# taz.de -- Kommentar Bahn: Klartext von Grube
> Der neue Bahnkurs von Grube macht zwar noch keine neue Bahn - aber
> schlechter als unter Mehdorn kann es nicht werden.
(IMG) Bild: Ein Turm so gläsern wie die Mitarbeiter: der Bahn-Tower in Berlin.
Bei der Bahn wird aufgeräumt, und zwar gründlich. Gleich vier
Vorstandsmitglieder verlieren ihren Job, weitere leitende Angestellte
werden in die Wüste geschickt. Im Datenschutzskandal spricht der neue
Bahnchef Rüdiger Grube zugleich Klartext. Reihenweise habe die Bahn bei der
systematischen Bespitzelung ihrer Mitarbeiter Gesetze gebrochen, gibt er
unumwunden zu.
Die Botschaft ist deutlich: Die Bahn bricht mit dem System Mehdorn. Unter
dem intern auch Napoleon genannten Egomanen war das Eingeständnis von
Fehlverhalten niemals vorgesehen. Skandale gab es grundsätzlich nicht.
Kritiker waren Feinde. Die eigenen Mitarbeiter potenzielle Unruhestifter.
Unabhängige Bahnexperten eine Bedrohung. Der Bahn-Chef und seine
handverlesenen Mitarbeiter aber galten als unfehlbar.
Es war dieses Szenario eines von dunklen Mächten Verfolgten, das die
Überwachung von Mitarbeitern, Journalisten und Experten erst möglich
gemacht hat. Ob die nun geschassten Vorstandsmitglieder darin eingeweiht
waren, spielt zwar eine strafrechtliche, für das Verständnis des Systems
aber nur eine untergeordnete Rolle. Sie waren Teil des Systems.
Der neue Bahnchef will dieses System nicht länger fortführen. Er sucht
endlich die Kooperation mit den Beschäftigten. Er schafft die
Günstlingswirtschaft ab, mit deren Hilfe die Hansens und Wiesheus erst ihre
Posten ergattern konnten. Angesichts der Dimensionen des
Datenschutzskandals mag man einwenden, dass Grube nichts anderes übrig
blieb. Geschenkt. Tatsächlich macht der neue Bahnkurs Grubes noch keine
neue Bahn. Die Entscheidung, was langfristig aus dem Unternehmen werden
soll, bleibt vorläufig unbeantwortet. Aber schlechter als unter Mehdorn
kann es nicht werden.
13 May 2009
## AUTOREN
(DIR) Klaus Hillenbrand
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
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