# taz.de -- Innenminister de Maizière zur Islamkonferenz: "Das ist ein Dialogangebot"
       
       > Innenminister de Maizière verteidigt sein Konzept für die Islamkonferenz
       > gegen Kritik muslimischer Verbände. Es diene dazu, Ansätze praktisch
       > umzusetzen.
       
 (IMG) Bild: "Die Debatten in den Verbänden sind verständlich" - Innenminister de Maizière.
       
       taz: Herr de Maizière, die Islamkonferenz leistet keinen nachhaltigen
       Beitrag zur Integration von Muslimen, meint der Zentralrat der Muslime und
       will nicht teilnehmen. Müssen Sie Ihr Konzept überdenken? 
       
       Thomas de Maizière: Das Konzept, was ich vorgeschlagen habe, ist ein
       Dialogangebot. Es dient dazu, die wichtigen Ergebnisse der ersten Phase der
       Islamkonferenz praktisch und erfahrbar zu machen. Deshalb wundert mich die
       Kritik. Aber wenn weitere Themen diskutiert werden sollen, können wir das
       gerne tun.
       
       Die Verbände vermissen etwa die Themen Islamfeindlichkeit und Rassismus.
       Sie beklagen, dass sie nicht in die Vorbereitungen einbezogen wurden. 
       
       Dazu kann gerne auch gesprochen werden. Auch wenn ich es nicht so sehe,
       dass unser Land von Islamfeindlichkeit durchdrungen ist.
       
       Nicht nur die muslimischen Verbände, auch ehemalige Mitglieder der
       Islamkonferenz wie die Schriftsteller Navid Kermani und Feridun Zaimoglu
       kritisieren Ihr Vorgehen: Das sei kein Dialog, sondern ein Diktat.
       Verstehen Sie die Kritik? 
       
       Nein, das tue ich nicht. Mein Konzept ist - wie gesagt - ein Dialogangebot.
       Ich hätte mich allerdings gefreut, wenn Herr Kermani oder Herr Zaimoglu
       meiner Einladung gefolgt wären, um über das neue Konzept zu sprechen. Ich
       bin jedenfalls froh und dankbar, dass die anderen muslimischen
       Einzelpersonen der ersten Runde sehr viel Verständnis für die Neubesetzung
       hatten und mir als Berater weiterhin zur Verfügung stehen.
       
       Sie haben den Islamrat von der Islamkonferenz suspendiert, der Zentralrat
       knüpft seine Teilnahme an Bedingungen, die Türkisch-Islamische Union Ditib
       und der Verband der Islamischen Kulturzentren erwägen das Fernbleiben.
       Macht die Konferenz ohne wichtige muslimische Verbände Sinn? 
       
       Soweit sind wir ja nicht. Es gibt Debatten in den Verbänden, die sind
       verständlich. Meine Entscheidung, den Islamrat bis zur Klärung der Vorwürfe
       nicht teilnehmen zu lassen, bleibt unverändert, schließlich sind die Gründe
       dafür gewichtig. Die anderen Verbände sind herzlich eingeladen.
       
       Der Zentralrat will erst nach einem Gespräch mit Ihnen noch mal über seine
       Teilnahme nachdenken. Werden Sie auf die Forderung eingehen? 
       
       Wenn sie zu dem Vorgespräch an diesem Mittwoch kommen, will ich gerne
       zeitnah ein Gespräch mit ihnen führen.
       
       Im Umkehrschluss heißt das: Bleibt der Zentralrat fern, gibt es auch kein
       Gespräch? 
       
       Ich habe ein deutliches Angebot gemacht!
       
       Sie haben den Islamrat ausgeladen, weil gegen führende Repräsentanten des
       Mitgliedsverbands Milli Görüs ermittelt wird. Nun wird gegen ein
       einflussreiches Mitglied der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, die
       zum Zentralrat gehört, in derselben Sache ermittelt. Warum haben Sie den
       Zentralrat wieder eingeladen? 
       
       Es würde den Beginn der Islamkonferenz nicht fördern, wenn ich darüber im
       Einzelnen etwas sage. Ich glaube, die Abgrenzung, die ich vorgenommen habe,
       ist vertretbar. Jetzt ist es an der Zeit, dass man miteinander und nicht
       mehr übereinander redet. Die Islamische Gemeinschaft dominiert nicht in
       gleicher Weise den Zentralrat wie dies bei Milli Görüs und dem Islamrat der
       Fall ist. Zudem haben sich bei der Islamischen Gemeinschaft auch
       Veränderungen in der Führungsstruktur ergeben. Der Zentralrat vertritt
       zudem auch bosnische oder schiitische Muslime, die ansonsten nicht mehr
       mittelbar an der Islamkonferenz beteiligt wären. Vertreter des Zentralrats
       haben sich in der Vergangenheit konstruktiv und kompromissbereit an der
       Arbeit der Islamkonferenz beteiligt.
       
       Eines der drei großen Themen soll der islamische Religionsunterricht sein.
       Dazu hat die erste Islamkonferenz Empfehlungen erarbeitet, die Einführung
       ist Ländersache. Was soll dabei noch herauskommen? 
       
       Natürlich sind für eine Reihe von Umsetzungen Länder und Kommunen
       zuständig, deshalb wird deren Beteiligung aufgestockt. Aber ich fände es
       schade, wenn so große Projekte wie der islamische Religionsunterricht oder
       die Ausbildung von Imamen allein einzelnen Ländern überlassen würde. Auch
       der Wissenschaftsrat hat dazu eine wichtige Empfehlung gegeben, und die
       Umsetzung sollten wir gemeinsam besprechen. Wir brauchen - bei Wahrung der
       Zuständigkeiten in all diesen Fragen nicht weniger, sondern mehr Dialog.
       
       24 Mar 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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