# taz.de -- Antiziganistischer Anschlag in Berlin: „Eine abscheuliche Tat“
       
       > Unbekannte haben in Berlin ein Denkmal für Sinti und Roma geschändet. Der
       > Zentralrat erstattet Strafanzeige, der Staatsschutz ermittelt.
       
 (IMG) Bild: Viele Gäste kamen zur Einweihung des Memorials zum Gedenken der im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Oktober 2012.
       
       Berlin afp | Das nahe dem Bundestag gelegene Denkmal für die im Holocaust
       ermordeten Sinti und Roma ist mit einem Hakenkreuz und dem Schriftzug
       „Vergasen“ beschmiert worden. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
       erklärte am Donnerstag, Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Bedrohung zu
       erstatten. Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall gegen Unbekannt.
       
       Das Denkmal liegt im Berliner Tiergarten. Es erinnert an die 500.000 Sinti
       und Roma, die zwischen 1939 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet
       wurden.
       
       „Diese Schändung, die in diesem Ausmaß erstmals am Denkmal stattgefunden
       hat, zeigt, dass die Rechtsextremisten in der momentanen Krise die
       Gelegenheit sehen, den Geist Hitlers wieder neu zu beleben“, erklärte der
       Zentralratsvorsitzende Romani Rose. „Sie wollen die Zeit zurückdrehen und
       damit unsere Demokratie aushebeln.“
       
       Die Täter wollten mit dem Begriff „Vergasen“ offensichtlich zur Gewalt
       gegen Sinti und Roma aufrufen, fügte Rose hinzu. Der Zentralrat kündigte
       deswegen nicht nur Strafanzeige wegen Volksverhetzung an, sondern auch
       wegen Bedrohung.
       
       Wie die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas mitteilte, wurden
       die Schmierereien bereits entfernt. Stiftungsdirektor Uwe Neumärker
       bezeichnete den Anschlag als „aggressiven Antiziganismus“ und verurteilte
       ihn aufs Schärfste. Nach eigenen Angaben verschärfte die das Denkmal
       betreuende Stiftung die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Gedenkort.
       
       „Auch in Deutschland erfahren unsere Menschen 70 Jahre nach dem Völkermord
       noch immer tagtäglich Ausgrenzung und Diskriminierung“, erklärte Romeo
       Franz, der Komponist eines am Denkmal gespielten Musikstückes. Franz
       forderte Politik und Zivilgesellschaft auf, sich stärker öffentlich gegen
       die Diskriminierung von Sinti und Roma zu positionieren.
       
       Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders,
       nannte die Schändung des Denkmals „eine abscheuliche Tat“. Antiziganismus
       habe in Deutschland keinen Platz. „Wir dürfen es nicht hinnehmen, wenn
       Sinti und Roma in Deutschland diskriminiert werden und antiziganistische
       Hetze verharmlost wird“, sagte Lüders.
       
       29 Oct 2015
       
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