# taz.de -- Kampf gegen den IS: Mehr US-Militär im Irak
       
       > Die USA wollen nach den Erfolgen des IS mehr irakische Kämpfer ausbilden.
       > Die Terrormiliz erobert derweil offenbar die libysche Stadt Sirte.
       
 (IMG) Bild: Vorbereitungen zu Kämpfen gegen den IS vor Sirte im März
       
       Washington/SKHIRAT AFP | Als Konsequenz aus den jüngsten Rückschlägen im
       Kampf gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) will die
       US-Armee ihre Ausbildungsmission für irakische Kämpfer ausweiten. Künftig
       sollten mehr Iraker ausgebildet werden, erklärte Armee-Sprecher Steven
       Warren am Dienstag in Washington. Die US-Armee wolle insbesondere mehr
       [1][Sunniten] für den Kampf gegen den IS gewinnen und ausbilden.
       
       Eine Ausweitung der Ausbildungsmission könne auch eine Aufstockung der
       US-Militärkräfte vor Ort nötig machen, sagte Warren. Derzeit sind rund 3000
       US-Soldaten im Irak. Nach Angaben von Pentagonvertretern könnte die Mission
       um hunderte US-Soldaten aufgestockt werden. Die Aufstockung bleibe auch auf
       „weniger als tausend Mann“ begrenzt.
       
       Bislang liegt die Ausbildung sunnitischer Kämpfer im Irak in der Hand der
       schiitisch dominierten Regierung in Bagdad. Die USA sind mit den
       Ergebnissen allerdings nicht zufrieden. 2006 hatten die USA mit dem Einsatz
       sunnitischer Stammeskämpfer gegen das islamische Terrornetzwerk Al-Kaida im
       Irak gute Erfahrungen gemacht.
       
       ## Neue IS-Offensive befürchtet
       
       US-Präsident Barack Obama hatte am Montag am Rande des G7-Gipfels auf
       Schloss Elmau gesagt: „Wir wollen mehr ausgebildete, frische, gut
       ausgerüstete und konzentrierte irakische Truppen haben.“ Bislang haben die
       USA und ihre Bündnispartner knapp 9000 irakische Kämpfer ausgebildet, 2600
       weitere befinden sich derzeit in der Ausbildung.
       
       Der IS hat weite Gebiete des Irak erobert und konnte auch durch
       Luftangriffe der US-geführten Koalition bislang nicht gestoppt werden.
       Mitte Mai eroberten die Dschihadisten Ramadi, die Hauptstadt der Provinz
       Anbar. Dies nährte Befürchtungen, dass die IS-Kämpfer bald zu einer
       weiteren Offensive ansetzen.
       
       ## Nordlybische Stadt offenbar erobert
       
       Die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) hat offenbar die Stadt
       Sirte im Norden Libyens erobert. Das auf die Beobachtung islamistischer
       Websites spezialisierte US-Unternehmen Site teilte am Dienstag mit, der IS
       habe Fotos von seinen Kämpfern in der Stadt veröffentlicht. Das Ringen um
       eine Überwindung des politischen Chaos erlitt unterdessen einen Rückschlag:
       Das international anerkannte Parlament kritisierte einen UN-Friedensplan,
       der am Mittwoch in Berlin beraten werden soll.
       
       Der IS, der auch weite Teile des Irak und Syriens kontrolliert, hatte Ende
       Mai den Flughafen von Sirte 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis
       eingenommen. Die nun veröffentlichten Fotos zeigten „IS-Kämpfer bei
       Gefechten, auf schwerem Militärgerät, beim Erkunden der Stadt und eines
       nahegelegenen Wärmekraftwerks“, teilte Site mit. Zu sehen seien auch
       Leichen von Kämpfern der Miliz Fadschr Libya.
       
       Vor zwei Wochen hatte der IS den Flughafen von Sirte überrannt – der
       Heimatstadt des getöteten früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi. Es war
       der erste derartige Eroberungserfolg für die extremistische Miliz in
       Libyen. Ihre Eroberungen in Syrien und im Irak konnte auch eine US-geführte
       Militärallianz mit massiven Luftangriffen bislang nicht stoppen.
       
       ## Anerkanntes Parlament kritisiert Friedensplan
       
       Die Bemühungen um eine Lösung des politischen Konflikts zwischen den
       rivalisierenden Gruppierungen in Libyen sollen am Mittwoch in Berlin in
       eine entscheidende Phase eintreten. Bundesaußenminister Frank-Walter
       Steinmeier (SPD) empfängt Vertreter der Konfliktparteien sowie die
       Libyenbeauftragten der UN-Vetomächte, der EU, Italiens und Spaniens. Sie
       sollen über einen Friedensplan des UN-Sondergesandten Bernardino León
       beraten.
       
       Am Abend meldete das anerkannte Parlament in Tobruk aber große Vorbehalte
       an. Sein Sprecher Fradsch Abu Hatschem sagte, wer für das Parlament nach
       Berlin reise, tue dies nur auf „persönlicher Grundlage“ und nicht im
       Auftrag der Institution. Das Parlament nimmt demnach Anstoß an den
       „Vorrechten“ für das rivalisierende zweite Parlament, den Allgemeinen
       Nationalkongress (GNC) in Tripolis.
       
       Dem UN-Vorschlag zufolge soll zwar das Parlament in Tobruk in der
       Übergangsphase von einem Jahr die gesetzgebende Institution in dem
       nordafrikanischen Land sein. Der Hohe Staatsrat, der überwiegend aus
       GNC-Mitgliedern besetzt werden soll, könnte Gesetzentwürfe aber mit
       qualifizierter Mehrheit zu Fall bringen.
       
       Seit dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011
       herrschen in Libyen Chaos und Gewalt. Im vergangenen Sommer eroberten
       islamistische Milizen die Hauptstadt Tripolis und bildeten dort eine eigene
       Regierung, die international nicht anerkannt ist. Die anerkannte Regierung
       und das Parlament flohen ins ostlibysche Tobruk. Die UNO bemüht sich seit
       Monaten um die Bildung einer Einheitsregierung. Der UN-Sondergesandte León
       will vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan am 17. Juni eine
       Einigung erzielen.
       
       10 Jun 2015
       
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