# taz.de -- Kommentar: Protest muss mehr sein als ein Ritual
       
       > Die Absicht der Bundeswehr, die ihr Gelöbnis nicht mehr im Bendlerblock
       > abhalten, sondern sich als öffentlichkeits- und bürgernah direkt vor dem
       > Gebäude der Volksvertretung inszenieren wollte, ist gescheitert.
       
 (IMG) Bild: Seit 2008 wird vor dem Reichstag zum Gelöbnis aufmarschiert
       
       Ja, die Aktivisten vom Gelöbnix haben Recht. In den letzten Jahren waren
       die Kundgebungen klein, weit weg vom Gelöbnis der Bundeswehr vor dem
       Reichstag, und zu hören waren höchstens die Trillerpfeifen. Und das auch
       nur, wenn der Wind richtig stand.
       
       Dass die Proteste trotzdem etwas erreicht haben, ist kein Widerspruch. Denn
       die Absicht der Bundeswehr, die ihr Gelöbnis nicht mehr im Bendlerblock
       abhalten, sondern sich als öffentlichkeits- und bürgernah direkt vor dem
       Gebäude der Volksvertretung inszenieren wollte, ist gescheitert. Die
       Veranstaltung ist eine eigene Welt der Limousinen und Schnittchen,
       abgeschnitten von der Bevölkerung. Mit Absperrungen, die vom nördlichen
       Spreeufer bis über die Straße des 17. Juni hinweg reichen, macht sich die
       Bundeswehr weder unter Berlinern noch unter Touristen Freunde.
       
       Doch ist es deshalb richtig, als Konsequenz auf Proteste zu verzichten? Ist
       kein Protest besser als ein kleiner Protest? Rechtfertigen Konflikte,
       Selbstfindung oder eine Neuausrichtung, dass die Bundeswehr ihr Gelöbnis
       weitgehend ungestört abhalten kann?
       
       Natürlich wäre es wünschenswert, wenn sich die ablehnende Haltung der
       Mehrheit der Bevölkerung zum Einsatz in Afghanistan auch in den
       Teilnehmerzahlen an Anti-Militär-Demos zeigen würde. Wenn die Wehrpflicht
       abgeschafft und die Bundeswehr nicht mehr versuchen würde, Bürgernähe zu
       heucheln. Doch bis es soweit ist, sollte der Protest - und das gilt nicht
       nur für Gelöbnix - jedes Mal wieder einen Impuls haben und nicht nur aus
       rituellen Gründen stattfinden. Sonst wird er irgendwann genauso gesichtslos
       wie das Gelöbnis selbst.
       
       19 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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