# taz.de -- Kommentar Koalitionsbruch in Simbabwe: Mugabe muss man zwingen
       
       > Das südliche Afrika, dessen Vermittlung die Regierung Mugabe/Tsvangirai
       > überhaupt erst möglich machte, muss Mugabe zu einer tatsächlichen
       > Machtteilung zwingen.
       
       Es hat lange gedauert. Das ist die einzige Überraschung am gestrigen
       Rückzug von Simbabwes Premierminister und Oppositionsführer Morgan
       Tsvangirai aus der gemeinsamen Regierung mit Präsident Robert Mugabe. Das
       Experiment, eine um ihren Wahlsieg betrogene und brutal unterdrückte
       Opposition (MDC) in ein gemeinsames Kabinett mit ihren Unterdrückern zu
       setzen, war seit dem Entstehen der Einheitsregierung im Februar zum
       Scheitern verurteilt. Die Mugabe-Clique der Regierungspartei Zanu-PF gab
       nur Posten ab, nicht aber Macht. Die Opposition regierte auf dem Papier und
       am Kabinettstisch mit, nicht aber in der Realität und im Sicherheits- und
       Korruptionsapparat des simbabwischen Staates.
       
       Nun endet dieses unnatürliche Bündnis an dem Punkt, der es schon zu Beginn
       belastete: die erneute Inhaftierung und Anklage unter Terrorismusvorwurf
       des designierten Vize-Agrarministers Roy Bennett, ein ehemaliger weißer
       Farmer und Schatzmeister der MDC. Schon im Februar durfte er sein Amt nicht
       antreten, sondern wurde festgenommen. Eigentlich hätte schon damals die MDC
       die Konsequenzen ziehen müssen.
       
       Leider ist nicht zu erwarten, dass Tsvangirais verspätete Einsicht in sein
       Scheitern die Lage bereinigt. Es kann sogar passieren, dass der
       Koalitionsbruch jetzt nur eine relativ plumpe Drohgebärde ist, ein Produkt
       der Ratlosigkeit. Das wäre riskant, denn Mugabe wird sich kaum zum
       Koalitionsretter aufschwingen. Das südliche Afrika, dessen Vermittlung die
       Regierung Mugabe/Tsvangirai überhaupt erst möglich machte, steht nun in der
       Pflicht, Mugabe zu einer tatsächlichen Machtteilung zu zwingen. Nur dann
       ist denkbar, dass die nächsten Wahlen, voraussichtlich im Oktober 2010,
       einigermaßen fair ablaufen und dass dann an der Urne und nicht am
       Verhandlungstisch über die Zukunft von Simbabwe entschieden wird.
       
       16 Oct 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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