# taz.de -- Nahost-Friedensgespräche: US-Regierung lädt ein
> In Washington sollen unter Aufsicht der USA direkte
> israelisch-palästinensische Verhandlungen neu beginnen. Zentraler
> Streitpunkt wird die Siedlungspolitik Israels sein.
(IMG) Bild: Seite an Seite mit Benjamin Netanjahu: Barack Obama will in Washington die Gespräche zwischen Israel und der PLO leiten.
Es scheint, dass der Druck des Weißen Hauses auf die PLO-Führung Früchte
trägt. Anfang September sollen die direkten Friedensgespräche zwischen
Israelis und Palästinensern wieder aufgenommen werden. Nach Medienberichten
wollte US-Außenministerin Hillary Clinton am Freitagnachmittag eine
entsprechende Einladung aussprechen.
Demnach ist als Erstes eine Zusammenkunft in Washington am 2. September
geplant, die unter der Leitung von US-Präsident Barack Obama stattfinden
soll. Ziel ist es angeblich, innerhalb eines Jahres zu einer Einigung zu
kommen. Vor dem Treffen wollen demnach die Palästinenser, die Israelis und
das Nahostquartett noch separate Erklärungen zu dem Prozess abgeben. Vom
Nahostquartett, bestehend aus den USA, der EU, der UN und Russland, wird
erwartet, dass es Zeitrahmen und Verhandlungspunkte benennt, die den
Palästinensern die Aufnahme direkter Gespräche erleichtern können.
Es könnte dabei auch um Garantien gehen, den bis September befristeten
Baustopp Israels im Westjordanland zu verlängern. Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas hatte stets den kompletten Baustopp, einschließlich
Ostjerusalem verlangt. Abbas hatte sich vorsorglich die Rückendeckung der
Arabischen Liga eingeholt, die den direkten Friedensverhandlungen
grundsätzlich positiv gegenübersteht.
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte bislang stets erklärt,
dass Israel nur "ohne Vorbedingungen" zu direkten Verhandlungen bereit sei.
Dazu zählt Netanjahu auch den geforderten Siedlungsstopp, das Festlegen der
Verhandlungspunkte und jeden Bezug auf die Grenzen des Waffenstillstands
von 1967.
Die direkten Verhandlungen zwischen der PLO und der alten israelischen
Regierung unter Ehud Olmert waren im Dezember 2008 mit Beginn des
Gazakriegs eingestellt worden. Netanjahu, der im Frühjahr 2009 die Wahlen
für sich entschied und eine rechte Koalition bildete, lehnte
Friedensverhandlungen zunächst ab und strebte stattdessen einen
"Wirtschaftsfrieden" an.
20 Aug 2010
## AUTOREN
(DIR) Susanne Knaul
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