# taz.de -- Wikileaks in Bedrängnis: "Spiegeln" gegen Attacken
       
       > Der Druck auf Wikileaks nimmt zu: Nachdem auch die französische Seite
       > nicht mehr aufrufbar ist, ruft die Enthüllungsplattform zur digitalen
       > Gegenwehr auf.
       
 (IMG) Bild: Wikileaks ist auf wikileaks.org nicht mehr zu erreichen.
       
       BERLIN taz | Nachdem die Wikileaks-Hauptseite bereits seit Tagen nicht mehr
       erreichbar ist, geht nun auch über ihren Server in Frankreich nichts mehr.
       Wer die URL [1][wikileaks.fr] eintippt, wird derzeit auf die Seite
       [2][wikileaks.ch] umgeleitet, die ebenfalls auf einen anderen Server
       umziehen musste, wie Denis Simonet von der Schweizer Piratenpartei der
       Nachrichtenagentur ap sagte. Die Partei habe laut ap die Kontrolle über die
       Domain.
       
       Grund für den Ausfall des französischen Servers, so wird im Netz gemutmaßt,
       könnten wie auch bei der Abschaltung der bisherigen Hauptdomain
       [3][wikileaks.org] Cyberattacken gewesen sein. Offizielle Angaben gibt es
       hierzu noch nicht.
       
       Wikileaks selbst sieht sich "schweren Attacken" ausgesetzt, wie auf einer
       noch funktionierenden IP-Adresse nachzulesen ist - und ruft nun zum
       "Massenspiegeln" der Inhalte auf: Die Enthüllungsplattform bittet die
       internationale Netzgemeinde darum, Kopien der Wikileaks-Seite auf anderen
       Webseiten im Netz zu veröffentlichen.
       
       So soll es unmöglich werden, die veröffentlichten Informationen komplett
       aus dem Netz zu tilgen. Auf Twitter und anderen Netzkanälen kursieren am
       Sonntag zahlreiche URLs, unter denen Wikileaks weiter eingesehen werden
       kann.
       
       Reporter ohne Grenzen verurteilten am Wochenende auf ihrer Homepage die
       "Blockaden, Cyberattacken und den politischen Druck" gegen Wikileaks, den
       die Veröffentlichungen der geheimen US-Diplomatenmitteilungen ausgelöst
       hatten. Das Vorgehen von Frankreich und den USA sei "schockierend".
       
       Am Samstag hatte außerdem das Bezahlsystem PayPal das
       Wikileaks-Spendenkonto gesperrt. PayPal begründete dies mit seinen
       Allgemeinen Geschäftsbedingungen, laut denen Unterstützung und Förderung
       Dritter zum illegalen Handeln nicht unterstützt würden.
       
       5 Dec 2010
       
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