# taz.de -- Wachstumsbeschleunigungsgesetz im Bundesrat: Schwarz-Gelb verschiebt Geld
> Ab Januar werden Familien, Erben, Unternehmer entlastet – der Bundesrat
> stimmt Wachstumsbeschleunigungsgesetz zu. Länder und Städte fürchten
> Einnahmeausfälle.
(IMG) Bild: Plötzlich auch optimistisch: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen mit dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart
BERLIN taz | Die Geschichte über das erste große Projekt der schwarz-gelben
Regierung - das "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" - hätte leicht zu einer
werden können über fehlende Loyalität in der eigenen Partei. Lang haben die
CDU-regierten Länder Schleswig-Holstein und Sachsen rebelliert - und einen
Preis für ihre Zustimmung gefordert. Am Freitag zeigten sie sich dann
zufrieden: Der Bundesrat stimmte dem Steuersenkungspaket zu. Ab Januar
werden Familien, Erben, Unternehmer entlastet.
Den Staat werden diese Steuererleichterungen pro Jahr 8,5 Milliarden Euro
kosten. Den Ländern und den Kommunen fehlt Geld - für Kindergärten, für
Schwimmbäder, für Schauspielhäuser. Deswegen hatten nicht nur SPD-Politiker
angekündigt, das Gesetz abzulehnen. Allen CDU-Länderchefs voran hatte der
schleswig-holsteinische Peter Harry Carstensen sein Ja von einem Ausgleich
durch den Bund abhängig gemacht. CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte
das unter Druck.
Die allein von der Union oder zusammen mit der FDP regierten Länder sichern
im Bundesrat die knappe Mehrheit. Gemeinsam haben sie 37 der 69 Stimmen.
Zieht eins der Länder nicht mit, ist Merkels Koalition blockiert. Also ließ
die Kanzlerin prüfen, wie sie den Ländern entgegenkommen könnte.
Dann sagte sie ihnen Milliarden für die Bildung zu. Sie stellte in
Aussicht, dass sich der Bund stärker als vorgesehen an der Finanzierung der
Jobcenter und den Wohnungskosten für Langzeitarbeitslose beteiligt. Auch
will sie im nächsten Jahr darüber reden, wie die Steuereinnahmen besser
zugunsten der Länder verteilt werden. Bei einem Kamingespräch am
Donnerstagabend in Berlin willigten die Protestler dann ein.
Die nicht allein von Schwarz-Gelb regierten Länder verreißen derweil das
Steuerpaket: "Klientel-Begünstigungsgesetz" (der parteilose Berliner
Finanzsenator Ulrich Nußbaum.) "Mehr als zweifelhaft", dass es
Wachstumsimpulse gibt, die Fachwelt glaube auch nicht daran (der
rheinland-pfälzische SPD Ministerpräsident Kurt Beck). "Das Gesetz ist
schlecht, die Verschuldung der Länder und Städte steigt" (der Bremer
SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen).
Böhrnsens Kollegen denken sich bereits neue Einnahmequellen aus. Die SPD in
Köln rechnet wegen des neuen Gesetzes mit Steuerausfällen von 12 bis 15
Millionen Euro pro Jahr. Ab Mitte 2010 will sie darum eine neue Steuer
einführen. Für Touristen, die in einem Hotel übernachten, soll eine
Fünf-Prozent-Abgabe auf den Zimmerpreis fällig werden. Das Geld soll in die
Kultur fließen.
18 Dec 2009
## AUTOREN
(DIR) Hanna Gersmann
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