# taz.de -- Kolumne Generation Camper: Und dann noch das Nirwana
       
       > Zum Schutz der Nacht: Im Biosphärenreservat an der Rhön gibt es einen
       > Sternenpark der International Dark Sky Association.
       
 (IMG) Bild: Nicht überall kann man so schön Sterne gucken.
       
       Keine Furcht vor Finsternis. Wenn der Amerikaner Paul Bogard über die Nacht
       schreibt, dann nicht über Düsternis, Tod und Teufel, sondern über das
       Samtige richtiger Dunkelheit oder über den Glückstaumel im Perseidenschauer
       eines funkelnden Sternenhimmels. Also über Erlebnisse, die unsereins kaum
       noch machen kann.
       
       Vor allem Städter nicht, wenn sie, wie ich, mittendrin sitzen in einer
       dieser „grellweißen Pusteln“, die auf der Bortle-Skala (Maßeinheit zur
       Messung der Lichtverschmutzung) in die übelste Klasse, Klasse 9, fällt. Ein
       „rotgelb-glühender Ausschlag“ kontaminiere, so Bogard, inzwischen selbst
       menschenleere Landschaften und lösche den Sternenhimmel aus.
       
       Ein Ausschlag, der an seinen Rändern nur langsam verblasst und nicht mehr
       viele Orte der Superklasse 1 übrig gelassen hat. Orte mit „exzellent
       dunklem Himmel“. Oder, wie Bogard schwärmt: dem „Nirwana eines jeden
       Himmelsbeobachters“.
       
       Umso schöner, dass es nicht weit ist von Frankfurt City zum neuesten
       Sternenpark der International Dark Sky Association im Biosphärenreservat
       der Rhön. Richtig duster soll es dort sein. Ein Projekt zum Schutz der
       Nacht, eins von aktuell drei deutschen Schutzgebieten. Aber Überraschung:
       Auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe startet das allabendliche
       Himmelsspektakel mit vielen Menschen.
       
       Mit Picknickkörben und auf Decken, den Blick gen Himmel, mit ihren häufig
       aufblitzenden Smartphones und den Sternenapps möchten sie in dieser milden,
       mondlosen Nacht echte Sterne sehen. Die kahle Wasserkuppe ist das Eldorado
       der Segel- und Gleitschirmflieger. Und jetzt auch der Sterngucker. Hier
       gibt es die „offenen Fernen“, deren sich die Rhön rühmt.
       
       Wie bestellt der Abendhimmel, der sich gen Westen hin in Rottönen färbt.
       Weit weg der Lärmsmog. Stille. Trotz der Menschen. Nein, den tollen
       Sternenhimmel würden wir in dieser Nacht nicht zu sehen bekommen. Es war
       viel zu wolkig. Trotzdem: ein schöner, ein entspannter Ausflug in die Rhön.
       Nirwana liegt natürlich anderswo.
       
       27 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christel Burghoff
       
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