# taz.de -- Kompromiss zum Ausbau des Berliner Mauerparks: Sonnenuntergang abgeschafft
> Lange war unklar, was aus dem Mauerpark wird. Nun liegt ein Kompromiss
> vor: mehr Fläche für den Park, Wohnbauten für die Vivico. Initiativen
> sind dagegen.
(IMG) Bild: Künftig im Schatten neuer Hochbauten: Besucherin des Mauerparks in Prenzlauer Berg
Eigentlich sollte das Treffen informell sein. Doch das, was
Mitte-Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) den Bürgerinitiativen aus Mitte und
Pankow vorlegte, war Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel zu viel.
Funken brach die Schweigepflicht, seitdem wissen die Weddinger und
Prenzlauer Berger, was auf ihren Mauerpark zukommt: ein 30 Meter breiter
und 6- bis 7-geschossiger Gebäuderiegel, der sich von der Bernauer Straße
über die Gleimstraße hinweg bis zu den S-Bahn-Gleisen ziehen soll.
Mit dem Sonnenuntergang am Mauerpark, einem der beliebtesten Szenetreffs
der Stadt, wäre damit Schluss. Dass zwischen Wedding und Prenzlauer Berg
aber nicht alles beim Alten bleiben würde, war klar. Der Park wurde von der
Allianz Umweltstiftung Anfang der Neunzigerjahre mit 4,5 Millionen Mark
finanziert - mit der Maßgabe, dass das Grün bis 2010 auf eine Größe von 10
Hektar anwächst. Andernfalls müsste das Land Berlin das Geld an die
Stiftung zurückzahlen. Bislang hat der Park eine Fläche von 8 Hektar.
Doch woher nehmen und nicht stehlen? Während der Bezirk Pankow in dieser
Frage auf die Zuständigkeit des Senats verweist, sucht Ephraim Gothe seit
Langem nach einem Kompromiss. Schließlich können die Erweiterungsflächen
nur von der Vivico kommen, der das Gewerbegebiet auf der Weddinger Seite
gehört. Einen Kauf der Flächen, wie ihn die Bürgerinitiativen fordern,
lehnen sowohl Bezirke als auch Senat ab.
Der Kompromiss, den Mitte und die Vivico nun gefunden haben, sieht vor,
dass der Mauerpark 5,2 Hektar Fläche hinzubekommt. Im Gegenzug darf die
Vivico 4,75 Hektar des ehemaligen Bahngeländes bebauen. In einer früheren
Variante hätte die Vivico 4 Hektar bebauen dürfen und nur 2 Hektar an den
Bezirk abgeben müssen.
Für Mitte-Stadtrat Gothe ist die Einigung aber nicht nur rechnerisch ein
Erfolg, sie würde, freut er sich, den Mauerpark auch zum Wedding hin
öffnen. "Es wird sowohl von der Lortzingstraße als auch von den
Degewo-Bauten einen Zugang geben", verspricht er. Darüber hinaus regt Gothe
an, das Gelände an der Bernauer Straße als Mischgebiet auszuweisen. Dort
hätten dann nicht nur Wohnbauten Platz, sondern auch ein Hostel.
Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel dagegen meint: "Die Trennung
zwischen Wedding und Prenzlauer Berg wird manifestiert, nicht gelockert."
Außerdem seien Konflikte zwischen Parkbesuchern und Neubewohnern
unausweichlich. Für die Grünen in Mitte, die den Kompromiss ebenfalls
ablehnen, steckt der Teufel im Detail. "Im Flächennutzungsplan ist das
Vivico-Gelände als Grünfläche ausgewiesen", meint der Chef der grünen
BVV-Fraktion, Frank Bertermann. Vor einer Wohnbebauung müsse also erst
einmal der Flächennutzungsplan (FNP) geändert werden.
Baustadtrat Gothe sieht das allerdings gelassen, weiß er doch Berlins
Bausenatorin und Parteifreundin Ingeborg Junge-Reyer hinter sich. "Zur
Not", sagt er, "wird der FNP eben geändert." Offiziell will Gothe seinen
Kompromiss nun im September vorstellen - im Stadtentwicklungsausschuss des
Bezirks Mitte.
29 Jul 2009
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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