# taz.de -- Bundeswehrrekrut im Interview: "Wir sind keine Mörder"
       
       > Sascha Pyritz (21) hat gerade seinen neunmonatigen Grundwehrdienst
       > angetreten. Montag nimmt er am Gelöbnis vor dem Reichstag teil.
       
 (IMG) Bild: Still gestanden: Rekruten beim Gelöbnis 2008
       
       taz: Herr Pyritz, warum treten Sie den neunmonatigen Grundwehrdienst an? 
       
       Sascha Pyritz: Über die Bundeswehr wird viel Gutes, aber auch viel
       Schlechtes behauptet. Ich will mir ein eigenes Bild machen.
       
       Haben Sie mal überlegt, zu verweigern? 
       
       Eigentlich nicht. Verweigern würde Sozialdienst heißen; Leute pflegen und
       rumkutschieren. Das liegt mir nicht. Ich brauche die Herausforderung und
       den körperlichen Ansporn. Da ist die Bundeswehr das Richtige. Beim
       Wachbataillon muss man immer voll dasein.
       
       Was für eine Funktion hat das Wachbataillon? 
       
       Es ist das Protokollbataillon der Bundesregierung. In Friedenszeiten hat es
       rein repräsentative Aufgaben - zum Beispiel bei Staatsbesuchen, wenn der
       Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, kommt. Unser Auftritt soll
       ihm ein Bild von Deutschland vermitteln, das sagt: Es ist ordentlich, es
       ist sauber, es ist stark.
       
       Sie sind Marzahn aufgewachsen. Wo würden Sie sich politisch verorten? 
       
       Nicht links und nicht rechts. Ich bin politisch neutral, aber immer in dem
       Sinne, das Volk zu unterstützen.
       
       Wie meinen Sie das? 
       
       Das fängt bei der Nächstenliebe an. Mitbekommen, was mit den Nachbarn ist.
       Wenn jemand auf der Straße stolpert, ihm aufhelfen. Ganz einfache Sachen.
       Und sich auch politisch auf dem Laufenden halten.
       
       Sie haben Abitur. Was sind Ihre berufliche Pläne? 
       
       Ich würde gern eine Pilotenausbildung machen.
       
       Bei der Bundeswehr? 
       
       Sofern ich dort bleibe, ja. Ansonsten werde ich es in der Zivilluftfahrt
       versuchen.
       
       Haben Sie sich auch deshalb für den Wehrdienst entschieden? 
       
       Nein. Wenn ich einen Job will und mich anstrenge, kriege ich ihn auch.
       Dafür muss ich nicht extra zur Bundeswehr gehen.
       
       Sie sind seit drei Wochen in der Kaserne. Mit wie vielen Leute sind Sie auf
       einer Stube? 
       
       Wir sind zu sechst. Man hat seinen Spaß, man unterstützt sich gegenseitig.
       Das habe ich in meinem bisherigen Leben noch nicht erlebt, dass man sich in
       diesem Grade hilft.
       
       Können Sie ein Beispiel nennen? 
       
       Wir haben gestern nach Dienstschluss eine geniale Arbeitsteilung gemacht.
       Wir mussten noch unsere Sachen bügeln und haben gesagt: zwei gehen Getränke
       holen, zwei bügeln Hosen. Einer bügelt die Hemden, und der andere putzt die
       Schuhe. Abends war alles picobello.
       
       Sie haben das Bier geholt? 
       
       Ein typisches Vorurteil über die Bundeswehr. Ich sage Getränke, und Sie
       denken Bier. Außerdem habe ich Hosen gebügelt.
       
       Müssen Sie auch durch Schlamm robben und Gewaltmärsche mit Gepäck machen? 
       
       Durch Schlamm robben wäre nicht das Problem. Beim Wachbataillon geht es
       darum, jede Bewegung auf die der Kameraden abzustimmen. Es geht um
       Perfektion. Das erfordert große Konzentration. Das ist sehr anstrengend,
       aber ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass unsere Ausbilder Maschinen
       sind. Sie zeigen immer wieder menschliche Züge.
       
       Aus Afghanistan kommen Särge mit gefallenen Bundeswehrsoldaten zurück.
       Berühren Sie diese Bilder? 
       
       Die Menschen sollten nicht immer nur schauen, was im Ausland passiert. In
       Deutschland sterben bei Unfällen viel mehr Menschen, als deutsche Soldaten
       in Afghanistan.
       
       Wollen Sie damit sagen, die Lage in Afghanistan wird dramatisiert? 
       
       Dazu weiß ich zu wenig von dort. Was ich sagen möchte ist: Soldat zu sein
       ist nun mal mit einem Risiko verbunden. Das muss man wissen, wenn man zur
       Bundeswehr geht. Auch einem Polizisten oder Feuerwehrmann kann was
       passieren.
       
       Könnten Sie sich vorstellen, als Soldat nach Afghanistan zu gehen? 
       
       Ich bin kein Reisemensch. Ein Auslandseinsatz wäre nichts für mich. In
       Deutschland würde ich alles verteidigen.
       
       Ist Ihnen bekannt, dass die Gelöbnisfeier am 20. Juli von erheblichen
       Protesten begleitet wird? 
       
       Ich frage mich, wogegen die Leute protestieren. Der 20. Juli ist ja nicht
       nur der Tag des Gelöbnisses der Rekruten. Es ist auch der Tag der Ehrung
       des deutschen Widerstands.
       
       Im Aufruf der Gelöbnisgegner heißt es, Militär sei der Inbegriff für Krieg,
       Mord und Zerstörung. Auch auf bewaffnete Inlandseinsätze gegen
       Demonstranten und Streikende bereite es sich vor. 
       
       Den Aufruf kenne ich. Und dann gibt es noch einen Aufruf, dass man Soldaten
       attackieren soll. Wir sind alle sehr enttäuscht darüber. Wir sind keine
       Mörder. Ich habe in meinem Leben noch nie jemanden etwas zu Leide getan.
       
       Die Bundeswehr ist also ein zutiefest menschlicher Haufen, der niemandem
       wehtut? 
       
       Aufgabe der Bundeswehr ist es, unsere Familie, Freunde und Nachbarn zu
       schützen.
       
       Was bedeutet die Vereidigungszeremonie für Sie persönlich? 
       
       Es ist eine Ehre, am Tag des Widerstands mit meinen Kameraden vor dem
       Reichstag zu stehen, und meine Familie schaut zu und sagt: Wir sind stolz
       auf ihn.
       
       "Soldat zu sein ist mit einem Risiko verbunden. Das muss man wissen, wenn
       man zur Bundeswehr geht"
       
       18 Jul 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Plutonia Plarre
       
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