# taz.de -- Politische Gefangene kommen frei: Aus Kubas Knästen ins Exil
> Die Regierung will 52 langjährige politische Gefangene freilassen -
> Spanien ist zur Aufnahme bereit. Die katholische Kirche und die spanische
> Regierung haben vermittelt.
(IMG) Bild: Tauwetter in Havanna: Der spanische Diplomat Miguel Angel Moratinos während seines Kuba-Besuchs.
Die Nachricht des Erzbistums von Havanna hatte es in sich. Fünf politische
Gefangene sollen direkt und weitere 47 im Laufe der kommenden drei bis vier
Monate aus den kubanischen Gefängnissen entlassen werden. Das ist die
spektakulärste Freilassung von politischen Gefangenen auf der Insel seit
dem Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1998. Damals waren rund
einhundert von Menschenrechtsorganisationen als politische Gefangene
anerkannte Häftlinge freigelassen worden.
Nun sollen die restlichen 52 Häftlinge der sogenannten Gruppe der 75
freikommen. Diese 75 Oppositionellen, darunter rund zwei Dutzend
Journalisten, waren im März 2003 verhaftet und zu langjährigen
Freiheitsstrafen verurteilt worden.
Gerechnet hatte mit der Freilassung trotz der getroffenen Vorbereitungen
(siehe taz vom 7. Juli) selbst Elizardo Sánchez von der kubanischen
Kommission für Menschenrechte und nationale Versöhnung nicht. Gleichwohl
kritisierte Sánchez, dass die Regierung von Raúl Castro nur das Gefängnis
mit dem Ausland vertausche. Damit spielt Sánchez auf Informationen aus
Kirchenkreisen an, nach denen die Freigelassenen mit ihren Familien das
Land verlassen würden. Ob das verbindlich für alle 52 zu Entlassenden gilt
und Teil des Abkommens zwischen der kubanischen Regierung, der katholischen
Kirche und der spanischen Regierung ist, die sich bereit erklärt hat, alle
Dissidenten aufzunehmen, ist bisher noch unklar.
Gleichwohl ist die Ankündigung der Freilassung in Dissidentenkreisen als
Signal wahrgenommen worden. Auf einen "Anfang des Wandels in Kuba" hofft
Óscar Espinosa Chepe, ehemals einer der Gefangenen der Gruppe der 75.
Skeptisch äußerte sich hingegen Laura Pollán, eine der Wortführerinnen der
oppositionellen "Damen in Weiß". Sie will abwarten, ob die Ankündigungen
auch eintreffen.
Auch der Dissident Guillermo Fariñas bleibt vorerst skeptisch. Solange
nicht mindestens elf oder zwölf der schwer erkrankten Häftlinge
freigelassen sind, will er seinen seit Ende Februar andauernden
Hungerstreik fortsetzen.
8 Jul 2010
## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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