# taz.de -- Einer gegen fast alle: Wie die CDU Schulfrieden macht​
       
       > Gegen alle fachlichen Gremien hat Bremerhavens CDU-Fraktionschef einen
       > Parteifreund als Schulleiter auf Lebenszeit durchgesetzt​.
       
 (IMG) Bild: Bei der Abstimmung hoben sich nur zwei Finger für den Rektor
       
       BREMEN taz | Wenn ein Schulleiter nach zweijähriger Amtszeit auf Probe
       endgültig in seiner Funktion bestätigt werden soll, dann haben Schüler und
       Lehrer das Recht auf eine Stellungnahme. Das ist auch in Bremerhaven
       geltendes Schulrecht, und im Falle des Schulleiters Axel Rahn von der
       Abendschule haben beide Gremien davon vor dem Sommerferien Gebrauch
       gemacht. Das Ergebnis war eindeutig: Unter den Lehrern war eine Stimme für
       Rahn als Schulleiter, bei den Schülern auch eine – die überwältigende
       Mehrheit in beiden Gremien war dagegen.
       
       Auch der Personalausschuss war gegen Rahn, ebenso wie der
       Oberbürgermeister. Nach den Ferien nun stellten Schüler und Lehrer
       überrascht fest, dass Rahn dennoch zum Schulleiter auf Lebenszeit ernannt
       worden war. Für die Lehrer gab es eine verpflichtende Einladung zum
       „Coaching“.
       
       Was hatten die Lehrer gegen ihren Chef auf Probe? „Der Schulleiter hält
       sich hauptsächlich in seinem Dienstzimmer auf, daher sind ihm viele
       alltägliche Abläufe in seiner Schule unbekannt“, heißt es gleich einleitend
       in ihrer Stellungnahme. Die Türklinke außen ist durch einen Knauf ersetzt –
       Rahn leitet seine Schule weitgehend über E-Mails. Und: „Sehr viele dieser
       Schüler wissen nicht, wie ihr Schulleiter aussieht.“
       
       ## Sozialkompetenz unbefriedigend
       
       Unter dem Stichwort „Sozialkompetenz“ sehen die Lehrer „unübersehbare
       Defizite“: So lasse „Herr Rahn ein angemessenes Maß an Respekt seinen
       Lehrkräften gegenüber vermissen“, er äußere sich „abwertend über nicht
       anwesende Kolleginnen“. Klar: „Dem Kollegium fehlt mehrheitlich jegliches
       Vertrauen in den Schulleiter.“ Hoffnungslos: Die Gremienarbeit war schon
       Anfang Januar 2015 schlicht „ausgesetzt“ worden.
       
       Die Schülervertreter, so steht es in ihrer Stellungnahme, nehmen das
       Verhalten des Schulleiters Rahn als „despotisch“ wahr. Sie hatten
       mitbekommen, wie er „öffentlich Lehrer in einfacher Sprache beleidigt“.
       Zudem beklagen sie die „chaotische Klausurenplanung“ und stellen bei der
       Stundenplanerstellung eine „offensichtliche Überforderung“ fest.
       
       ## Das Gästebuch ist abgeschafft
       
       Auf der Homepage der Schule wurde das „Gästetagebuch“ abgeschafft.
       Meinungsäußerungen dort sind offenbar unerwünscht. Fazit der
       Schülervertreterinnen und -vertreter: Die aktuelle Schulleitung ist
       „persönlich und fachlich nicht geeignet.“
       
       Dennoch beschloss der Magistrat von Bremerhaven am 5. August – der
       zuständige parteilose Schuldezernent Michael Frost war gerade in Urlaub –
       die endgültige Einsetzung Rahns als Schulleiter mit einem Gehalt nach A 16,
       gegen das fachliche Votum des Oberbürgermeisters.
       
       Angeblich sollen zwei SPD-Magistratsmitglieder bei der Abstimmung nicht
       dabei gewesen sein. So ergab sich eine klare CDU-Mehrheit.
       Magistratsentscheidungen sind vertraulich, genauso wie
       Personal-Angelegenheiten. Eine offizielle Stellungnahme gibt es daher
       nicht.
       
       ## Man kennt sich
       
       Aber Bremerhaven ist klein, und jeder weiß, dass der
       CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Raschen Vorsitzender des
       CDU-Stadtbezirksverbands Lehe ist, dem auch Rahn angehört. Parteifreunde
       sozusagen. Im Paket mit der Personalie Rahn beschloss der Magistrat die
       Personalie der vakanten Kulturamtsleitung.
       
       Verwunderlich ist an dem Vorgang, dass die SPD in Bremerhaven diese ruinöse
       Politik gegenüber der Abendschule – eigentlich ein bildungspolitisches Kind
       der SPD – hinnimmt. Die Schüler machen sich Sorgen um die Schule, der
       monatelange Streit zehrt an den Nerven.
       
       Nur einer scheint unberührt: Chef Rahn. Und so mehren sich die
       Weg-Bewerbungen und die Krankschreibungen an der Abendschule. Das
       „Coaching“ kostet Zeit und Geld – aber was das Ziel dieser
       „Lehrerfortbildung“ ist, wurde nirgends gesagt. Die Mehrheit der
       Lehrerinnen und Lehrer sieht in der Maßnahme keinen Sinn.
       
       3 Nov 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Wolschner
       
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