# taz.de -- Schäuble und Tsipras im Wortgefecht: Der Sturm, das Gewitter
       
       > Zwei Männer im Proszenium, Donnergrummeln, ein Streit: So entfaltet sich
       > das Drama zwischen Schäuble und Tsipras – und ihr Dialog.
       
 (IMG) Bild: Bühnenbild mit Grrrr-Stimmung.
       
       Dorische Säulen zwischen Ruinen, trübes Licht. Zwei Männer sind im
       Proszenium. Der ältere namens Schäuble sitzt in einem zivil genutzten
       Streitwagen, der von Dienern in die Halle geschoben wurde. Tsipras, der
       jüngere, steht und schaut über die Landschaft, über der sich ein Gewitter
       zusammenzieht. Als Schäuble das Wort ergreift, dreht er sich um und wendet
       dem älteren den Blick zu. 
       
       Schäuble: „Mir tun [1][die Griechen] leid.“1)
       
       Tsipras (scharf): „Es wäre besser, Völker zu bemitleiden, die [2][mit
       hängendem Kopf] gehen.“2)
       
       Schäuble ist entrüstet, Widerspruch des Jüngeren will er nicht tolerieren.
       In der Ferne Donnergrollen. Auch dass der Jüngere seinem Blick standhält,
       gefällt ihm nicht. Seine Stimme klingt drohend: 
       
       „Sie haben [3][alles Vertrauen zerstört]. Das ist ein schwerer
       Rückschlag.“3) „Die, die entscheiden, haben sich nicht bewegt. Eher
       rückwärts bewegt. Deswegen bin ich [4][nicht sehr zufrieden].“4)
       
       Tsipras: „Ich übernehme [5][die Verantwortung] für alle Fehler, die ich
       möglicherweise gemacht habe.“5)
       
       Tsipras’ Lakonie bringt Schäuble auf. 
       
       Schäuble: „Was wollen Sie denn?“ – „Es ist an der Zeit, dass das Land sich
       allmählich langsam an [6][die Realität] annähert.“6) „Man kann nicht auf
       Dauer über seine Verhältnisse leben und dann immer Vorschläge machen, was
       andere [7][noch mehr bezahlen] sollen. Das wird nicht funktionieren.“7)
       
       Tsipras: „Jede [8][neue Geburt] hat ihre Schwierigkeiten.“8) „Dieses Europa
       gehört [9][nicht] Herrn Schäuble.“9)
       
       Das ist zu viel für den Älteren. Er ballt die Faust gegen Tsipras. Seine
       Wut lässt ihn stottern. Ein Blitz lässt sein Gesicht auf gespenstische
       Weise aufleuchten. 
       
       Schäuble: „Wenn ihr wirklich ein bisschen anfangen wollt, Vertrauen
       zurückzugewinnen, tut doch einmal einfach die eine oder andere Maßnahmen,
       die ihr machen wollt, wenn wir, was weiß ich … (Verärgert) Macht einfach!
       Geht morgen in das neue Parlament und [10][just do it!]“10)
       
       Sturm kommt auf, Blitze und Donner nähern sich aus allen Himmelsrichtungen
       – eine bedrohliche, unwirkliche Kulisse. 
       
       Tsipras: „Ich habe ein Papier unterschrieben, an das ich nicht glaube. Aber
       ich werde mich daran halten. Das ist [11][meine Pflicht].“11)
       
       Schäuble: „Das ist alles ziemlicher Unsinn. (Ironisch) Wir sind ja
       [12][auch nicht empfindlich], dass Sie ständig alle anderen beschimpfen,
       von denen Sie gleichzeitig unglaubliche Hilfe wollen“.12) „Ich habe diese
       Tage meinem Freund Jack Lew angeboten, dass [13][wir Puerto Rico] in der
       Eurozone übernehmen könnten, wenn die USA Griechenland in der Dollar-Union
       übernehmen würde. Er fand das einen Scherz.“13)
       
       Schäuble verneigt sich, als wären Leute da, die ihm Bewunderung zollen.
       Aber nur Tsipras ist anwesend. Er geht auf ihn zu, lässt ihn spüren, wie es
       ist, über jemandem zu stehen. Um das Gewitter zu übertönen, müssen die
       Darsteller ihre Stimmen erheben. 
       
       Tsipras (laut): „Niemand kann mit Griechenland reden, als wäre es [14][eine
       Kolonie].“14)
       
       Das erträgt Schäuble nicht. Sein ganzer Körper gerät in Wallung, er
       zittert, er schreit: 
       
       „Ein freiwilliges Ausscheiden aus der Eurozone wäre für Griechenland
       [15][der bessere Weg].“15)
       
       Tsipras lässt sich nicht provozieren. Kühl antwortet er: 
       
       „[16][Die Würde eines Volkes] ist kein Spiel. – Griechenland wird nicht
       aufgeben.“16)
       
       Das Gewitter steht direkt über der Halle. Tsipras geht ab. Schäuble bleibt
       allein auf der Bühne. Vergeblich ruft er nach seinen Dienern. Langsam geht
       das Licht aus, nur Blitze erhellen das Proszenium, in dem der Ältere
       verharrt.
       
       26 Jul 2015
       
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