# taz.de -- Kommentar V-Mann im NSU-Komplex: Ein gescheitertes System
       
       > Ein V-Mann gab NSU-Wissen nicht weiter – oder das Amt verwertete diese
       > Kenntnisse nicht. Beides beweist: Der Einsatz von V-Leuten bringt nichts.
       
 (IMG) Bild: Neonazis? V-Leute? Beides?
       
       Wenn man denkt, das Zeugnis für den Verfassungsschutz im NSU-Komplex könnte
       miserabler nicht ausfallen, dann geht es doch noch ärger. Diesmal also
       Roland Sokol. Der jüngst verstorbene Vollblut-Neonazi gehörte mehr als
       zwanzig Jahre den extremsten und gewaltbereitesten Spektren der rechten
       Szene an, den Hammerskins und Blood & Honour. Und, wie jetzt bekannt ist:
       Er berichtete aus diesem Innenleben auch dem Verfassungsschutz.
       
       Mehr noch. Als der NSU aufflog, landete die einzige Bekenner-DVD, die, so
       weit bekannt, an einen rechtsextremen Empfänger ging, ausgerechnet bei dem
       Szene-Versand, den Sokol gerade übernahm. Über die brisante Post war der
       Dienst informiert und berichtete dem BKA – freilich ohne Verweis auf seine
       Quelle Sokol.
       
       Nun bleiben Fragen offen, mal wieder. Wusste Sokol etwas über das NSU-Trio?
       Oder zumindest über Helfer der Untergetauchten? Immerhin gehörte Sokol
       genau zu dem Spektrum, das dem NSU Wohnungen oder gefälschte Pässe
       vermittelte – „Blood & Honour“. Und er hielt offenbar über Jahre Kontakte
       zur rechten Szene in Chemnitz, wo das Trio zuerst Unterschlupf fand. Doch
       der Verfassungsschutz schweigt.
       
       Und es ist nicht nur Sokol. Der Dienst hatte auch Quellen, die dem Trio
       wohl noch viel näher waren. Ein V-Mann aus Brandenburg berichtete, wer für
       das Trio Waffen beschaffe. Ein Spitzel bot nach eigener Auskunft an, die
       Untergetauchten zu beherbergen. Ein Dritter telefonierte sogar mit Uwe
       Böhnhardt, als dieser schon im Untergrund war. Dazu kamen immer wieder
       Tipps, wo sich das Trio aufhalte: im Raum Chemnitz. Und wer es unterstütze:
       das Blood&Honour-Netzwerk.
       
       Der Verfassungsschutz machte daraus: nichts. Der NSU blieb über Jahre
       unentdeckt und mordete, zehnfach. Obwohl, wie jetzt wieder deutlich wird,
       es an Informanten nicht mangelte. Diese aber gaben ihr Wissen nicht weiter
       – oder das Amt verwertete es nicht. Beides beweist: Das V-Leute-System ist
       gescheitert.
       
       6 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
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