# taz.de -- Kampf um Verschlüsselung: Eine seltsame Achse des Guten
       
       > Apple weigert sich, ein iPhone zu knacken, und bekommt dafür Lob von
       > Google. Will man sich allein auf solche Verteidiger der Privatsphäre
       > verlassen?
       
 (IMG) Bild: Apple erfährt für seinen Streit mit dem FBI Unterstützung von anderen Technologiekonzernen.
       
       Das verschlüsselte iPhone eines mehrfachen Mörders wird Anlass für die
       neueste Runde in einem alten Kampf. Die Frage, um die es geht: Wie viel
       Einfluss hat die Regierung auf die Produktionsweise der Unternehmen, wenn
       es zu polizeilichen Ermittlungen kommt und um die nationalen Sicherheit
       geht? Die Entscheidung wird weitreichende Folgen für den Datenschutz von
       Millionen, wenn nicht Milliarden NutzerInnen haben – aber auch für das
       Geschäftsmodell der großen Technologiekonzerne.
       
       „Apple hat sich entschieden, die Privatsphäre eines toten Isis-Terroristen
       für schützenwerter zu halten als die Sicherheit des amerikanischen Volkes.“
       Der republikanische Senator Tom Cotton aus Arkansas ist erbost, [1][weil
       Apple sich weigert], dem FBI mit einer faktisch für alle iPhones nutzbaren
       Hintertür dabei zu helfen, die Daten dieses einen Geräts sicherzustellen.
       
       Senator Cotton übersieht aber in seinem Statement nicht nur, dass es in dem
       Fall [2][nicht um die Privatsphäre einer einzelnen Person] geht. Für Apple
       geht es auch um die Glaubwürdigkeit gegenüber der eigenen Kundschaft.
       
       In der Post-Snowden-Ära kann es sich das Unternehmen nicht erlauben, den
       Eindruck zu erwecken, staatlichem Begehren auf die Daten der NutzerInnen
       devot zu entsprechen. Der ohnehin nicht gute Leumund der US-amerikanischen
       Technologiekonzerne war schließlich noch einmal schlechter geworden, als
       bekannt wurde, wie willig die meisten von ihnen mit der NSA kooperiert
       hatten.
       
       ## Unverschlüsselte Daten ohne Ende
       
       Die Einführung einer Verschlüsselung, die Apple keinen direkten Zugriff auf
       die geschützten Daten mehr gewährte, war die Folge der gestiegen
       Sensibilität bei den Kunden. Eine neue Nachfrage bestimmte einfach das
       Angebot. Der Datenpool, der dem Unternehmen unabhängig davon zur Verfügung
       steht, ist trotzdem unfassbar groß.
       
       Ebenfalls völlig unberührt von Verschlüsselungen bleiben Bewegungsdaten,
       Anruflisten und dergleichen, Daten also, die zum Kern des
       Ermittlungsrepertoires der Sicherheitsbehörden gehören. Erst in einem
       zweiten Schritt, nach der Identifizierung von Verdächtigen, oder, wie im
       Falle des Terroristen von San Bernardino, eines offensichtlichen Täters,
       geht es um den direkten Zugriff auf dessen Telefon.
       
       Müsste Apple nun wirklich bei der Umgehung der Sicherheitsvorkehrungen
       kooperieren, würde eine gefährliche Präzedenz geschaffen. Wie groß die
       Bedrohung ist, zeigt, dass selbst Google-Chef [3][Sundar Pichai Stellung
       für Apple] nahm. Ebenso [4][reagierte WhatsApp], immerhin im Besitz von
       Facebook. Microsofts [5][Satya Nadella] deutete auf Twitter eine ähnliche
       Position an.
       
       ## Apple als Herold der Freiheit
       
       Diese kommerziellen Datensammler sind nun aber nicht auf einmal zu einer
       Achse des Guten geworden. Weiter sind die Daten ihrer NutzerInnen
       wesentlicher Teil des Geschäftsmodells. Das aber kann nur funktionieren,
       wenn das Vertrauen der NutzerInnen in die Unternehmen nicht unter eine
       bestimmte Schwelle sinkt – und offenbar ist die strategische Einschätzung
       der Technologiekonzerne inzwischen die, dass bestimmte Prinzipien des
       Datenschutzes konstitutiv für dieses Vertrauen der Kundschaft sind.
       
