# taz.de -- Umweltzone, Stufe II: Nur Grüne dürfen in die Zone
> Ab Februar dürfen nur noch Autos in den Innenstadtring, die eine grüne
> Plakette haben. CDU kritisiert verschärfte Fahrverbote, FDP die vielen
> Ausnahmen.
(IMG) Bild: Muss sein: Ohen den grünen Aufkleber darf ab 2010 kein Auto mehr in die Berliner Innenstadt
Die Autowerkstätten sind überfordert: Kurz vor der nächsten Stufe der
Umweltzone am 1. Januar gibt es keine Chance mehr, kurzfristig einen
Dieselrußfilter einzubauen. Die Senatsverwaltung für Umwelt hat daher die
Frist um einen Monat verlängert. Man wolle nicht die bestrafen, die "wegen
beschränkter Produktionskapazitäten der Hersteller nicht rechtzeitig die
grüne Plakette bekommen können", so Umweltstaatssekretär Benjamin Hoff
(Linkspartei).
Verschont werden allerdings nur Fahrzeuge, die bereits eine gelbe Plakette
haben. Die Fahrer haben noch bis zum 31. Januar 2010 Zeit, einen Rußfilter
nachzurüsten, ihn in der Kfz-Zulassungsstelle in die Fahrzeugpapiere
einzutragen zu lassen und die grüne Plakette zu kaufen. Kulant ist der
Senat auch, wenn der Einbau noch etwas länger dauert. Wer sich die
Verzögerung von der Werkstatt bestätigen lässt, kann damit bei der
Straßenverkehrsbehörde des Bezirks eine Ausnahmegenehmigung beantragen.
Fahrzeuge, die noch nicht mit Filtern nachrüstbar sind, erhalten durch eine
entsprechenden Bescheinigung von TÜV oder Dekra vorerst freie Fahrt. Der
Staat fördert die Nachrüstung von Pkw-Rußfiltern mit 330 Euro. Die
Bundesregierung hatte erst vor zwei Wochen beschlossen, die Förderung über
das Jahresende hinaus fortzusetzen.
Wer ab Februar ohne grüne Plakette oder ohne Ausnahmegenehmigung innerhalb
des S-Bahn-Rings erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 40 Euro und
einem Punkt in Flensburg rechnen. Dies gilt nicht nur für fahrende, sondern
auch für parkende Fahrzeuge.
Die Umweltzone soll dazu beitragen, gefährlichen Feinstaub in der Luft zu
reduzieren (siehe unten). Eine Richtlinie der Europäischen Union verlangt,
dass die Konzentration gesundheitsschädlicher Partikel pro Kubikmeter Luft
höchstens an 35 Tagen im Jahr ein Tagesmittel von 50 Mikrogramm
überschreiten darf. Doch bereits bis November hatte Berlin den Grenzwert an
mehr Tagen als erlaubt überschritten. Eine hohe Konzentration von Feinstaub
kann zu Asthmaanfällen, Lungenkrebs und Herzinfarkten führen. "Ohne
Umweltzone wäre die Schwelle von 50 Mikrogramm noch häufiger überschritten
worden", meint Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei). Berlin
gehörte zu den bundesweit ersten Städten, die Anfang 2008 die erste Stufe
der Umweltzone eingeführt hatten. Auch jetzt bleibt die Hauptstadt
Vorreiter: Hannover ist die einzige weitere deutsche Stadt, in der
Autofahrer ab dem neuen Jahr eine grüne Plakette brauchen.
Die Wirtschaftskammern hatten vor zwei Wochen gefordert, dass der Senat die
nächste Stufe der Umweltzone bis März verschiebt. Es sei zu viel Aufwand,
für eine kurze Übergangszeit bis zur Lieferung des Filters eine
Ausnahmegenehmigung zu beantragen, kritisierte der Hauptgeschäftsführer der
Handwerkskammer, Jürgen Wittke. Er forderte: "Hier brauchen wir eine
wirtschaftsfreundliche Handhabe des Senats." Auch die IHK hatte sich der
Forderung angeschlossen.
Der CDU-Umweltpolitiker Heiko Melzer warf dem Senat vor, er habe die
Umweltzone "gegen die Verbraucher und gegen die Berliner Wirtschaft
durchgesetzt". Seiner Partei gehe es darum, "Gesundheitsschutz, Verkehr und
Wirtschaft in Einklang zu bringen und sie nicht gegeneinander
auszuspielen". Die nächste Stufe der Umweltzone solle erst in zwei Jahren
kommen. Als Beispiel nannte er Städte wie Düsseldorf und Frankfurt - die
setzten "auf großzügige Ausnahmeregelungen und auf weitere Zeiträume".
Der FDP-Umweltpolitiker Henner Schmidt kritisierte dagegen die vielen
Ausnahmen: "Wenn es Ausnahmegenehmigungen gibt, bedeutet das, dass Bürger
Geld zahlen, es aber keine Entlastung für die Umwelt gibt." Die
"Zwangsumrüstung" würde sich nicht lohnen, wenn viele Feinstaubschleudern
davon ausgenommen seien. Die Liberalen schlugen vor, Büsche als Biofilter
zu pflanzen und den Lieferverkehr besser zu organisieren.
SENATORIN LOMPSCHER
29 Dec 2009
## AUTOREN
(DIR) Sebastian Heiser
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kommentar zur Berliner Umweltzone: Auf den letzten Drücker
Unternehmer wollen eine Vertagung der Umweltzone um drei Monate. Dabei
hatten sie vier Jahre Vorlaufzeit.
(DIR) Umweltzonen in deutschen Städten: Noch mehr Stinker ausgesperrt
In Berlin und Hannover gilt ab dem 1. Januar ein verschärftes Fahrverbot in
den Innenstädten. Damit soll die Luftbelastung durch Feinstaub weiter
verringert werden. Doch es gibt viele Ausnahmen.
(DIR) Umweltzonen: Frei Atmen in der Innenstadt
Als dritte norddeutsche Stadt führt Osnabrück die Umweltzone ein. In
Hannover dürfen nur noch Autos mit grüner Plakette in die Innenstadt und in
Hamburg drohen die Pläne im Wahlkampf zu versickern.