# taz.de -- Elbphilharmonie: Machtkampf um den Glaspalast
> Die Elbphilharmonie wird teurer und später fertig. Das geht aus einem
> Schreiben des Bauunternehmens Hochtief hervor. Jetzt streiten sich die
> Architekten, Stadt und Bauunternehmer über Schuld, Zeit und Geld.
(IMG) Bild: Doch besser zuschütten? Über das Millionengrab Elbphilharmonie wird immer mehr gestritten
Wie immer will keiner Schuld sein. "Ohne Pläne können wir die
Elbphilharmonie nicht bauen", sagte am Donnerstag Hochtief-Sprecher Bernd
Pütter, deswegen könnte sich die Eröffnung des Konzerthauses verschieben.
Die Architekten aber weisen die Vorwürfe über fehlende Pläne entschieden
zurück. "Wir haben unsere Planungsbeiträge vertragsgemäß geleistet, die
diesbezüglichen Behauptungen von Hochtief sind nicht nachvollziehbar",
sagte Meike Schmidt, Sprecherin des Schweizer Planungsbüros Herzog de
Meuron (HdM) am Freitag. "Hochtief droht mit späterer Baufertigstellung, um
Geld von der Stadt zu erpressen. Aber wir werden uns von Hochtief nicht
erpressen lassen", sagte der Hamburger GAL-Fraktionschef Jens Kerstan dem
Sender 90,3.
Da stehen sich nun drei zankende Seiten gegenüber, ein Ende des Streits ist
nicht in Sicht. Auf 323 Millionen Euro ist der städtische Anteil für den
Bau der Elbphilharmonie inzwischen gestiegen. Die Eröffnung war für das
Frühjahr 2012 geplant; seit neuestem ist von einer einjährigen Verzögerung
die Rede.
Nun kann man anführen, dass noch kein Konzertsaal der Welt je im Budget
geblieben oder pünktlich fertig geworden wäre. Und dass es immer
Machtspiele zwischen Bauherren, Architekten und Baufirmen gibt, die die
Kosten hochtreiben.
Bei der Elbphilharmonie ist dieser Streit allerdings besonders brisant.
Denn der elitäre Bau war angesichts klammer Kassen bei den Hamburger
Bürgern stets umstritten. Doch die Politiker wollen das Projekt unbedingt -
Druckmittel zur Genüge für den Bauunternehmer Hochtief, der für sein nicht
eben zügiges Agieren bekannt ist. Vor wenigen Tagen erst wurde Hochtief
wegen Bauverzögerung aus dem Bremer "Weser Tower"-Projekt gekickt. Und für
Verzug beim Umbau der Kölner Rheinhallen wird Hochtief einen zweistelligen
Millionenbetrag zahlen müssen.
Jetzt ist also Hamburg an der Reihe: Nachforderungen von 22,4 Millionen
Euro hat das Unternehmen jüngst gestellt; vor wenigen Wochen waren es noch
6,8 Millionen gewesen. Die neuen Forderungen seien "alle mit der Stadt
abgesprochen", sagt Hochtief-Sprecher Pütter.
Die Stadt bestreitet das. Punkt für Punkt werde man die Forderungen
niederkämpfen, ist von der Realisierungsgesellschaft Rege zu hören. Sollten
Hochtiefs Ansprüche allerdings gerechtfertigt sein, wird es schwierig:
Hamburgs Senat hat sich qua Beschluss auf einen Kostenstopp für die
Elbphilharmonie geeinigt, und der "Topf für Unvorhergesehenes" enthält nur
20 Millionen Euro. Im Ernstfall also 2,4 Millionen zu wenig.
Damit nicht genug: Auch Bauverzögerungen "um viele Monate" hat Hochtief der
Stadt angedroht, "falls sich nicht etwas bewegt", sagt Pütter. Will sagen:
Falls die Architekten nicht die Tragwerkplanungen für den großen
Konzertsaal lieferten. Ob man andere Bauabschnitte vorziehen kann? "Das
haben wir angeregt. Denn vielleicht haben die Architekten die Pläne hierfür
bereits in der Schublade", sagt Pütter.
Diese Situation erinnert fatal an jene Argumente, die Hochtief für sein
Scheitern am "Weser Tower"-Projekt ins Feld führt. Der Bauherr habe dort,
"rechtswidrige Rauchabzüge einbauen wollen, und das haben wir nicht
mitgemacht", sagt Pütter. Der eigentliche Streit drehte sich - abgesehen
vom Zeitfaktor - aber um die Frage, wer welche technischen Veränderungen zu
verantworten habe.
Ein interessantes Szenario für die Elbphilharmonie, bei dem es auch um das
Rückgrat der Stadt gehen wird. Denn zwar habe man bislang "keine der
Forderungen anerkannt, weil wir nicht einmal die Begründung kennen", sagt
Kulturbehördensprecher Karl Olaf Petters. Ob die Stadt aber über die
juristischen Kapazitäten verfügt, um Hochtief zu verklagen - und ob man
überhaupt mit Auftragsentzug drohen könnte, steht dahin.
Immerhin einer bleibt optimistisch: Der Generalintendant der
Elbphilharmonie Christoph Lieben-Seutter geht nach wie vor von einer
Eröffnung des Konzerthauses am 17. Mai 2012 aus. Alle Berichte über eine
mögliche Verschiebung des Eröffnungstermins seien "pure Vermutung".
24 Jan 2010
## AUTOREN
(DIR) Petra Schellen
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