# taz.de -- Kommentar Blatter-Suspendierung: Witzig, diese Fifa
       
       > Joseph Blatter hat es erwischt – endlich. Dass die Fifa korrupt ist,
       > wissen wir schon lange. Mitzuerleben, wie sie sich zerlegt, ist eine
       > wahre Freude.
       
 (IMG) Bild: Hoffentlich bald getrennt: Fifa (r.) und Blatter
       
       Es ist zum Kringeln. Sepp Blatter, der frisch suspendierte Fifa-Boss,
       braucht nur den Mund aufmachen, und alle Fußballwelt lacht. „Was für eine
       Krise?“, hat er mal gefragt, als wieder einmal Korruptionssummen
       kursierten, von denen ein Durchschnittsmillionär nur träumen kann. Was
       haben wir da gelacht über den drolligen Schweizer. Und als er ernsthaft
       versuchte, sich selbst ins Rennen um den Friedensnobelpreis zu schicken, da
       mussten sich Milliarden Fußballfans überall auf der Welt den Bauch halten.
       
       Doch der Mann ist kein Komiker. Gut möglich, dass er ein Verbrecher ist,
       und ganz gewiss ist es, dass er über Jahre an der Spitze eines zutiefst
       korrupten Haufens stand. Der Mann, dessen Zeit an der Fifa-Spitze mit
       gekauften Wählerstimmen begonnen hat, der ein System von Leistung und
       Gegenleistung etabliert hat, bei dem so mancher Funktionär stinkreich
       geworden ist, unter dessen Regentschaft die großen Turniere ohne Bestechung
       nicht zu haben waren, ist nun von der Ethikkommission, die er selbst
       installiert hat, zu 90 Tagen Denkpause verdonnert worden.
       
       Und schon wieder lachen wir lauthals los. Die Fifa ist wie die Mafia, das
       haben wir oft gehört. Aber was ist das für eine Mafia, deren Boss vom
       eigenen Familienrat für ein paar Tage vor die Tür geschickt wird. Witzig,
       diese Fifa.
       
       Es ist eine wahre Freude mitansehen zu dürfen wie sich diese einst so
       verschworene Cosa Nostra selbst zerlegt. Aus vertraulichen Runden werden
       munter die irrsten Details ausgeplaudert. Der eine korrupte Funktionär
       schimpft den anderen einen Lügner. Man droht mit gegenseitigen Anzeigen,
       tritt gegen Gefallene nach und schwärzt Kollegen an. Alle hoffen, am Ende
       der eine Funktionär zu sein, der übrig ist, wenn sich die Fifa bei ihrem
       Wahlkongress am 26. Februar neu aufzustellen versucht.
       
       Der Fußball rollt derweil weiter. Die Qualifikation für die WM in Russland
       läuft längst. Die EM-Qualifikation wird auch nicht abgeblasen, weil der
       Uefa-Chef Mist gebaut hat. Wozu haben wir die Fifa noch mal gebraucht? Und
       auch wenn weiter beschissen wird, eins ist sicher: Solange der Ball rollt,
       werden wir unseren Spaß haben.
       
       8 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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