# taz.de -- Kostenexplosion: Unübliche Verträge
       
       > Man hätte die Elbphilharmonie billiger haben können, sagt deren Erfinder
       > Alexander Gérard. Aber Stadt und Architekten wollten mehr Prunk.
       
 (IMG) Bild: Fertigstellung weiter offen: Ein Bauarbeiter geht auf der Baustelle der Elbphilharmonie an einem Spezial-Fenster vorbei
       
       Jetzt ist das Dach bald drauf, der große Konzertsaal von oben zu, und dann
       regnets auch nicht mehr rein: Schon bald muss der spektakuläre, weil
       besonders steile und akustisch riskante Saal der Elbphilharmonie dem Wetter
       nicht mehr trotzen.
       
       Die Diskussion über die Kostenexplosion des Glaspalastes in der Hafencity
       ist damit aber noch lange nicht zu Ende: Denn immer noch ist unklar, wie es
       von den - von Ideengeber Alexander Gérard und Investor Dieter Becken
       veranschlagten - 77 (nicht staatlichen) Millionen Euro zu jenen 323
       Millionen kommen konnte, die die Stadt inzwischen berappen muss. Denn immer
       noch weiß kaum jemand, wie und wann jene Änderungswünsche von Stadt und den
       Architekten Herzog & de Meuron abgenickt wurden, die den Preisanstieg
       erzeugten: ein dritter Konzertsaal, eine elegantere Fassade und ein
       aufwendig geschwungener Konzertsaal zum Beispiel.
       
       Ursprünglich habe man eine weit kargere Version der Elbphilharmonie im Sinn
       gehabt, sagte Gérard im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA)
       Elbphilharmonie am Mittwoch. Und wenn man die ursprünglichen Pläne nicht
       verändert hätte, wäre die Kalkulation von Gérard und des Investors Dieter
       Becken auch aufgegangen.
       
       Doch die teuren Änderungen erfolgten nicht im rechtsfreien Raum: "Die
       Architekten hatten wohl Verträge, die ihnen große Spielräume bei der
       Ausführungsplanung zubilligten", sagt der PUA-Vorsitzende Peter
       Tschentscher (SPD) der taz. Zudem habe es ja keine direkten Verträge
       zwischen Architekten und dem Generalunternehmer Hochtief gegeben.
       Stattdessen hatten beide jeweils separate Verträge mit der Stadt.
       
       "Dieter Becken hat uns gesagt, dass eine solche Konstruktion in der Branche
       unüblich sei", so Tschentscher. Und wenn Becken und Gérard von der Stadt
       nicht aus dem Projekt herausgekauft worden wären, hätten sie diese
       Vertragskonstruktion nie zugelassen. Üblich sei laut Becken, dass nicht nur
       die Bauausführung, sondern auch die Ausführungsplanung in Händen des
       Generalunternehmers liege. Im Fall Elbphilharmonie wären die Architekten
       dann Subunternehmer von Hochtief gewesen und hätten die Pläne direkt
       dorthin liefern müssen. Bei Verteuerungen hätten Hochtief und Architekten
       darüber verhandeln müssen, wie das Budget trotzdem einzuhalten sei.
       
       Das läuft bei der Elbphilharmonie anders: "Die Architekten ändern die
       Pläne, Hochtief baut weisungsgemäß - und fordert die Mehrkosten dann von
       der Stadt", sagt Tschentscher. Auch Hartmut Wegener, Ex-Chef der
       städtischen Realisierungsgesellschaft Rege, hatte im PUA bereits
       eingeräumt, dass der fehlende Vertrag zwischen Hochtief und den Architekten
       ein Problem gewesen sei.
       
       Warum die Stadt eine so branchenunübliche Vertragskonstruktion wählte,
       darüber schweigen alle Beteiligten. "Der Senat hat uns immer gesagt, der
       Vertrag sei von der weltbesten Vergaberechtlerin, Ute Jaspers aus Hannover,
       geprüft worden", sagt Tschentscher. Gérard habe am Mittwoch aber darauf
       hingewiesen, "dass Vergaberecht und Baurecht zwei verschiedene Fachgebiete
       sind". Die Expertise der Frau Jaspers in puncto Baurecht werde man in einer
       der kommenden Ausschusssitzungen ergründen.
       
       20 Oct 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Petra Schellen
       
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