# taz.de -- 1. Mai in Berlin: Nazi-Demo in Prenzlauer Berg
       
       > Die für den 1. Mai angekündigte rechtsextreme Demo findet laut Polizei im
       > Bezirk Pankow statt. Die genaue Strecke nennt sie nicht. Doch in der
       > Bornholmer Straße hat sie Halteverbote angeordnet.
       
 (IMG) Bild: Der schwarze Block der autonomen Nationalisten bei einer Demonstration im Oktober 2009 in Berlin
       
       Die für den kommenden 1. Mai angekündigte rechtsextreme Demonstration wird
       im Bezirk Pankow startet. Das bestätigte die Polizei am Donnerstag der taz.
       Die Kundgebung werde um 11 Uhr beginnen. "Zur Strecke sagen wir nichts",
       erklärte der Sprecher. Da die Demonstration genehmigt sei, "sind wir
       verpflichtet, diese zu ermöglichen".
       
       Offensichtlich soll der Aufzug an der Böse-Brücke beginnen, die die
       Stadtteile Prenzlauer Berg und Wedding miteinander verbindet, und von dort
       über die Bornholmer Straße Richtung Schönhauser Allee ziehen. "Die Polizei
       hat uns angewiesen, in diesem Bereich und in den Seitenstraßen am 1. Mai
       von 7 bis 15 Uhr Sicherheitshalteverbote aufzustellen", sagte der für das
       Pankower Ordnungsamt zuständige Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner
       (Grüne) der taz. "Dass die NPD ausgerechnet an diesem Ort demonstriert,
       finde ich schon frech", so Kirchner weiter. Die Öffnung des Grenzübergangs
       an der Böse-Brücke hatte am 9. November 1989 den Mauerfall eingeleitet.
       
       Die Polizei selbst will die Demo-Route zur "Gefahrenabwehr" möglichst bis
       zuletzt geheim halten. Die Strecke werde allenfalls Stunden vor Beginn
       bekannt gegeben, "wenn niemand mehr in der Lage ist, kurzfristig etwas
       dagegen zu organisieren", sagte der Polizeisprecher.
       
       Zwei Bündnisse, die von Antifa-Gruppen bis hin zur SPD sowie von
       zahlreichen Prominenten unterstützt werden, hatten bereits zur Blockade der
       angekündigten Nazi-Demos aufgerufen [1][(taz berichtete)]. Für andere
       potenzielle Aufmarsch-Orte der Nazis, wie den Alexanderplatz in Mitte oder
       den Mandrella-Platz in der Nähe der NPD-Zentrale in Köpenick, hatte das
       Bündnis [2]["1. Mai - nazifrei!"] bereits detaillierte Blockadepläne ins
       Internet gestellt. "Die werden wir nun überarbeiten", sagte
       Bündnis-Sprecher Jan Landers. Auch er geht davon aus, dass die Nazis durch
       Prenzlauer Berg ziehen sollen. Dort prophylaktisch angemeldete
       Gegendemonstrationen habe die Polizei nicht genehmigt. Gegen
       Antifa-Kundgebungen in Treptow-Köpenick oder Lichtenberg jedoch habe sie
       bei Gesprächen mit den Anmeldern keine Einwände gehabt. Dass die
       rechtsextreme Demo nun ausgerechnet im alternativ geprägten Prenzlauer Berg
       stattfinden soll, sei ein "Affront", meint Landers. "Unserer Mobilisierung
       aber wir das gut tun."
       
       Ursprünglich waren für den 1. Mai drei Demonstrationen aus dem
       rechtsextremen Spektrum angemeldet worden. Eine von der NPD, eine weitere
       vom neuen Landesvize der Berliner NPD, Sebastian Schmidtke. Der dritte
       Anmelder blieb bisher unbekannt. Schmidtke stammt aus dem mittlerweile
       verbotenen Kameradschaftsspektrum, heute ist er bei den so genannten
       "freien Kräften" und "autonomen Nationalisten" aktiv, die bei
       Demonstrationen in der Regel als schwarzer Block antreten.
       
       Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erklärte, dass es nur eine rechtsextreme
       Kundgebung am 1. Mai geben werde. Er teile die Auffassung, dass es für das
       Image Berlins gut sei, wenn sich Gegendemonstranten in hör- und sichtbarer
       Entfernung zu den Rechten artikulierten, sofern sie dies friedlich täten,
       sagte der Senator am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Wenn jedoch erkennbar
       sei, dass sich unter die friedlichen Teilnehmer Gewalttäter mischten, dann
       werde die Polizei für einen angemessenen Abstand zwischen Linken und
       Rechten sorgen. Als Senator rufe er nicht zu Gegenaktionen auf, denn er
       habe die Versammlungsfreiheit aller zu gewährleisten, auch jener, "die wir
       nicht mögen", sagte Körting. Als Bürger hingegen begrüße er es, wenn
       Menschen ihren Protest gegen verfassungsfeindliche Kräfte zum Ausdruck
       brächten.
       
       taz.de wird am 1. Mai mit einem Live-Ticker von allen Demonstrationsorten
       berichten.
       
       22 Apr 2010
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /1/berlin/artikel/1/antifa-jetzt-auch-in-soft/
 (DIR) [2] http://www.1-mai-nazifrei.tk/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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