# taz.de -- Gelöbnis-Gegner im Interview: "Protest ist kein Ritual"
> Martin Frings (25) will ein lautes Zeichen gegen das Gelöbnis setzen. Die
> Bundeswehr hält der Krankenpfleger für ein Kriegsinstrument.
(IMG) Bild: Still gestanden: Rekruten beim Gelöbnis 2008
taz: Herr Fings, Sie bezeichnen sich als Antimilitarist. War es für Sie
jemals vorstellbar, zur Bundeswehr zu gehen?
Martin Frings: Eher nicht. Ich hatte als Teenager eine Freundin aus England
und Bekannte in Frankreich. Der Gedanke, dass wir einmal an verschiedenen
Fronten aufeinander schießen könnten - und zwar für Interessen, die nicht
unsere sind -, das ist einfach pervers.
Also haben Sie verweigert?
Nein, ich habe mich ausmustern lassen. Hätte das nicht geklappt, hätte ich
totalverweigert.
Wie kam es, dass Sie aktiv gegen die Bundeswehr Politik gemachgt haben?
Ich hatte viel gelesen über den preußischen Militarismus als Vorläufer des
faschistischen Militarismus. Später auch über Militärputsche in
Lateinamerika. Besonders die Niederschlagung der Demokratie durch das
Militär in Chile hatte mich mitgenommen. Das hat gezeigt, dass auch in
Demokratien Armeen bereit sind, jeweilige Machtansprüche durchzusetzen. Und
Politik, die militärische Lösungen sucht, will ich nicht mittragen.
In Deutschland sieht die Realität aber anders aus …
Aber die Bundeswehr ist inzwischen längst weltweit im Einsatz - ganz im
Gegensatz zu ihrem Auftrag als Verteidigungsarmee. Und anders, als es aus
der nationalsozialistischen Vergangenheit zu verantworten wäre. Im Weißbuch
der Bundeswehr steht ganz offen: Hier geht es um die Sicherung von
Rohstoffen oder Transportwegen. Und wenn selbst die Grünen zu
Kriegsbefürwortern werden, muss es laute Gegenstimmen geben.
Dennoch definiert sich Deutschland als Zivilmacht.
Ja, ja, die Bundeswehr als bewaffneter Sozialhelfer, der weltweit fürs Gute
kämpft. So wollen sie sich gerne inszenieren. Es gab schon immer schöne
Begründungen für das Töten. Genau das will ich nicht zulassen. Hinter
dieser Maske des neuen Heldentums - jetzt sogar mit Tapferkeitsmedaille -
steht immer das Gesicht des Krieges.
Die Bürger müssten Sie da auf Ihrer Seite haben. Die Mehrzahl der Deutschen
lehnt den Afghanistaneinsatz ab.
Zu Recht. Warum soll Deutschland am Hindukusch verteidigt werden? Man kann
nicht in ein Land einreiten, Fakten schaffen, sich als Beschützer der
Witwen und Waisen darstellen und dann sagen, wir können hier nicht mehr
raus. Ich dachte, wir sind in einer Demokratie: Wenn die Mehrheit sagt, die
sollen da raus, warum gibt es keinen Abzug?
Auch beim Protest gegen das Bombodrom gab es Widerstand aus der lokalen
Bevölkerung.
Hier hat sich gezeigt, was bewirkt werden kann, wenn die Leute dranbleiben.
In der Kyritz-Ruppiner Heide wäre eine Infrastruktur geschaffen worden, die
Deutschland militärisch enorm aufgewertet hätte. Ich hoffe, dass wir den
Schwung aus dem Bombodrom-Erfolg mitnehmen können. Erfolge sind die beste
Öffentlichkeitsarbeit.
In den vergangenen Jahren erschien der Anti-Gelöbnis-Protest allerdings
mehr als Ritual.
Das würde ich nicht sagen. Der Protest ist kein Ritual, weil er nicht
inhaltsleer ist. Wir wollen keine Propagandashow und keine Normalisierung
der Bundeswehr in der Öffentlichkeit. Wenn sie dorthin will, muss sie auch
kritische Stimmen vertragen. Deshalb will ich in Hör- und Sichtweite
protestieren.
Was kann der Gelöbnix-Protest heute noch erreichen?
Das Ziel ist, dass sich die Bundeswehr wieder in ihre Kasernenhöfe
zurückzieht. Das ist kein Machtspiel, sondern eine Rückeroberung unserer
Freiräume. Beim Bombodrom hat man gesehen, dass solche Forderungen Erfolg
haben können. Ich will nicht nur eine moralische Stimme sein, sondern auch
etwas zum Besseren verändern. Dafür darf man nicht nur Luftballons steigen
lassen.
Womit, wenn nicht mit Ballons, wollen Sie denn am Montag aufwarten?
Ich will ein sichtbares und lautes Zeichen setzen, auch mit Sirenen und
lebensfroher Musik. Außerdem kann man Militarismus auch an anderer Stelle
in der Stadt thematisieren.
Sollte die Bundeswehr eigentlich ganz abgeschafft werden?
Langfristig natürlich. Das Schießen auf Menschen ist unmenschlich. Wir
müssen Bedingungen schaffen, dass sich niemand derart bedroht fühlt, dass
er zur Waffe greift. Dafür brauchte es eine Globalisierung der Solidarität.
"Die Bundeswehr soll sich in ihre Höfe zurückziehen. Wir müssen unsere
Freiräume zurückerobern"
18 Jul 2009
## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
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