# taz.de -- Falsche Nebenklägerin im NSU-Prozess: Gegen den Anwalt wird ermittelt
       
       > Die Affäre um eine falsche Nebenklägerin im NSU-Prozess zieht weitere
       > Kreise. Ein Anwalt muss sich gleich zwei Ermittlungsverfahren stellen.
       
 (IMG) Bild: Der Anwalt sei von einem anderen vermeintlichen Opfer des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße im Jahr 2004 getäuscht worden, sagt er.
       
       München dpa | Gegen den Rechtsanwalt einer vermeintlichen Nebenklägerin im
       Münchner NSU-Prozess, die es in Wirklichkeit gar nicht gab, sind
       Ermittlungensverfahren eingeleitet worden. Das teilte ein Sprecher der
       Staatsanwaltschaft in Aachen am Montag auf Anfrage mit. Der Anwalt Ralph
       Willms aus Eschweiler hatte ein vermeintliches Terroropfer namens „Meral
       Keskin“ vertreten, inzwischen aber eingeräumt, dass seine Mandantin nicht
       existiert.
       
       Gleichzeitig wurde am Montag bekannt, dass Anwalt Willms auch eine
       Entschädigungszahlung der Bundesregierung entgegennahm, die für „Meral
       Keskin“ bestimmt war. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums sagte,
       der Anwalt sei als Nebenklage-Vertreter im NSU-Prozess „legitimiert
       gewesen“. Das Geld, ein Betrag von 5000 Euro, sei auf ein Anderkonto von
       Willms überwiesen worden.
       
       Die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden nach Aussage des Sprechers durch
       Presseveröffentlichungen ausgelöst. Weil Willms für die Vertretung des
       angeblichen NSU-Terroropfers im Münchner Prozess eine Vergütung erhalten
       habe, hege die Staatsanwaltschaft einen „Anfangsverdacht“ auf Betrug. Zum
       Verbleib der von der Bundesregierung überwiesenen Opferhilfe könne er noch
       nichts sagen.
       
       Gegen Willms läuft auf Antrag der Anwaltskammer außerdem ein
       standesrechtliches Verfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft Köln. Dabei
       gehe es um den Verdacht, er habe für das Mandat eine Provision bezahlt,
       sagte eine Sprecherin am Montag.
       
       ## Ermittlungen wegen Betrugsverdacht
       
       Willms hatte über seinen eigenen Anwalt erklären lassen, er sei von einem
       anderen NSU-Geschädigten getäuscht worden. Der Mann habe ihm ein Foto der
       vermeintlichen „Meral Keskin“ vorgelegt und für die Vermittlung der
       Mandantin eine Provision verlangt. Auch gegen diesen Mann ermittelt die
       Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts.
       
       Ein Jahr nach dem Auffliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“
       hatte die Bundesregierung Härtefallentschädigungen an alle Opfer und
       Hinterbliebenen des NSU ausbezahlt. Dieses Geld wurde nach Auskunft des
       Bundesjustizministerium nur auf Antrag gewährt.
       
       Verantworten muss sich für die Verbrechen des NSU die mutmaßliche
       Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Sie ist im NSU-Prozess wegen
       Mittäterschaft an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen der Gruppe
       angeklagt. Als unmittelbare Täter gelten der Bundesanwaltschaft die beiden
       verstorbenen mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.
       
       12 Oct 2015
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Keupstraße
 (DIR) NSU-Prozess
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) NSU-Prozess
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Beate Zschäpe
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) NSU-Prozess
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Prozess zu erfundenem NSU-Opfer: Anwalt erhält Freispruch
       
       Gut zwei Jahre saß er als Opferanwalt im NSU-Prozess, obwohl es seine
       Mandantin nicht gab. Nun urteilt ein Gericht: Ein Vorsatz sei nicht
       beweisbar.
       
 (DIR) Erfundenes NSU-Opfer: Anwalt vor Gericht
       
       Im NSU-Prozess trat der Jurist als Anwalt einer Nebenklägerin auf, die
       nicht existiert. Er gibt sich ahnungslos – und steht jetzt selbst vor
       Gericht.
       
 (DIR) Dokumentarfilm über NSU-Anschlag: Eine Sternstunde böser Realsatire
       
       Es ist etwas faul in Köln: Von den Folgen ideologischer Blindheit erzählt
       der Dokumentarfilm „Der Kuaför aus der Keupstraße“.
       
 (DIR) NSU-Prozess in München: Was nützt Zschäpe eine Aussage?
       
       Bisher ist der Prozess für die Hauptangeklagte schlecht verlaufen. Für ein
       reduziertes Strafmaß müsste sie ein Geständnis ablegen und Reue zeigen.
       
 (DIR) Beate Zschäpe im NSU-Prozess: Und sie spricht doch
       
       Zweieinhalb Jahre hat Beate Zschäpe im NSU-Prozess geschwiegen. Nun will
       sie am Mittwoch doch noch aussagen.
       
 (DIR) Wende im NSU-Prozess: Beate Zschäpe will aussagen
       
       Vor vier Jahren flog der NSU-Terror auf. Seit zweieinhalb Jahren läuft der
       NSU-Prozess in München. Nun will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe erstmals
       sprechen.
       
 (DIR) NSU-Prozess in München: Richter sind nicht befangen
       
       Der NSU-Prozess geht weiter wie geplant: Auch neue Versuche von Teilen der
       Verteidigung, das Verfahren zu torpedieren, scheitern.
       
 (DIR) NSU-Prozess in München: Die rechte Allianz
       
       Im NSU-Prozess sucht die Angeklagte Beate Zschäpe nun neue Verbündete.
       Fündig wird sie in den Verteidigern eines Mitangeklagten.
       
 (DIR) Zweieinhalb Jahre NSU-Prozess: Nebenkläger in der Defensive
       
       Die Empörung über ein erfundenes Opfer im NSU-Prozess ist groß. Beate
       Zschäpe und ihre Anwälte frohlocken. Jetzt drückt Richter Götzl aufs Tempo.