# taz.de -- Tsvangirai boykottiert Kabinett: Kleinkrieg in Simbabwes Regierung
       
       > Weil der designierte Vize-Agrarminister der demokratischen Bewegung
       > gleich zweimal verhaftet wird, boykottiert Premier Tsvangirai nun die
       > gemeinsamen Kabinettssitzungen mit Präsident Mugabes Leuten.
       
 (IMG) Bild: Tsvangirai weist den Weg: Unterstützerin mit Plakat in Simbabwe.
       
       HARARE ap/dpa | Der simbabwische Ministerpräsident Morgan Tsvangirai will
       die zu Jahresbeginn mit Präsident Robert Mugabe gebildete Einheitsregierung
       vorübergehend boykottieren. Seine Partei, die Bewegung für Demokratischen
       Wandel (MDC), werde nicht mehr an Kabinettssitzungen teilnehmen oder in der
       Exekutive mit Mugabes Partei ZANU-PF zusammenarbeiten, sagte Tsvangirai am
       Freitag in Harare. Hintergrund sei die politische "Verfolgung" eines
       ranghohen Beraters.
       
       Das bedeute aber nicht die Auflösung des Regierungsbündnisses, betonte
       Tsvangirai am Freitag in Harare. Es werde jedoch bis zur Lösung aller
       strittigen Fälle auch keine Zusammenarbeit mehr mit Mugabes ZANU(PF)-Partei
       auf anderen Ebenen geben. Die MDC werde jedoch weiter im Parlament
       konstruktive Arbeit leisten.
       
       Tsvangirai begründete seinen Schritt damit, dass sich der seit der
       Unabhängigkeit des Landes zunehmend autokratisch regierende Mugabe und
       seine Partei nicht an die Abmachungen hielten. "Wir können einfach nicht so
       tun, als wäre alles in Ordnung. Es ist unser Recht, uns von einem
       unehrlichen und unzuverlässigen Partner zu distanzieren", sagte er. An
       einem politischen Treffen in Schweden kommende Woche werde er nun nicht
       mehr teilnehmen – es gebe in Simbabwe jetzt wichtigere Dinge zu erledigen.
       
       Vorausgegangen war dem Rückzug die umstrittene Festnahme des prominenten
       MDC-Politikers Roy Bennett. Er war als Vize-Agrarminister der
       Einheitsregierung nominiert worden, am Tag seiner geplanten Vereidigung
       aber unter dem Vorwurf eines versuchten Umsturzes in Haft genommen worden.
       
       Nachdem er zunächst auf Kaution freigekommen war, wurde er vor kurzem
       erneut inhaftiert. Bereits zuvor hatte es Klagen über Verzögerungstaktiken
       der ZANU(PF) bei der Umsetzung wichtiger Reformvorhaben in dem einstigen
       afrikanischen Modellstaat gegeben.
       
       Tsvangirai und die MDC hatte sich nach einer umstrittenen Präsidentenwahl,
       einem erbitterten Machtkampf und langwierigen internationalen
       Vermittlungsbemühungen auf die Bildung einer Einheitsregierung eingelassen.
       Das südafrikanische Land war unter der jahrzehntelangen Herrschaft Mugabes
       zuletzt dramatisch verarmt.
       
       16 Oct 2009
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Simbabwe
       
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