt entweder sehr kurzfristig.
       Oder – und das ist beim Wirtschaftsflügel der Union wahrscheinlicher – er
       mag einfach nicht einsehen, dass die Schlacht um die Energiewende längst
       entschieden ist.
       
       2 Mar 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Malte Kreutzfeldt
       
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