# taz.de -- Frauenförderung in Hannover: Peniskostüm im Geiste
       
       > Beim Verkehrsbetrieb „üstra“ in Hannover tragen Busfahrer einen Rock, um
       > den Beruf für Frauen attraktiver zu machen. Das ist so gaga.
       
 (IMG) Bild: So sieht das jetzt aus in Hannover.
       
       BERLIN taz | Es ist so niedlich und so gut gemeint, man kann es ihnen kaum
       übel nehmen. Der hannoversche Verkehrsbetrieb „üstra“ hat sich eine
       vertrottelte PR-Kampagne ausgedacht, um den Frauenanteil in ihrem
       Unternehmen zu erhöhen. Unter dem Motto [1][“üstra rockt“] tragen zehn Bus-
       und Stadtbahnfahrer seit dieser Woche einen Rock als Dienstkleidung, um den
       Beruf für Frauen attraktiver zu machen.
       
       „Luftig“ finden die Männer ihren Dienstrock, der aussieht wie ein Kilt und
       den sie ausdrücklich freiwillig tragen, „positiv angenehm“ und „wirklich
       sehr geil“, so beschreiben sie das in einem [2][Video] der Hannoverschen
       Allgemeinen. „Wir wissen jetzt, wie Frauen sich fühlen“, sagt einer der
       Stadtbahnfahrer. Das ging natürlich flott.
       
       „Wir wollten Rollenklischees und Berufsbilderklischees aufbrechen“, sagt
       Claudia Kudlinski, Projektleiterin von „üstra rockt“. Man brauche nicht nur
       „Lippenbekenntnisse“, sondern auch „Kultur- und Verhaltensänderungen“, um
       bestimmte Berufe für Frauen attraktiver zu machen. Das ist alles natürlich
       sehr richtig. Die „üstra“ hat dazu auch eine ganze Liste [3][konkreter
       Maßnahmen] zur Frauenförderung, darunter Weiterbildungsangebote und eine
       feste Quote. Immerhin gibt es demnächst 600 Stellen neu zu besetzen.
       
       Die Rock-Aktion ist nur eine zusätzliche Show, um mehr Aufmerksamkeit zu
       kriegen – was ja offensichtlich funktioniert. [4][“Üstra-Fahrer zeigen
       Bein“], berichtet die Hannoversche Allgemeine, [5][“Männer, die mit Röcken
       fahren“] titelt ndr.de und [6][“Mutig! Wir haben Bock auf Rock!“] schreibt
       bild.de. Auch alle Wortspiele mit „die Hosen anhaben“ sind schon gemacht.
       Es läuft.
       
       ## Frauen, so schön!
       
       „Der schönste Grund, warum Männer Rock tragen, sind Frauen“ ist der
       Werbespruch zur Kampagne. Das ist so gaga. Als gäbe es nichts Lustigeres,
       als wenn Männer einen Rock tragen. Genau so sinnvoll hätten die Herren
       Busfahrer sich eine Slipeinlage auf die Stirn kleben können. Frauenkram und
       so.
       
       Natürlich ist es bemerkenswert, wenn ein Verkehrsunternehmen seine
       cismännlichen Busfahrer dazu kriegt, in der Öffentlichkeit freiwillig Röcke
       zu tragen. Cross-Dressing als PR ist aber auch nur mittelmäßig subversiv,
       wenn der Rock mit [7][derselben Geste] getragen wird wie ein Peniskostüm
       bei einem Junggesellenabschied.
       
       Da wird es der Personalabteilung aber die Schuhe ausziehen, wenn die
       angeworbenen Frauen dann – huch – in Hosen zum Bewerbungsgespräch
       erscheinen. Oder wenn sich jetzt haufenweise Schotten bewerben.
       
       25 Aug 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://karriere.uestra.de/arbeiten-bei-der-uestra/aktuelles-und-aktionen/uestra-rockt/
 (DIR) [2] http://www.haz.de/Videos?bcpid=1896788706&bctid=4441789242001
 (DIR) [3] https://karriere.uestra.de/vielfalt/geschlechter/
 (DIR) [4] http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Uestra-Fahrer-zeigen-Bein
 (DIR) [5] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Fahrer-tragen-Roecke-fuer-mehr-Frauen-am-Steuer,uestra164.html
 (DIR) [6] http://www.bild.de/regional/hannover/hannover/uestra-traegt-rock-42310632.bild.html
 (DIR) [7] https://www.facebook.com/uestra/videos/vb.257096674440499/550622125087951/?type=2&theater
       
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