# taz.de -- Kommentar Glietsch und die Integrationsdebatte: Fürsprecher der Migranten
> Dass Glietsch bei der Eröffnung der Polizeikonferenz zum Thema
> Integration am Dienstag so deutlich werden würde, damit hatte kaum einer
> gerechnet.
(IMG) Bild: "Es wird in einer Weise über Integration und Migration gestritten, die an Ausländer-Raus-Kampagnen vergangener Jahre erinnert", sagte Glietsch.
Plattitüden abzusondern ist nicht die Art von Polizeipräsident Dieter
Glietsch. Aber dass er bei der Eröffnung der Polizeikonferenz zum Thema
Integration am Dienstag so deutlich werden würde, damit hatte kaum einer
gerechnet. Glietsch wandte sich mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen
Polemik, Übertreibungen und ausländerfeindliche Tendenzen in der laufenden
Integrationsdebatte.
Wieder einmal hat der Polizeipräsident überrascht. So wie vor Kurzem bei
einem bunten Abend mit Medienvertretern bei der Wasserschutzpolizei. In
seiner Begrüßungsrede warf er Journalisten vor, eine Hetzjagd auf
entlassene Sexualstraftäter zu betreiben und damit deren Resozialisierung
zu gefährden.
Glietsch ist kein Mensch, der sich in den Vordergrund drängt. Aber wenn er
etwas sagt, sitzt es. Und seine Bilanz kann sich in vielerlei Hinsicht
sehen lassen. Unter ihm wurde die berüchtigte Ausländerpolizei abgeschafft.
Polizisten und Moscheevereine veranstalten heute gemeinsame
Bürgersprechstunden. Kein Bundesland stellt so viele Migranten als
Polizisten ein wie Berlin. Obwohl er nie die Probleme in sozial schwachen
Vierteln geleugnet hat - oder vielleicht gerade weil -, gelang es ihm, eine
Kultur des Vertrauens aufzubauen. Das ist sein größter Erfolg.
Bei der Polizei gibt es Menschen, die aufatmen, wenn der Chef im Mai 2011
in Ruhestand geht. Aber für die Berliner Politik ist es ein Verlust. Und
die Migranten verlieren einen ihrer größten Fürsprecher. Gerade im Umgang
mit ihnen wird sich seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger messen lassen
müssen.
27 Oct 2010
## AUTOREN
(DIR) Plutonia Plarre
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