# taz.de -- Kommentar Internetsperren: Der Dammbruch
> Der SPD muss klar sein: Mit der Unterstützung der Internetsperre für
> Kinderpornos öffnet sie der Zensur weiterer Netzinhalte Tür und Tor.
> Irgendwann gehts um strittige Meinungsäußerungen.
(IMG) Bild: SPD-Vize Olaf Scholz findet die roten Stopp-Schilder plötzlich nicht mehr nützlich.
Zum Schluss gab es nochmal einen netten Beschluss vom SPD-Parteivorstand:
"Löschen vor Sperren", hieß es in dem Papier, das am vergangenen Samstag
verbreitet wurde. Ein paar Nachbesserungen hier, ein paar schöne Worte
dort, doch Ursula von der Leyens umstrittenes Internetsperrengesetz wird
wohl durchkommen.
Die Sperrliste an sich kommt nach wie vor ohne jede demokratische Kontrolle
vom BKA. Eine "unabhängige Expertenkommission", angesiedelt beim
Bundesdatenschutzbeauftragten, soll nun aber zusätzlich darüber wachen,
dass tatsächlich nur Kinderpornos gesperrt werden. Wie gut das
funktioniert, wird sich zeigen. Dass noch nicht einmal ein Richter
draufguckt, ist armselig.
Die SPD muss sich fragen lassen, warum sie das zulässt. Natürlich verdient
ein Politiker wie Björn Böhning, der sich zuletzt für die komplette
Ablehnung des umstrittenen Gesetzes eingesetzt hat, Respekt. Von Bild hatte
er sich dafür sogar einen "Verlierer des Tages" eingefangen. Geholfen hat
es nichts.
Diejenigen, die die nun aufzubauende Zensurinfrastruktur für andere "heiße
Themen" einsetzen wollen, stehen bereits Gewehr bei Fuß. So schrieb auf
[1][abgeordnetenwatch.de] der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl, die Sperren
von Kinderpornos sollten doch "mit Blick auf Killerspiele neu diskutiert"
werden. Als Nächstes ist dann die Musikindustrie dran, die Seiten mit
Raubkopien gesperrt wissen will. Oder es geht um Websites mit
Glücksspielen, die hiesigen Lottogesellschaften Konkurrenz machen. Und
irgendwann um umstrittene Meinungsäußerungen. Was hier passiert, das muss
der SPD klar sein, ist ein Dammbruch. Kein Wunder, dass in nicht einmal
zwei Monaten 120.000 Menschen die Petition "Keine Indizierung und Sperrung
von Internetseiten" unterzeichneten - trotz des Totschlagarguments
Kinderpornografie.
15 Jun 2009
## LINKS
(DIR) [1] http://abgeordnetenwatch.de
## AUTOREN
(DIR) Ben Schwan
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
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