# taz.de -- 1. Mai: Polizei setzt auf Flaschenverbot
       
       > Von den drei angemeldeten Nazi-Demonstrationen, findet laut Innensenator
       > nur eine statt. Die Polizei hat nun das Einsatzkonzept vorgestellt.
       
 (IMG) Bild: Plakate als erster Vorbote auf den 1. Mai.
       
       1. Mai 2010? Alles wie gehabt, könnte man sagen. Es wird die übliche
       DGB-Demonstration geben, das Kreuzberger Myfest und die revolutionären 1.
       Mai Demonstrationen. Nur in einer Frage, die nicht ganz ohne ist, bleibt
       offen: Wo im Osten der Stadt werden die Rechtsextremen marschieren und
       wieviele Teilnehmer werden kommen?
       
       Mit den Worten "Hand auf Herz, wo laufen sie denn?", versuchte der Grüne
       Abgeordnete Benedikt Lux am Montag im Innenausschuss des
       Abgeordnetenhauses, Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die Route der
       Rechtsextremen zu entlocken. Allmählich wollen die Linken wissen, wohin sie
       ihre Anhänger mobilisieren müssen, damit die Zivilgesellschaft Gesicht
       gegen Rechts zeigen kann. 31 Gegendemonstrationen aus dem alternativen,
       antifaschistischen Spektrum sind bei der Polizei angemeldet worden, um im
       Vorfeld möglichst viele Routen für die Nazis zu blockieren.
       
       Aber Lux biss bei Körting auf Granit. Nur das ließ sich der Innensenator
       entlocken: Statt der drei rechtsextremen Aufzüge, die ursprünglich für den
       1. Mai angemeldet waren, werde es "nur eine einzige rechte Veranstaltung"
       geben. Aber auch diese stehe unter dem Schutz von Grundgesetz und
       Verfassung, stellte der Innensenator mit Blick auf Blockadepläne der Antifa
       klar. "Die Polizei ist verplichtet, alle Demonstrationen zu schützen, auch
       wenn wir es nicht mögen".
       
       Das Einsatzkonzept für Walpurgisnacht und 1. Mai, das der leitende
       Polizeidirektor Michael Lengwenings im Ausschuss präsentierte,
       unterscheidet sich kaum von dem der Vorjahre: Festhalten am Prinzip der
       ausgestreckten Hand, Kooperation mit gesprächsbereiten Akteuren, sofortiges
       Einschreiten gegen Gewalttäter, beweissichere Festnahmen unter Schonung von
       Unbeteiligten. Neu ist nur das strikte Dosen- und Flaschenverbot beim
       MyFest. Getränke dürfen dort nur im Pappbecher ausgeschenkt werden. Polizei
       und Ordnungsamt würden über die Einhaltung des Verbots wachen, so
       Lengwenings. Bei den Walpugisnacht-Feiern im Mauerpark und auf dem
       Boxhagener Platz existiert das Verbot schon seit Jahren.
       
       Zudem dürfen die Geschäfte in der Kreuzberger Partymeile am 1. Mai nicht
       mehr öffnen. Zur Begründung muss das Ladenschlussgesetz herhalten. Der
       CDU-Abgeordnete Kurt Wansner bat Körting im Ausschuss, den Läden für den 1.
       Mai eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Der erwiderte trocken: "Ich kann
       viel, aber das kann ich nicht". Im Landespolizeigesetz ASOG seien keine
       Ausnahmen der Ladenöffnungszeiten vorgesehen.
       
       Wieviele Unterstützungskräfte aus anderen Bundesländern die Polizei zur
       Verfügung hat, vermochte Körting nicht sagen. "Ich gehe davon aus, dass wir
       gut aufgestellt sein werden". Im Vorjahr waren bis zu 6.000 Beamte im
       Einsatz.
       
       Zuvor hatte der Polizeipräsident Dieter Glietsch im Innenausschuss die
       polizeiliche Kriminalstatistik für 2009 vorgestellt. Danach wurde bei
       politisch motivierten Kriminialtät ein Anstieg von 14 Prozent verzeichnet.
       Während die dem rechten politischen Spekrum zuzurechende Kriminalität im
       Vergleich zu 2008 um 10 Prozent gesunken ist, sind linksmotivierte Taten
       mit einer Steigerung um 87 Prozent geradezu explodiert. Deutlich zugenommen
       haben vor allem die Brandstiftungten auf PKW - von 78 Fällen 2008 auf 161
       im Jahr 2009. Nehme man andere Gewalttaten wie Steinwürfe bei
       Demonstrationen hinzu, komme man sogar auf eine Steigerung um 144 Prozent
       im Vergleich zum Vorjahr, sagte Glietsch. Spätestens seit den Protesten
       gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm befinde sich die linksextreme
       Szene im Aufwind, konstatierte Körting. Zumindest was die Brandstiftungen
       auf Autos angeht, ist in den ersten Monaten 2010 ein deutlicher Rückgang zu
       verzeichnen.
       
       19 Apr 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Plutonia Plarre
       
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