# taz.de -- Bauernbund über Wölfe auf der Weide: „Schießen! Sofort schießen!“
       
       > Der Wolf gefährde die besonders artgerechte Bio- und Weidehaltung etwa
       > von Rindern, warnt Bauernbund-Sprecher Reinhard Jung.
       
 (IMG) Bild: So könnten sich selbst Wolfsfeinde mit dem Wolf anfreunden: Dieses Tier wurde Ende Juni in Baden-Württemberg gefunden - und könnte ein Wolf sein
       
       taz: Herr Jung, der Wolf breitet sich immer weiter aus. Ihre Heimat
       Brandenburg ist das Bundesland mit dem größten Wolfsrevier. Wie sollte man
       mit dem Tier umgehen? 
       
       Reinhard Jung: Schießen! Sofort schießen! Es gibt in Brandenburg 60.000
       Hektar Totalreservate, munitions- oder bergbaugeschädigte Sperrgebiete –
       das reicht doch für den Wolf. Wenn nicht, haben wir ja noch Potsdam und
       Berlin, da ist die Akzeptanz am größten (lacht). Bei uns auf dem Land
       wollen wir ihn jedenfalls nicht haben.
       
       Was haben Sie denn gegen den Wolf? 
       
       Der Wolf tötet Nutztiere auf der Weide, vor allem Schafe und Kälber. Wir
       können lange über unser Verhältnis zur Wildnis philosophieren, am Ende
       bleiben die ganz banalen ökonomischen Fakten: Dass der Wolf sich
       ausbreitet, belastet die Weidewirtschaft, die artgerechteste Form der
       Tierhaltung, gesellschaftlich hoch angesehen, mit erheblichen Zusatzkosten.
       Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der Weidewirtschaft und damit auch
       vieler Biobetriebe gegenüber der intensiven Stallmast.
       
       Können die Bauern sich nicht gegen Wolfsrisse schützen? 
       
       Wir können uns Hunde anschaffen, die ungefähr so viel Fleisch fressen, wie
       der Wolf reißt. Oder wir können Zäune bauen, zwei Meter hoch und einen
       halben Meter in der Erde, mit Elektronetzen und Stacheldrahtkrone.
       Abgesehen davon, dass Sie unsere jetzt noch lieblichen Landschaften dann
       nicht wiedererkennen würden, wird diesen gigantischen Aufwand niemand
       bezahlen.
       
       2014 hat der Wolf in Brandenburg, das er als Erstes erobert hat, doch nur
       fünf Kälber gerissen. 
       
       Und das soll auch so bleiben. Wenn sich der Wolf genauso schnell ausbreitet
       wie der ebenfalls geschützte Biber, der gerade unsere Grünlandniederungen
       unter Wasser setzt, dann gute Nacht. Die derzeitigen Zuwachsraten
       hochgerechnet, haben wir in zehn Jahren in jedem brandenburgischen Dorf
       einen Wolf. Die ganzen Schafe und Kälber, die gerissen werden, müssen wir
       Bauern bezahlen.
       
       Das Land entschädigt Sie doch. 
       
       Ja, es gibt Ausgleichszahlungen. Aber das ist alles schwierig, man muss sie
       beantragen, muss beweisen, und, und, und. Wenn es immer mehr wird, wird der
       Staat eh nicht mehr zahlen.
       
       Kann man denn durch Abschüsse die Wölfe auf ein Naturschutzgebiet
       begrenzen? Dann wird doch ein Wolf erschossen und wenig später kommt der
       nächste. 
       
       Dann wird er eben auch erschossen.
       
       Am Ende wären die Wölfe wieder ausgerottet. Wie ließe sich das verhindern? 
       
       In den Schutzgebieten würden sie überleben. Auch außerhalb, wenn sie so
       scheu sind, wie man uns immer wieder erzählt. Wir wollen nur nicht mehr
       Wölfe.
       
       Wolfsfreunde sagen: Anders als Biber werde es nicht so viele Wölfe geben.
       Eine Wolfsfamilie beanspruche 20.000 bis 27.000 Hektar für sich und lasse
       dort keine Artgenossen zu. 
       
       Alles schöne Theorie. Wir wollen dafür nicht die Versuchskaninchen sein.
       Der Wolf war früher allen Überlieferungen zufolge ein Feind des Menschen,
       ein schlimmer Schädling, der viel Unheil angerichtet hat. Er wurde nicht
       aus Spaß ausgerottet. Die Menschen wollten einfach ohne Angst leben.
       
       Warum wollen Naturschützer Ihrer Meinung nach dennoch mehr Wölfe? 
       
       Weil sie keine Ahnung haben. Die sitzen entspannt im Berliner Fabrikloft
       und schauen sich auf dem Plasmabildschirm an, wie niedlich Wolfswelpen
       sind. Denen würde ich gern mal auf meinem Mutterkuhbetrieb erklären, wie
       knapp man kalkulieren muss, wenn man mit Weidetieren Geld verdienen will.
       
       11 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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