# taz.de -- Pro & Contra Mauerpark-Kompromiss: Nachbessern oder nachtreten
       
       > Der Mauerpark wird ausgebaut, allerdings kleiner als geplant. Ist das ein
       > Kompromiss, der in die richtige Richtung weißt? Oder entsteht dort nur
       > ein Mahnmal gegen die Privatisierung des öffentlichen Raums?
       
 (IMG) Bild: International bekannter Ort: Performance zum 20. Jahrestga des Mauerfalls von über 100 holländischen Gitarristen im Mauerpark
       
       Nachbessern statt nachtreten 
       
       Pro Kompromiss Uwe Rada 
       
       Am Mauerpark ist schiefgelaufen, was nur schieflaufen konnte, allem voran
       die Übertragung der ehemaligen Bahngrundstücke an die Vivico. Neu ist das
       freilich nicht. Neu ist der Kompromiss, den Vivico und das Bezirksamt Mitte
       vorgelegt haben. Und der weist in zwei Punkten in die richtige Richtung.
       
       Das betrifft zunächst die Öffnung des Parks zum Wedding. Falls es jemand
       vergessen haben sollte: Der Mauerpark gehört nicht nur der Prenzelberger
       Szene. Oder doch? Die hartnäckige Weigerung des Pankower Bezirksamts, einen
       Kompromiss zu suchen, könnte vermuten lassen, dass der Status quo das
       kleinere Übel wäre. Und dazu gehört auch ein Metallzaun zwischen
       Szenebezirk und sozialem Brennpunkt. So aber kommen die Weddinger gleich
       auf mehreren Wegen in den Mauerpark.
       
       Zweitens: Je höher die Vivico bauen darf, desto mehr Park kommt dazu. Die
       fünf Hektar Parkfläche, die der Kompromiss vorsieht, sind fast eine
       Verdoppelung. Bisher hat der Mauerpark acht Hektar. Dem Zugewinn tut auch
       der Hinweis auf eine 6- bis 7-geschossige Wohnbebauung keinen Abbruch.
       Wären die Gewerberiegel auf Weddinger Seite weg, wie von den Bürgerinis
       gefordert, würde der Park halt auf einen Wohnriegel der Degewo treffen.
       Eine Mauer sieht da nur, wer eine sehen will.
       
       Bleibt die Frage nach Nutzungskonflikten. Hier muss dringend nachgebessert
       werden, etwa mit einem Mischgebiet an der Bernauer Straße. Denn eine
       Spaltung droht tatsächlich: die zwischen dem Bezirk Mitte, der sich im
       Streitfall auf die Seite der Bewohner schlägt, und Pankow auf der Seite der
       Parkbenutzer.
       
       Mahnmal gegen die Privatisierung 
       
       Contra Kompromiss Gereon Asmuth 
       
       Der Mauerpark wird ein Stück erweitert, dafür darf der Grundstückseigner
       ein anderes Stück bebauen. Das mag man pragmatisch finden. Oder auch nicht.
       Doch eins ist unübersehbar: Der Mauerpark wird umgebaut. Zum Mahnmal gegen
       die Privatisierung öffentlichen Raums.
       
       Mittes Baustadtrat trägt am wenigsten Schuld. Verbockt wurde das Projekt
       schon vor Jahren. Das Areal gehörte einst - wie alle Bahngrundstücke in
       Ost- wie Westberlin - zur volkseigenen Reichsbahn. Als Anwohner 1990
       erstmals vom Mauerpark träumten, kam die Reichs- zur Bundesbahn. Die
       übertrug ungenutzten Grund an den Bund - um fit für die Börse zu werden.
       Der gab sie an den zwar staatseigenen, aber profitorientierten Verwerter
       Vivico weiter. Dessen Verkauf an einen Österreicher spielte da auch schon
       fast keine Rolle mehr. Der Freiraum für öffentliche Gestaltung war futsch.
       
       Trotzdem wäre der Park noch zu retten. Wenn die Einnahmen aus der
       Privatisierung dazu verwendet würden, deren gröbste Fehler zu reduzieren.
       Aber dafür müssten Bundespolitiker nicht nur an den Bundeshaushalt, sondern
       auch mal an eine Bezirkskasse denken. Eine leider allzu utopische
       Vorstellung.
       
       Realistischer wäre es, wenn der Senat über seinen Schatten springen und das
       Areal kaufen würde. An anderer Stelle geht das schließlich auch. Etwa für
       den Ausbau der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße oder der Autobahn
       in Treptow. Wenn Politik gestalten will, dann schafft sie das auch bei
       leeren Kassen. Wenn nicht, entsteht nur ein Denkmal für die Ohnmacht der
       Stadtplaner, die nicht mal aus volkseigenem Grund eine Wiese machen können.
       
       29 Jul 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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