# taz.de -- Stadtentwicklung: Kein einig Mauerpark
> Am Tag des Mauerfalls diskutieren Senat und Betroffene über die Zukunft
> des Parks, dessen Westseite mit Wohnungen bebaut werden soll. Von einer
> Einigung sind sie weit entfernt - historisches Datum hin oder her
(IMG) Bild: International bekannter Ort: Performance zum 20. Jahrestga des Mauerfalls von über 100 holländischen Gitarristen im Mauerpark
Nach Feiern war den geladenen Gästen und Mitgliedern im
Stadtentwicklungsausschuss am Jahrestag des Mauerfalls nicht zumute:
Schließlich stand der Mauerpark auf der Tagesordnung, der nun wirklich kein
Glanzlicht deutsch-deutscher Wiedervereinigung ist. Noch immer ist er nicht
fertig, und über seine künftige Gestalt ist heftiger Streit entbrannt -
zwischen Ost und West, zwischen Bezirk und Senat, Bürgern und Politikern.
Im Kern dreht es sich um die Frage, ob der ehemalige Mauerstreifen zwischen
den Bezirken Mitte und Pankow bebaut werden soll. "Die gesamtstädtische
Vision wird aus den Augen verloren", wetterte der
Stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Thomas Flierl,
gegen entsprechende Pläne von Mittes Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD).
Und sein Parteifreund Michael Nelken, Stadtentwicklungsstadtrat in Pankow,
erklärte: "Das öffentliche Interesse steht gegen die geplante
Wohnbebauung." Ökologische, soziale und kulturelle Gründe sprächen gegen
den geplanten Gebäuderiegel, der sich von der Bernauer Straße über die
Gleimstraße hinweg bis zu den S-Bahn-Gleisen ziehen soll.
Für die Befürworter der Bebauung sprach bei der Anhörung nur
Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Der zuständige
Stadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, ließ sich entschuldigen. Er wolle die
Pläne zunächst Ende November seinem Ausschuss im Bezirk vorstellen, bevor
er sich öffentlich äußert. Die diskutierte Parkgestalt sei ein "guter
Kompromiss vor Ort", lobte Junge-Reyer ihren Kollegen. Es werde Wohnen in
zentraler Lage möglich, zugleich werde der Park weiterentwickelt.
Gleichwohl verwies die Senatorin darauf, dass im Bezirk noch beraten werde.
Der Mauerpark wurde von der Allianz Umweltstiftung Anfang der
Neunzigerjahre mit 4,5 Millionen Mark finanziert. Maßgabe war, dass das
Grün bis 2010 auf eine Größe von zehn Hektar anwächst. Andernfalls müsste
das Land Berlin das Geld an die Stiftung zurückzahlen. Bislang hat der Park
eine Fläche von 8 Hektar. Die Erweiterungsflächen sollen laut Gothes Plänen
vom Projektentwickler Vivico kommen, dem das Gewerbegebiet auf der
Weddinger Seite gehört. Der zwischen Bezirk und Vivico ausgehandelte
Kompromiss sieht vor, dass der Mauerpark mehr als fünf Hektar Fläche
hinzubekommt. Im Gegenzug darf Vivico rund fünf Hektar des ehemaligen
Bahngeländes bebauen.
Neben den Linken ist auch die Bürgerinitiative Gleimviertel gegen die
Baupläne. Sprecher Heiner Funken glaubt nicht an die von Gothe versprochene
Öffnung des Parks zum Wedding hin. Es würde vielmehr ein trennender
Gebäuderiegel entstehen. Funken forderte das Land erneut auf, die Flächen
zu kaufen. "Der Mauerpark ist systemrelevant für Pankow und Mitte." Die
Bürgerinitiative fürchtet auch, dass spontane Kleinkunst und Trödelmarkt im
Mauerpark verschwinden müssten, wenn die Wohnhäuser kommen - zu massiv
seien die Nutzungskonflikte. Nach Worten Funkens hat die Allianz
Umweltstiftung signalisiert, mehr Zeit für die Fertigstellung des Parks zu
gewähren - aber nur, wenn sich Bezirke und Bürger aufeinander zu bewegen.
"Wir sind kompromissbereit", sagte Funken dazu.
Ein juristischer Streit droht derweil um den Flächennutzungsplan (FNP). Aus
Sicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist eine Änderung nicht
erforderlich. Nach Auffassung des Linken-Abgeordneten Flierl müsste der FNP
sehr wohl geändert werden, sollte die Bebauung kommen, da die geplanten
Bauten mehr als drei Hektar Fläche beanspruchen. Eine Änderung nämlich
müsste im Parlament diskutiert werden - und die Linken könnten damit bei
der Zukunft des Mauerparks mitreden, anstatt tatenlos zuzusehen, wie der
Bezirk Mitte eine autonome Entscheidung fällt.
10 Nov 2009
## AUTOREN
(DIR) Kristina Pezzei
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