# taz.de -- Sonderparteitag-Kommentar: Ermüdete Debattierer
       
       > Die grüne Spitze hat das Debattieren verlernt und hat sich im
       > Sachzwangdenken eingerichtet. Der Sonderparteitag zu Afghanistan ist der
       > Basis zu verdanken.
       
       Früher waren die Grünen eine Partei, die Debatten schonungslos führten. Die
       Fähigkeit zu radikaler Kritik hatte manchmal etwas Selbstzerstörerisches,
       oft aber brachte die Partei zur Sprache, was in der Luft lag. Wer hofft,
       dass davon noch etwas geblieben ist, den wird der Leitantrag des
       Bundesvorstands zu Afghanistan desillusionieren.
       
       Die Grünen haben 2001, in der aufgeheizten Atmosphäre nach 9/11, dem
       Einsatz der Bundeswehr zugestimmt. War es richtig, sich an dem US-Krieg zu
       beteiligen, der auf Rache, nicht auf Menschenrechte zielte? Diese Frage
       ist, auch mit Blick auf künftige Kriegsbeteiligungen, wesentlich. Im
       Leitantrag findet sich dazu kein einziges Wort. Dafür die kühne
       Schönfärberei, dass die Drogenproduktion in Afghanistan "zurückgeht".
       
       Dass es diesen Sonderparteitag überhaupt gibt, ist der Basis zu verdanken,
       die sich noch nicht völlig im Sachzwangdenken eingerichtet hat. Die grüne
       Spitze dagegen empfindet den Parteitag eher als lästig. Auf ihm werden sich
       die Grünen wohl auf eine scheinbar sichere Linie zurückziehen: Nein zum
       Antiterrorkrieg der USA, der Operation Enduring Freedom (OEF), Ja zur
       internationalen Schutztruppe Isaf und der Bundeswehr.
       
       Das Nein zu OEF ist billig zu haben, denn daran ist Deutschland in
       Afghanistan nicht mehr beteiligt. So rennen die Grünen offene Scheunentore
       ein - und dürfen sich ein bisschen pazifistisch fühlen. Grotesk ist, dass
       die Grünen sich nicht durchringen können, auch den Tornado-Einsatz
       abzulehnen. Nein zu OEF zu sagen und kleinlaut Ja zu den Tornados, die OEF
       unterstützen, ist lächerlich.
       
       Ansonsten fällt den Grünen zu Afghanistan nicht viel ein. Sie fordern mehr
       Geld für zivilen Aufbau, was irgendwie immer richtig ist. Wichtig wäre die
       Debatte, ob die Vermischung von militärischen und zivilen Aufgaben, die die
       Bundeswehr in Afghanistan forsch betreibt, nicht ein fundamentaler Irrtum
       ist. Oder ob Afghanistan nicht viel mehr zivile Hilfe und mehr Militär
       braucht, um noch eine Chance zu haben. Doch die grüne Botschaft scheint zu
       lauten: weiter so, aber ein bisschen anders. Wenn nicht alles täuscht, wird
       es auf dem Sonderparteitag um Frieden gehen - den der Grünen mit sich
       selbst.
       
       13 Sep 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Reinecke
       
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