# taz.de -- Ex-Republikaner soll ermitteln: Berlins superharte Staatsanwälte
       
       > Der Leiter der Intensivtäterabteilung der Berliner Staatsanwaltschaft
       > nimmt seinen Hut. Seine Abteilung bekommt einen nicht minder harten
       > Kollegen: einen Ex-"Republikaner".
       
 (IMG) Bild: Was ist heute noch gerecht?
       
       BERLIN taz Es gab eine Zeit, da stand Rolf von Niewitecki für Parolen wie
       diese: "Der Ausländeranteil ist so schnell wie möglich zu verringern", hieß
       es im Programm der Partei "Die Republikaner". Das war 1990, als von
       Niewitecki stellvertretender Landesvorsitzender der rechtsextremen Partei
       in Berlin war. Womöglich kann der Mann sein Politprogramm bald in
       professionelle Arbeit umsetzen. Staatsanwalt von Niewitecki soll in die
       Abteilung für Intensivtäter wechseln.
       
       Die Personalie sorgt für Aufruhr. So richtig kann in der Hauptstadt niemand
       verstehen, warum ein Rep in eine Abteilung wechseln soll, als deren
       internes Ziel es gilt, ausländische Straftäter "außer Landes zu schaffen
       oder sonst 'aus dem Verkehr zu ziehen' ". So hatte es der Leiter der
       Berliner Intensivtätereinheit kürzlich geäußert. Berlins Justizsenatorin
       Gisela von der Aue (SPD) hat den Vorgang gestoppt und die Behördenspitze zu
       sich einbestellt. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg kritisierte die
       Berufung von Niewiteckis als "instinktlos".
       
       Die Berliner Intensivtäterabteilung, die jugendlichen Verdächtigen einen
       persönlichen Staatsanwalt zuordnet, kommt damit erneut in die Schlagzeilen.
       Gerade war in Berlin verfügt worden, den Leiter der Abteilung, Roman
       Reusch, wegen seiner rigorosen Ansichten zu versetzen. Reusch hat die
       Abteilung 2003 aufgebaut, die in der Debatte um dauerkriminelle Jugendliche
       vielfach gelobt worden war. Reusch nutzte die Bekanntheit zu einem
       spektakulären Auftritt bei der CSU-nahen Hanns-Seidl-Stiftung.
       
       Dort schilderte er den Christsozialen den Kampf gegen jugendliche
       Kriminelle. Diese stammten überwiegend aus dem Lager der Orientalen, sagte
       er, die zum Teil "von Kindesbeinen an von ihren Müttern bereits zum Stehlen
       angehalten werden". Reusch: "Jugendliche aus solchen Familien dazu
       anzuhalten, zu lernen und zu arbeiten, kommt dem Versuch gleich, Wasser mit
       einem Sieb aufzufangen." Wegen solcher Aussagen verbot die Behördenspitze
       dem Staatsanwalt, bei der TV-Diskussion "Hart aber fair" aufzutreten.
       
       Deshalb blieb dem Publikum weitgehend verborgen, wie Reusch die Probleme
       beim Umgang mit Intensivtätern lösen will - durch eine Art vorbeugende
       Verhaftung. Die Täter sollten bereits nach ihrer ersten schweren Tat in
       Untersuchungshaft. Um "die Fußtruppen des organisierten Verbrechens"
       abzuschrecken, müsse zudem die Möglichkeit der Ausweisung erleichtert
       werden. Bei "generell nicht abschiebbaren Ausländern" müsse man "über
       Sicherungshaft nachdenken".
       
       Reusch und von Niewitecki hätten bestimmt gut zusammengepasst.
       
       20 Jan 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Füller
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
       
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