       Edward Snowden ist sich der Ironie der Situation bewusst. [6][Auf Twitter
       kommentiert er] lakonisch: „Das FBI erschafft eine Welt, in der die Bürger
       sich darauf verlassen, dass Apple ihre Rechte verteidigt statt genau
       andersherum.“
       
       Genau andersherum sollte es sein, denn der Schutz der Privatsphäre sollte
       in einer Demokratie ein viel zu hohes Gut sein, als dass er einfach dem
       gelegentlichen Zusammenfallen mit ökonomischen Interessen irgendwelcher
       Konzerne überlassen werden könnte. Solange die Legislative aber von Männern
       wie Senator Cotton aus Arkansas bestimmt wird, ist das immer noch besser
       als nichts.
       
       18 Feb 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gesperrtes-Handy-von-Terrorverdaechtigen/!5279421/
 (DIR) [2] /Verschluesselte-Apple-Geraete/!5279451/
 (DIR) [3] https://twitter.com/sundarpichai/status/700104433183502336
 (DIR) [4] https://www.facebook.com/jan.koum/posts/10153907267490011?pnref=story
 (DIR) [5] https://twitter.com/satyanadella
 (DIR) [6] https://twitter.com/Snowden/status/699984388067557376
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniél Kretschmar
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Überwachung
 (DIR) Apple
 (DIR) FBI
 (DIR) NSA
 (DIR) Google
 (DIR) USA
 (DIR) WhatsApp
 (DIR) Apple
 (DIR) Mazedonien
 (DIR) Schwerpunkt Meta
 (DIR) Apple
 (DIR) Apple
 (DIR) US-Justiz
 (DIR) Schwerpunkt Überwachung
 (DIR) Schwerpunkt Überwachung
 (DIR) Apple
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Visa-Bedingungen in den USA: Twitter? Facebook? Username gefragt
       
       Bei der visumsfreien Einreise in die USA sollen zukünftig auch Daten aus
       sozialen Medien abgefragt werden. Das will jedenfalls die
       US-Grenzschutzbehörde.
       
 (DIR) Sicherheit in Chat-Software: WhatsApp jetzt verschlüsselt
       
       Gute Nachrichten für mehr als eine Milliarde NutzerInnen: WhatsApp schützt
       die gesamte Kommunikation vor möglichen Zugriffen.
       
 (DIR) Zum 40-jährigen Jubiläum von Apple: Die große Verführung
       
       Vor 40 Jahren wurde Apple gegründet. Mittlerweile ist das Unternehmen das
       wertvollste der Welt. Fünf Gedanken zum Geburtstag.
       
 (DIR) Flüchtlinge in Idomeni: Warten im Schlamm
       
       An der Grenze zu Mazedonien warten 13.000 Menschen. Starke Regenfälle
       machen das Leben im Flüchtlingslager noch unerträglicher.
       
 (DIR) Facebook-Gründer in Deutschland: Zuckerberg, ganz frei von Hass
       
       Der Facebook-Gründer spricht in Berlin. Es ist eine Lehrstunde in Sachen
       Filterblase: Nur das mitkriegen, was man mitkriegen will.
       
 (DIR) Kampf um iPhone-Verschlüsselung: „Hände weg von meinem iPhone“
       
       Die US-Justiz will, dass Apple 15 weitere Smartphones entschlüsselt.
       Unterdessen demonstrieren in den USA Menschen für den Konzern.
       
 (DIR) FBI will iPhone-Daten: Bill Gates hat ein Herz für Agenten
       
       Der Microsoft-Gründer schlägt sich auf die Seite des FBI. Der Geheimdienst
       will von Apple technische Hilfe beim Entsperren des iPhones von einem toten
       Attentäter.
       
 (DIR) Ermittlungen zum San-Bernadino-Attentat: iPhone-Zugang per Gerichtsbeschluss
       
       Das US-Justizministerium versucht noch immer, den Zugang zum Handy des
       San-Bernadino-Attentäters gerichtlichzu erzwingen. Apple wehrt sich
       dagegen.
       
 (DIR) Angeordnete iPhone-Entsperrung: Viele Unterstützer für Apple
       
       Das FBI hat vor Gericht durchgesetzt, dass Apple bei der Entsperrung eines
       iPhones helfen soll. Der Konzern weigert sich und wird prominent
       unterstützt.
       
 (DIR) Verschlüsselte Apple-Geräte: Du kommst hier (eventuell) nicht rein
       
       Der iPhone-Hersteller legt sich mit dem FBI wegen einer Hintertür in seiner
       Verschlüsselung an. Das ist PR, aber nicht nur.
       
 (DIR) Gesperrtes Handy von Terrorverdächtigen: Apple soll beim Entschlüsseln Helfen
       
       Ein Gericht verpflichtet Apple dazu, dem FBI beim Knacken der
       Verschlüsselung auf einem Handy zu helfen. Der Konzern zeigt sich unwillig.