# taz.de -- Kritik an Wahl in Äthiopien: Regierung siegt haushoch
       
       > Die regierende EPRDF räumt in Äthiopien fast alle Parlamentssitze ab.
       > Beobachter kritisierten Gewalt und Einschüchterung. Die Opposition
       > forderte Neuwahlen.
       
 (IMG) Bild: Anhänger der EPRDF feiern und singen am 25.5. in Addis Abeba.
       
       BERLIN taz | Der hohe Sieg der in Äthiopien regierenden EPRDF
       (Revolutionäre Demokratische Front des Äthiopischen Volkes) bei den
       Parlamentswahlen vom Wochenende ist auf harte Kritik im Ausland gestoßen.
       Die Wahl habe "internationalen Standards nicht entsprochen", sagte
       US-Außenstaatssekretär Johnnie Carson in Washington und forderte Äthiopien
       auf, "die Stärkung seiner demokratischen Institutionen voranzutreiben".
       
       Die EU-Wahlbeobachtermission in Äthiopien erklärte, es habe Gewalt und
       Einschüchterung gegeben, allerdings nicht in einem Umfang, der das Ergebnis
       infrage stelle. "Alle waren gleich, aber manche waren gleicher als andere",
       sagte der Chef der EU-Beobachter, Thijs Berman.
       
       Der äthiopische Premierminister Meles Zenawi hielt am späten Dienstag vor
       zehntausenden Anhängern eine Siegesfeier in der Hauptstadt Addis Abeba ab,
       als die EPRDF laut Wahlkommission bei 499 von 536 fertig ausgezählten
       Parlamentssitzen lag. 35 weitere Sitze seien an EPRDF-Verbündete gegangen
       und zwei an Oppositionsparteien, einer in Addis Abeba und einer im Süden
       des Landes. Die Wahlbeteiligung soll bei 90 Prozent gelegen haben.
       Äthiopiens Parlament hat 547 Abgeordnete. Bei den Wahlen von 2005 hatte die
       EPRDF laut den amtlichen Angaben 327 Sitze gewonnen, woraufhin bei
       Protesten der von ihrem Sieg überzeugten Opposition rund 200 Menschen
       getötet wurden.
       
       Diesmal ruft die Opposition nicht zu Protesten auf, sondern zu Neuwahlen.
       Einzelnen Berichten zufolge behaupteten Regierungsvertreter in manchen
       Regionen gegenüber den Wählern fälschlicherweise, die Opposition habe sich
       zurückgezogen. Dies schwächte die Opposition in ihren bisherigen
       Hochburgen. Merara Gudina vom Oppositionsbündnis "Medrek" in der
       Oromo-Region erklärte, bei Polizeirazzien seien seit dem Wahltag zwei
       Oppositionsanhänger getötet und sechs verwundet worden. "Meine Mitglieder
       werden gejagt", sagte er. Sowohl Medrek als auch die zweitgrößte
       Oppositionspartei AEUP (Gesamtäthiopische Einheitspartei) erkennen die Wahl
       nicht an.
       
       27 May 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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