# taz.de -- Kommentar Verbrannt in der Polizeizelle: Der ungeklärte Tod des Oury Jalloh
       
       > Schlampereien, ein menschenverachtender Korpgeist und fehlender Wille
       > haben verhindert, dass der Tod des Asylbewerbers in einer Dessauer
       > Polizeizelle ungesühnt bleibt.
       
 (IMG) Bild: Demonstration gegen die "schleichende Aufklärung" des Feuertods.
       
       Unwillen und Ungereimtheiten, Schlampereien und Widersprüche prägten von
       Anfang an die Ermittlungen und den Prozess um den Tod des Asylbewerbers
       Oury Jalloh, der vor fast vier Jahren gefesselt in einer Polizeizelle in
       Dessau verbrannte. Aussagen wurden verändert, Beweismittel verschwanden
       oder tauchten verspätet auf. Ohne massiven öffentlichen Druck wäre es wohl
       nie zu einem Prozess gekommen. Das ist ein Skandal.
       
       Schuld daran sind vor allem die, die eigentlich für Aufklärung sorgen
       sollten: die ZeugInnen aus der Polizei. So mutierte die
       Hauptbelastungszeugin zu Prozessbeginn zur Entlastungszeugin, der
       Revierleiter bat während des laufenden Prozesses alle Polizeizeugen zu
       einem Gespräch. Der Verdacht, dass hier KollegInnen auf Linie gebracht
       wurden, drängt sich auf. Dieser Korpsgeist und widersprüchliche
       Expertengutachten führten dazu, dass auch nach 22 Monaten Prozess zentrale
       Fragen nicht geklärt sind: Wie entstand der Brand? Und: Hätte Jallohs Tod
       verhindert werden können, wenn die Polizisten schneller reagiert hätten?
       
       So musste das Gericht die beiden angeklagten Polizisten freisprechen. Doch
       der Verdacht, dass sie nachlässig mit Jallohs Leben umgingen, weil er ein
       Flüchtling aus Afrika war, der bleibt. Dies gilt umso mehr, weil
       Polizeigewalt gegen Migranten nur selten Konsequenzen hat. Wenn es mal zu
       einer Anzeige kommt, folgt darauf meist die Gegenanzeige - und
       PolizistInnen, die eine Anzeige aufnehmen, glauben eher anderen Polizisten
       als Einwanderern. Statistiken aus Berlin und Hamburg zeigen zudem: Bei den
       wenigen Beamten, die je angeklagt wurden, waren Verurteilungen die absolute
       Ausnahme. In anderen europäischen Ländern werden solche Fälle längst von
       unabhängigen Kommissionen untersucht. Das muss auch hierzulande endlich
       geschehen. Auch die statistische Erhebung von Polizeiübergriffen ist
       überfällig.
       
       Im Fall Jalloh hilft das nicht mehr. Sachsen-Anhalt sollte aber für seinen
       Tod die Verantwortung übernehmen. Jalloh ist betrunken und gefesselt in
       Polizeigewahrsam verbrannt. Das Land sollte seine Angehörigen entschädigen.
       
       8 Dec 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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