# taz.de -- Umweltzonen in deutschen Städten: Noch mehr Stinker ausgesperrt
       
       > In Berlin und Hannover gilt ab dem 1. Januar ein verschärftes Fahrverbot
       > in den Innenstädten. Damit soll die Luftbelastung durch Feinstaub weiter
       > verringert werden. Doch es gibt viele Ausnahmen.
       
 (IMG) Bild: Erfolg? In Berlin soll aufgrund der Umweltzone eine um 14 bis 22 Prozent geringere Rußpartikelbelastung festgestellt worden sein.
       
       BERLIN taz/dpa | Ab dem 1. Januar 2010 werden in vier Städten die
       Umweltzonen verschärft. In Hannover und Berlin sind dann in den
       Innenstädten nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Umweltplakette zugelassen.
       In Bremen und Frankfurt am Main brauchen sie eine gelbe oder eine grüne
       Plakette. Die rote reicht dann nicht mehr. Weitere sechs Städte führen das
       Verbot für Fahrzeuge mit einem zu hohen Partikelausstoß neu ein.
       
       Begründet werden Umweltzonen mit der Feinstaubbelastung, die in vielen
       Städten über den von der EU festgelegten Grenzwerten liegen. Die
       Konzentration der Feinstaubpartikel darf danach an höchstens 35 Tagen pro
       Jahr höher sein als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Partikel unter einer
       Größe von 10 Mikrometern gelten als gesundheitsschädlich, denn sie können
       durch die Atemluft in die Lunge gelangen. Noch gefährlicher sind
       Kleinstpartikel, die bis in die Lungenbläschen vordringen. Die möglichen
       Folgen reichen von Allergien bis zur Staublunge. Allein in Deutschland
       sterben nach EU-Schätzungen rund 70.000 Menschen jährlich vorzeitig an
       Erkrankungen, die durch zu viel Feinstaub verursacht werden.
       
       Der Anteil des Verkehrs an der menschlichen Feinstaubemission schwankt je
       nach Region zwischen 5 und 20 Prozent. Dazu kommt die sogenannte regionale
       Hintergrundbelastung durch Industrie und in Städten die urbane
       Hintergrundbelastung. Wegen des vergleichsweise geringen Anteils des
       Verkehrs fordert der Autofahrerverband ADAC immer wieder die Abschaffung
       der Zonen.
       
       Nach Erkenntnissen der EU-Kommission wirken sich die Zonen dagegen bereits
       jetzt positiv aus, obwohl es bisher nur Fahrverbote für Dieselfahrzeuge
       gibt, die gar keine Plakette bekamen: So zeigten Untersuchungen in Berlin,
       dass der Ausstoß von Feinstaub durch Fahrzeuge um 24 Prozent niedriger war
       als vor Einführung der Zone. "Wahrscheinlich achten viele Menschen bereits
       jetzt beim Kauf eines Autos darauf, dass sie damit auch in Zukunft überall
       fahren dürfen", mutmaßt Jürgen Resch vom Umweltverband Deutsche Umwelthilfe
       (DUH). Im Übrigen bringe die Regulierung des Verkehrs eine ganze Menge: An
       den Messstationen, an denen der Grenzwert am häufigsten überschritten
       werde, habe er den größten Anteil am Feinstaubaufkommen.
       
       Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) plädiert
       für weitergehende Maßnahmen und fordert den Ausbau des öffentlichen
       Nahverkehrs und von Radwegen. Außerdem müsse die Förderung von
       Partikelfiltern für Diesel-Pkws aufgestockt werden. Bisher werden jedem
       privaten Autobesitzer bei der Nachrüstung seines Fahrzeugs 330 Euro
       ausgezahlt. Allerdings werden dabei auch offene Systeme gefördert. Diese
       sind billiger, aber auch ineffizienter als geschlossene. Gerade bei den
       feinsten und damit gefährlichsten Partikeln sei ihre Wirkung zu gering, so
       Reh. Nur geschlossene Systeme sollten deshalb höher gefördert werden.
       
       Zwar will die Bundesregierung nicht ganz so weit gehen, aber immerhin
       verlängert sie die Subventionierung, die eigentlich zum Jahreswechsel
       auslaufen sollte. Einbezogen werden sollen auch kleine Nutzfahrzeuge. Das
       soll vor allem Handwerksbetriebe entlasten.
       
       Bis Montag wurden die Grenzwerte immer noch an zwölf Messstationen an mehr
       als 35 Tagen überschritten. Eine abschließende Bilanz gibt es erst mit dem
       Jahreswechsel, denn in der Silvesternacht erreichen die Werte oft noch mal
       ein Vielfaches der zulässigen Feinstaubmenge. Daran könnte die eine oder
       andere Kommune noch scheitern.
       
       Wie schon vor zwei Jahren gegen die erste Stufe, hatte es besonders aus der
       Wirtschaft auch gegen die nun kommende zweite Stufe der Umweltzone viel
       Widerstand gegeben. Vor allem kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe
       beklagten hohe Kosten für die Modernisierung ihres Fuhrparks. Denn ohne
       eingebauten Rußfilter erhält kein Dieselfahrzeug mehr eine grüne Plakette.
       
       Die Klagen zeigten Wirkung. Für Fahrzeuge, die nachweislich nicht mit
       Rußfiltern nachrüstbar sind, handelten die Wirtschaftsverbände inzwischen
       ein vereinfachtes Verfahren aus: Eine 50 bis 75 Euro teure Bescheinigung
       von TÜV oder DEKRA ermöglicht ihnen noch für ein Jahr freie Fahrt. Sie muss
       deutlich sichtbar im Fahrzeug liegen und lässt sich noch um ein weiteres
       Jahr verlängern. Für Reisebusse mit gelber Plakette gilt die
       Nachweispflicht bis Ende 2011 nicht, weil es für sie noch gar keine
       Filtersysteme gibt. Auch im Ausland zugelassene Euro-3-Fahrzeuge dürfen
       noch bis Ende 2011 in der Innenstadt fahren.
       
       Wer sein Dieselfahrzeug für die grüne Plakette nachrüsten wollte, hatte in
       den letzten Wochen kaum eine Chance, noch rechtzeitig vor dem 1. Januar
       einen Rußfilter zu bekommen. Denn bei vielen Herstellern gibt es
       Lieferengpässe. Die Bezirksämter erteilen aber bereits seit einiger Zeit
       eine Ausnahmebescheinigung vom Fahrverbot, wenn von der Werkstatt eine
       Bestätigung für die verbindliche Bestellung eines Rußfilters vorliegt. Sie
       kostet 25 Euro und gilt nach Angaben der Senatsverwaltung für Umwelt
       solange, bis der Filter eingebaut ist. Um den Ärger über die Bürokratie
       nicht zu schüren, lenkte die Verwaltung auch beim Knöllchen-Austeilen ein:
       Bis Ende Januar sollen Plaketten-Sünder noch nicht zur Kasse gebeten
       werden.
       
       28 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klemens Köhler
       
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