# taz.de -- Interview zum Veganen Sommerfest: „Neugier ist ganz wichtig“
       
       > Haben VeganerInnen moralische Probleme mit Allesfressern? Nein, meint
       > Stephanie Stragies vom Vegetarierbund vebu und lädt alle zum Feiern ein.
       
 (IMG) Bild: Mögen auch eingefleischte Karnivoren: knackiges Gemüse
       
       taz: Frau Stragies, was können BesucherInnen beim Veganen Sommerfest auf
       dem Alexanderplatz entdecken? 
       
       Stephanie Stragies: Wir bieten sozusagen einen Rundumschlag zum veganen
       Leben. Kulinarische Genüsse, vegane Mode und über die Konsumartikel hinaus
       auch ein Rahmenprogramm mit Musik, Kochshows, Workshops und
       Ernährungstipps. Der vegane Konditormeister Chris Geiser will einen Rekord
       aufstellen und 500 vegane Eierpfannkuchen backen, die das Publikum dann
       verkosten darf.
       
       Die enthalten aber doch keine echten Eier? 
       
       Sie werden mit einer Ei-Alternative hergestellt, deshalb schreiben wir sie
       auch mit einem „y“. Also Eyerpfannkuchen.
       
       Mit wie vielen BesucherInnen rechnen Sie? 
       
       Das Fest findet jetzt zum achten Mal statt und hat sich gut etabliert.
       Letztes Jahr kamen rund 50.000 Menschen, dieses Jahr erwarten wir noch ein
       paar tausend mehr.
       
       Ist es nicht ein Widerspruch, dass ein veganes Fest vom Vegetarierbund
       veranstaltet wird? 
       
       Das würde ich nicht so sehen. Wir sind die größte Organisation für
       VeganerInnen und VegetarierInnen, wir betrachten uns für beide Gruppen als
       zuständig. Aber es stimmt, der Trend geht hin zum veganen Leben, und diesen
       Trend treiben wir entschieden voran.
       
       Und da kommen Sie intern nicht in Konflikte? 
       
       Nein. Wir haben ein Ziel, das wir gemeinsam verfolgen: Wir wollen das Leben
       für vegan und vegetarische lebende Menschen verbessern.
       
       Ich selbst esse hin und wieder Fleisch und fühle mich gegenüber
       VeganerInnen eher unsicher. Verurteilen Sie mich als „Omnivoren“ denn nicht
       moralisch? 
       
       Nein, jeder macht es so, wie er mag. Wir empfehlen die vegane Lebensweise
       als die beste für Ihre Gesundheit, für den Planeten und vor allem auch für
       die Tiere. Das Fest veranstalten wir ja auch für Menschen, die wenig
       Berührungspunkte mit veganem Leben haben. Die möchten wir erreichen, denen
       möchten wir vermitteln, warum wir veganes Leben gut finden – und dass es
       sehr viel Spaß macht, vegan zu leben.
       
       Ich habe aber schon erlebt, dass VeganerInnen dogmatisch auftreten. 
       
       Dann liegt das an Ihrem persönlichen Umfeld. Wir sind ganz offen und laden
       alle ein. Auch Menschen, die flexitarisch leben, die also sehr wenig
       Fleisch essen. Wir zeigen eine Option auf, von der wir überzeugt sind, dass
       sie der eigenen Gesundheit, der Umwelt und den Tieren gut tut. Aber das
       Tempo, mit dem man sich diesem Lebensstil nähert, macht jeder für sich aus.
       
       Sind Sie denn optimistisch, dass die Nutzung von Tieren in einem
       überschaubaren Zeitraum ein Ende haben wird? 
       
       Wir sind jedenfalls sehr optimistisch, dass die vegane und vegetarische
       Lebensweise eine immer größere Rolle spielen werden. Selbst viele große
       Konzerne bemühen sich, mehr pflanzliche Alternativen herzustellen. Ich
       denke, die vegane Ernährung wird in fünf Jahren so normal sein wie heute
       die vegetarische.
       
       Es heißt oft, vegan zu leben bedeute keinen Verzicht. Aber ich verzichte
       doch faktisch auf sehr viele Lebensmittel. 
       
       Das ist nur eine mögliche Sichtweise. Betrachten Sie es mal so: Für jedes
       Lebensmittel, das wegfällt, kommen andere hinzu. Es gibt so viele
       Alternativen. Sie müssen dann nur eben mal beim Einkauf in Ecken gucken, in
       die sie vorher nicht geguckt haben. Dann werden Sie zum Beispiel entdecken,
       dass es dort im Regal nicht nur fünf Getreidesorten gibt, sondern 15.
       Neugier ist dabei ganz wichtig.
       
       Was mich immer ein bisschen irritiert, ist der Versuch, Fleischprodukte
       ohne Fleisch nachzubilden. Das finde ich nicht sehr überzeugend. 
       
       Jeder geht da seinen eigenen Weg. Manche vegan lebenden Menschen lehnen das
       auch ab. Aber wir finden es gut, dass alte Gewohnheiten beibehalten werden
       können. Das macht manchem die Umstellung leichter. Bei der Gartenparty
       können Menschen dann eben ganz einfach ein veganes Würstchen auf den Grill
       legen.
       
       Neben die aus Schweinefleisch? 
       
       Wie gesagt, es ist eine individuelle Entscheidung, wo für Sie die
       Trennlinie am Grillrost verläuft.
       
       Ist Berlin auch die Hauptstadt des veganen Lebens? 
       
       Es gibt inzwischen drei Filialen des veganen Supermarkts „Veganz“ und
       mehrere kleinere vegane Vollsortimenter. Vegan essen können sie in 40 Cafés
       und Restaurants, und neulich hat auch die erste vegane Eisdiele eröffnet.
       Das ist schon ein sehr großes Angebot.
       
       Und kann die Stadt international mithalten? 
       
       Auf jeden Fall. Nur im Vergleich zu den USA haben wir noch etwas Luft nach
       oben. Da ist plant based nutrition noch ein bisschen weiter verbreitet als
       hier, gerade auch unter dem gesundheitlichen Aspekt.
       
       28 Aug 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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